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Mutter wollte Sohn offenbar einweisen lassen – Stunden später soll er eine Frau im Supermarkt getötet haben

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

Nach der tödlichen Messerattacke in einem Supermarkt in Ratzeburg in Schleswig-Holstein rückt zunehmend die Vorgeschichte des 44-jährigen Tatverdächtigen in den Mittelpunkt. Nach einem aktuellen Medienbericht soll sich seine Mutter bereits am Tattag Sorgen um seinen psychischen Zustand gemacht und versucht haben, eine Unterbringung ihres Sohnes zu erreichen. Nur wenige Stunden später soll der Mann eine ihm offenbar völlig unbekannte Frau in einem Lidl-Markt mit einem Messer tödlich verletzt haben.

Damit stellt sich die Frage, ob es vor der Tat konkrete Warnsignale gab und ob eine frühere Intervention möglich gewesen wäre. Ob die Tat tatsächlich hätte verhindert werden können, lässt sich nach dem derzeit bekannten Stand jedoch nicht beurteilen.

48-Jährige offenbar wahllos angegriffen

Die Tat ereignete sich am 9. September 2026 gegen 15.35 Uhr in einem Supermarkt in der Bahnhofsallee in Ratzeburg.

Nach den bisherigen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft Lübeck und Polizei soll der 44-Jährige plötzlich eine zwischen den Regalen stehende 48-jährige Kundin mit einem Messer angegriffen haben.

Die Frau erlitt mehrere Stich- und Schnittverletzungen und starb noch am Tatort.

Nach Angaben der Ermittler kannten sich der Tatverdächtige und das Opfer offenbar nicht. Die Polizei geht nach dem bisherigen Stand vielmehr davon aus, dass die Frau wahllos ausgewählt wurde.

Drei Zeugen griffen ein

Während des Angriffs schritten drei Zeugen ein und hielten den 44-Jährigen fest.

Dabei soll der Tatverdächtige das Messer gegen sich selbst gerichtet und sich schwere Verletzungen zugefügt haben. Den Helfern gelang es schließlich, ihn zu entwaffnen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Der Mann wurde anschließend in ein Krankenhaus nach Lübeck gebracht.

Staatsanwaltschaft und Mordkommission ermitteln wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts. Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund der Tat liegen nach Angaben der Ermittler bislang nicht vor.

Ermittler prüfen psychischen Ausnahmezustand

Von besonderer Bedeutung ist deshalb der psychische Zustand des 44-Jährigen.

Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen ausdrücklich, ob sich der Tatverdächtige während des Angriffs in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben könnte.

Nach dem nun veröffentlichten Bericht soll seine Mutter bereits vor der Tat erhebliche Sorgen gehabt haben. Sie habe demnach versucht, eine Einweisung ihres Sohnes zu veranlassen.

Welche konkreten Auffälligkeiten sie beobachtet hatte, an wen sie sich wandte und wie auf ihr Anliegen reagiert wurde, geht aus den bislang vorliegenden gesicherten Behördenangaben jedoch nicht hervor.

Gerade diese Punkte dürften für die weitere Aufarbeitung entscheidend sein.

Hätte der Angriff verhindert werden können?

Allein der Wunsch eines Angehörigen nach einer psychiatrischen Einweisung reicht rechtlich grundsätzlich nicht aus, um einen erwachsenen Menschen gegen seinen Willen unterzubringen.

Für eine zwangsweise Unterbringung gelten hohe rechtliche Voraussetzungen. Entscheidend ist insbesondere, ob aufgrund einer psychischen Störung eine konkrete erhebliche Gefahr für die betroffene Person selbst oder für andere Menschen besteht. Ob solche Voraussetzungen bei dem 44-Jährigen vor der Tat erkennbar vorlagen, ist bislang nicht geklärt.

Deshalb wäre es verfrüht, Behörden oder medizinischem Personal bereits jetzt ein Versagen vorzuwerfen.

Sollte sich allerdings bestätigen, dass die Mutter unmittelbar vor der Tat konkrete Hinweise auf eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung gegeben hatte, dürfte genau untersucht werden, welche Informationen vorlagen, wer davon wusste und welche Maßnahmen daraufhin ergriffen wurden.

Tatverdächtiger war der Polizei bereits bekannt

Der 44-Jährige war nach Angaben der Polizei bereits früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Vor mehreren Jahren war er wegen eines Betäubungsmitteldelikts zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Daraus lässt sich allerdings weder eine besondere Gewaltbereitschaft noch ein Zusammenhang mit der jetzigen Tat ableiten.

Entscheidend sind vielmehr die aktuellen Ermittlungen zu seinem psychischen Zustand und zur unmittelbaren Vorgeschichte des Angriffs.

Viele Fragen sind noch offen

Die Ermittler müssen nun nicht nur rekonstruieren, warum die 48-Jährige sterben musste. Auch die Stunden vor der Tat könnten eine zentrale Rolle spielen.

Sollte sich bestätigen, dass die Mutter bereits am selben Tag professionelle Hilfe für ihren Sohn suchte, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob eine gefährliche Entwicklung möglicherweise schon vor dem Angriff erkennbar war.

Eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.

Fest steht nach dem bisherigen Ermittlungsstand lediglich: Der 44-Jährige soll eine ihm unbekannte Frau unvermittelt angegriffen und tödlich verletzt haben. Ob eine psychische Erkrankung beziehungsweise ein akuter Ausnahmezustand dafür ursächlich war und ob die Tat durch eine vorherige Unterbringung hätte verhindert werden können, müssen die weiteren Ermittlungen klären.

Für den Tatverdächtigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

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