Sie sollten zu Wahrzeichen werden, luxuriöse Wohnungen beherbergen, internationale Hotelgäste empfangen oder ganze Stadtviertel aufwerten. Stattdessen stehen in verschiedenen Teilen der Welt riesige Hochhäuser als unfertige Skelette aus Stahl, Beton und Glas.
Die Gründe für solche gescheiterten Großprojekte sind unterschiedlich: Finanzkrisen, insolvente Investoren, politische Umbrüche, explodierende Baukosten oder jahrelange Rechtsstreitigkeiten können ambitionierte Hochhausprojekte praktisch über Nacht zum Stillstand bringen.
Manche dieser Bauwerke bleiben jahrzehntelang unvollendet. Bei anderen gibt es immer wieder neue Investoren und Pläne für eine Fertigstellung.
Ryugyong Hotel: Pjöngjangs riesige Pyramide
Zu den bekanntesten Beispielen gehört das Ryugyong Hotel in Pjöngjang. Der ungewöhnliche, pyramidenförmige Wolkenkratzer prägt mit einer Höhe von rund 330 Metern die Skyline der nordkoreanischen Hauptstadt.
Der Bau begann bereits Ende der 1980er-Jahre. Das Gebäude sollte zu einem prestigeträchtigen internationalen Hotel werden.
Doch die Arbeiten kamen zum Erliegen. Über viele Jahre stand lediglich der gewaltige Betonrohbau in der Stadt. Später erhielt das Gebäude eine Glasfassade und wurde äußerlich erheblich aufgewertet.
Eine reguläre Nutzung als großes internationales Hotel, wie sie ursprünglich vorgesehen war, kam jedoch lange Zeit nicht zustande. Damit wurde das Hochhaus zu einem der bekanntesten Beispiele für ein gigantisches Bauprojekt, dessen ursprüngliche Ambitionen nicht verwirklicht wurden.
Sathorn Unique Tower: Bangkoks berühmter „Ghost Tower“
Mitten in Bangkok steht ein weiterer spektakulärer Hochhaus-Torso: der Sathorn Unique Tower.
Das Gebäude sollte ursprünglich ein luxuriöser Wohnkomplex werden. Der Bau begann in den 1990er-Jahren und war bereits weit fortgeschritten, als die asiatische Finanzkrise 1997 zahlreiche Immobilienprojekte in Thailand traf.
Die Finanzierung brach weg und die Arbeiten wurden eingestellt.
Zurück blieb ein fast fertiggestelltes Hochhaus mit Dutzenden Stockwerken. Wegen seines verlassenen Zustands erhielt es den Beinamen „Ghost Tower“.
Das Betreten des Gebäudes ist nicht mit einer touristischen Besichtigung zu verwechseln: Verlassene Baustellen können erhebliche Gefahren bergen und befinden sich häufig auf Privatgelände.
Torre de David: Vom Finanzzentrum zum improvisierten Wohnhaus
Eine besonders ungewöhnliche Geschichte besitzt der Torre de David in Caracas.
Der venezolanische Hochhauskomplex war ursprünglich als Finanzzentrum vorgesehen. Nach finanziellen Problemen wurde der Bau jedoch nicht vollendet.
Später zogen zahlreiche Menschen in den unfertigen Komplex ein. Damit entwickelte sich das Hochhaus zeitweise zu einer improvisierten vertikalen Wohnsiedlung.
Der Fall zeigt, dass ein gescheitertes Hochhausprojekt nicht zwangsläufig völlig ungenutzt bleiben muss. Gleichzeitig fehlten wesentliche Voraussetzungen eines regulär fertiggestellten Wohngebäudes.
Goldin Finance 117: Gigantischer Rohbau in China
Noch gewaltiger ist Goldin Finance 117 in Tianjin. Das chinesische Hochhaus wurde als eines der höchsten Gebäude der Welt geplant.
Der Turm erreicht eine Höhe von fast 600 Metern. Doch finanzielle Schwierigkeiten brachten das Prestigeprojekt ins Stocken.
Das Ergebnis ist besonders eindrucksvoll: Anders als bei einem Projekt, das bereits nach wenigen Etagen aufgegeben wird, war hier bereits ein riesiger Teil des eigentlichen Hochhauses entstanden.
Damit zeigt das Gebäude zugleich das enorme wirtschaftliche Risiko solcher Megaprojekte. Je weiter der Bau fortgeschritten ist, desto größer sind die bereits investierten Summen – und desto schwieriger kann es werden, ein gescheitertes Projekt wirtschaftlich noch zu retten.
Warum werden solche Hochhäuser nicht einfach fertiggebaut?
Von außen erscheint es zunächst unverständlich, warum Investoren einen nahezu fertigen Wolkenkratzer jahrelang stehen lassen.
Doch bei einem Baustopp entstehen neue Probleme. Witterung kann der Bausubstanz zusetzen, technische Anlagen veralten und ursprüngliche Bauvorschriften können sich ändern.
Soll ein Projekt Jahre später wieder aufgenommen werden, muss deshalb zunächst geprüft werden, ob Tragwerk, Fassade, Brandschutz, Elektrik, Aufzüge und andere technische Systeme noch den Anforderungen entsprechen.
Hinzu kommt die entscheidende wirtschaftliche Frage: Lässt sich mit dem fertigen Gebäude überhaupt noch genügend Geld verdienen?
Ein Investor wird nicht allein deshalb weitere Millionen oder Milliarden investieren, weil bereits viel Geld verbaut wurde.
Immobilienboom kann riesige Projekte zu Fall bringen
Viele Hochhausruinen sind eng mit früheren Immobilienbooms verbunden.
Solange Grundstückspreise steigen und Wohnungen, Büros oder Hotelzimmer hohe Einnahmen versprechen, lassen sich selbst gigantische Projekte finanzieren.
Dreht sich der Markt, kann dieses Modell zusammenbrechen. Banken vergeben weniger Kredite, Käufer springen ab und Investoren geraten in Zahlungsschwierigkeiten.
Aus einem Prestigeprojekt kann so innerhalb kurzer Zeit ein nahezu unverkäuflicher Rohbau werden.
Abriss ist ebenfalls extrem teuer
Doch warum werden solche Gebäude nicht wenigstens abgerissen?
Auch das kann bei einem Wolkenkratzer enorme Kosten verursachen. Ein Hochhaus mitten in einer dicht bebauten Großstadt lässt sich nicht ohne Weiteres sprengen.
Bauteile müssen teilweise Stockwerk für Stockwerk zurückgebaut werden. Hinzu kommen Sicherheitsmaßnahmen, Entsorgungskosten und mögliche Schadstoffe.
Deshalb kann es für Eigentümer wirtschaftlich günstiger sein, ein unvollendetes Gebäude zunächst stehen zu lassen und auf einen neuen Investor oder bessere Marktbedingungen zu warten.
Aus einer Ruine kann doch noch ein Hochhaus werden
Nicht jedes aufgegebene Hochhaus muss dauerhaft ein Lost Place bleiben.
Steigen Grundstückspreise oder verändert sich die Nachfrage, können jahrzehntealte Projekte plötzlich wieder interessant werden. Dann gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten: Das ursprüngliche Konzept wird weitergeführt, das Gebäude bekommt eine völlig neue Nutzung oder vorhandene Teile werden zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt.
Ob eine Rettung wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vor allem vom Zustand der Konstruktion und den Kosten einer Modernisierung ab.
Damit sind die verlassenen Wolkenkratzer mehr als spektakuläre Fotomotive. Sie sind riesige Denkmäler gescheiterter wirtschaftlicher Erwartungen.
Wo einst Investoren von Luxuswohnungen, Hotels und prestigeträchtigen Bürotürmen träumten, stehen heute teilweise gigantische Betonbauten leer. Einige werden möglicherweise doch noch fertiggestellt. Andere dürften noch viele Jahre daran erinnern, wie schnell aus einem Höhenflug am Immobilienmarkt ein milliardenschwerer Stillstand werden kann.