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Sorge vor dem Winter: Warum Deutschlands Gasspeicher nur halb voll sind

Deutschlands Gasspeicher sind derzeit ungewöhnlich schwach gefüllt. Mitte August lag der Füllstand bei nur rund 50 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es zum gleichen Zeitpunkt noch etwa 67 Prozent. Bis zum 1. November 2026 sollen die Speicher grundsätzlich einen Füllstand von 80 Prozent erreichen.

Die niedrigen Werte sorgen zunehmend für Unruhe. Denn je weniger Gas Deutschland vor Beginn der Heizperiode eingelagert hat, desto stärker ist das Land im Winter auf laufende Lieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Warum wird derzeit so wenig Gas gespeichert?

Der wichtigste Grund ist der hohe Gaspreis.

Normalerweise kaufen Energiehändler im Sommer vergleichsweise günstiges Gas, speichern es ein und verkaufen es im Winter wieder, wenn die Nachfrage und häufig auch die Preise höher sind.

Dieses Geschäftsmodell funktioniert momentan nur eingeschränkt. Durch den Iran Krieg und die Probleme beim Transport von Öl und Gas durch die Straße von Hormus sind die internationalen Energiepreise stark gestiegen. Der europäische Gaspreis erreichte zuletzt rund 64,60 Euro je Megawattstunde und damit den höchsten Stand seit März.

Für Händler bedeutet das: Sie müssten jetzt relativ teures Gas kaufen und einlagern, ohne zu wissen, ob sie es im Winter noch teurer verkaufen können. Dieses finanzielle Risiko bremst die Einspeicherung.

Reicht die Zeit bis November überhaupt noch?

Genau daran gibt es inzwischen erhebliche Zweifel.

Die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas hält es für kaum noch möglich, die gesetzliche Vorgabe zum 1. November zu erreichen. Selbst wenn täglich bis zu 1,2 Terawattstunden Gas eingespeichert würden, wäre das Ziel nur schwer erreichbar. Tatsächlich wird derzeit deutlich weniger eingespeichert.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Deutschland im Winter das Gas ausgeht.

Deutschland bekommt weiterhin Gas aus dem Ausland

Anders als vor der Energiekrise ist Deutschland inzwischen breiter aufgestellt.

Fast die Hälfte des Gasbedarfs wird nach Angaben des Wirtschaftsministeriums durch Lieferungen aus Norwegen gedeckt. Hinzu kommt Pipelinegas über Frankreich und Belgien. Außerdem kann Deutschland über seine LNG Terminals Flüssigerdgas importieren, das zu einem erheblichen Teil aus den USA stammt.

Damit sind die Speicher heute nicht mehr die einzige Absicherung für den Winter. Während der Heizperiode kann weiterhin Gas nach Deutschland geliefert werden.

Das Problem entsteht, wenn mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig zusammentreffen: ein sehr kalter Winter, außergewöhnlich hoher Verbrauch, weitere internationale Krisen und gleichzeitig Einschränkungen bei den Gaslieferungen.

Dann wären gut gefüllte Speicher besonders wichtig.

Bundesnetzagentur fordert Händler zum Handeln auf

Auch die Bundesnetzagentur sieht die niedrigen Speicherstände mit Sorge. Ihr Präsident Klaus Müller weist darauf hin, dass grundsätzlich genügend Gas verfügbar sei und erwartet deshalb von den Händlern, stärker für den Winter vorzusorgen.

Das Wirtschaftsministerium bezeichnet die derzeitige Befüllung ebenfalls als sehr niedrig und fordert die Unternehmen auf, mehr Gas einzuspeichern.

Für die Bundesregierung entsteht damit ein schwieriges Problem: Greift der Staat nicht ein, muss er darauf vertrauen, dass der Markt rechtzeitig genügend Gas einlagert. Greift er ein und sorgt selbst für zusätzliche Einkäufe, könnten hohe Kosten entstehen, die letztlich vom Staat oder von den Verbrauchern getragen werden müssten.

Droht deshalb ein teurer Winter?

Diese Gefahr besteht durchaus.

Selbst wenn genügend Gas vorhanden ist, können niedrige Speicherstände die Preise empfindlicher auf Krisen reagieren lassen. Kommt es beispielsweise im Winter zu einer längeren Kälteperiode, steigt die Nachfrage stark. Sind die Reserven gleichzeitig niedrig, müssen größere Mengen kurzfristig auf dem internationalen Markt beschafft werden.

Dann konkurriert Deutschland mit anderen europäischen Staaten und möglicherweise auch mit asiatischen Abnehmern um LNG Lieferungen.

Deshalb ist momentan weniger ein unmittelbarer Gasmangel das Hauptproblem als das Preisrisiko.

Für Haushalte könnte ein ungünstiger Winter deshalb bedeuten, dass Gasversorger höhere Beschaffungskosten haben. Diese können mit zeitlicher Verzögerung auch bei den Verbrauchern ankommen.

Die entscheidenden Monate kommen jetzt

Ob Deutschland tatsächlich ein Versorgungsproblem bekommt, lässt sich Ende August noch nicht seriös vorhersagen. Die Speicher sind zwar ungewöhnlich niedrig gefüllt, gleichzeitig verfügt Deutschland heute über deutlich mehr Bezugswege als zu Beginn der Energiekrise.

Problematisch wäre vor allem eine Kombination aus halbvollen Speichern, einem sehr kalten Winter, hohen Weltmarktpreisen und Störungen bei den Importen.

Deshalb sind die kommenden Wochen entscheidend. Steigt die Einspeicherung deutlich, verbessert sich die Ausgangslage für den Winter. Bleibt sie dagegen auf dem derzeit niedrigen Niveau, wird Deutschland stärker darauf angewiesen sein, dass während der gesamten Heizperiode ausreichend Gas aus dem Ausland geliefert werden kann.

Und genau darin liegt das Risiko: Gas kann durchaus vorhanden sein – aber es könnte im Winter erheblich teurer werden.

Ich kann die Speicherstände und Gaspreise weiter beobachten und Sie informieren, wenn sich die Versorgungslage deutlich verschärft.

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