Für viele ChatGPT-Nutzer in Europa ändert sich ab der kommenden Woche die Nutzung des KI-Dienstes. Nach dem vorliegenden Bericht will OpenAI ab 24. August 2026 Werbeanzeigen in ChatGPT ausspielen. Betroffen sind demnach die kostenlose Version sowie der günstigere Tarif ChatGPT Go.
Die Anzeigen sollen unmittelbar unter den Antworten des Chatbots erscheinen und deutlich als „gesponsert“ gekennzeichnet werden. Für zahlende Nutzer höherer Tarife bleibt ChatGPT dagegen werbefrei.
Deutschland und Österreich gehören zu den Startländern
Nach Angaben des Berichts wird die Werbung gleichzeitig in mehreren europäischen Ländern eingeführt. Dazu gehören unter anderem Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien.
Wer ChatGPT kostenlos verwendet oder den Go-Tarif nutzt, kann damit künftig nach einer Antwort eine separat gekennzeichnete Werbeanzeige sehen. Die Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sollen weiterhin ohne Werbung angeboten werden.
Auch Nutzer, die OpenAI als minderjährig einstuft, sollen keine Anzeigen erhalten.
Anzeigen orientieren sich am Gespräch
Interessant ist vor allem die Frage, welche Werbung Nutzer zu sehen bekommen. Laut Bericht können Anzeigen anhand des aktuellen Gesprächskontexts ausgewählt werden.
OpenAI betont dabei eine klare Trennung zwischen Werbung und den eigentlichen Antworten: Werbetreibende sollen keinen Einfluss darauf haben, was ChatGPT antwortet. Die Anzeigen werden separat unterhalb der Antwort dargestellt.
Auch die Unterhaltungen selbst sollen für Werbekunden nicht zugänglich sein. OpenAI erklärt, dass Gespräche gegenüber Werbetreibenden privat bleiben und Nutzerdaten nicht an Werbekunden verkauft werden.
Zunächst keine personalisierte Werbung in Europa
Zum europäischen Start soll es laut dem Bericht zunächst keine personalisierte Werbung geben. Eine Anzeige kann sich also auf den Kontext einer Unterhaltung beziehen, ohne dafür ein längerfristiges persönliches Werbeprofil des Nutzers heranzuziehen.
Zudem sollen bestimmte sensible beziehungsweise regulierte Themenbereiche von Werbung ausgenommen werden. Als Beispiele werden Gesundheit und Politik genannt.
Damit versucht OpenAI offenbar, eine Grenze zwischen kommerziellen Anzeigen und besonders sensiblen Gesprächen zu ziehen.
Werbung soll Antworten nicht beeinflussen
Eine der entscheidenden Fragen für Nutzer dürfte sein, ob Unternehmen künftig dafür bezahlen können, in den eigentlichen ChatGPT-Antworten bevorzugt genannt zu werden.
Nach den von OpenAI dargestellten Grundsätzen lautet die Antwort darauf: nein. Anzeigen sollen keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT haben und von diesen klar getrennt bleiben.
Für Nutzer soll deshalb erkennbar sein, was eine normale KI-Antwort und was eine bezahlte Werbeplatzierung ist.
Strategiewechsel bei OpenAI
Die Einführung von Werbung ist auch wirtschaftlich bemerkenswert. ChatGPT wurde 2022 veröffentlicht und hat sich seitdem zu einem der weltweit bekanntesten KI-Dienste entwickelt. Gleichzeitig verursacht der Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle erhebliche Kosten, insbesondere durch die benötigte Recheninfrastruktur.
Mit Werbung erschließt OpenAI nun eine zusätzliche Einnahmequelle neben den bestehenden Abonnements.
Nach dem vorliegenden Bericht stellt dies zugleich einen Kurswechsel dar: OpenAI-Chef Sam Altman hatte Werbung innerhalb von Chat-Angeboten früher kritisch beurteilt.
Was Nutzer ab dem 24. August beachten sollten
Für Nutzer ist vor allem die Kennzeichnung entscheidend. Erscheint unter einer ChatGPT-Antwort ein separat als „gesponsert“ gekennzeichneter Inhalt, handelt es sich um eine Anzeige der Plattform und nicht um einen Bestandteil der eigentlichen Antwort.
Wer keine Werbung sehen möchte, kann laut den derzeitigen Produktinformationen einen werbefreien Tarif wie Plus oder Pro verwenden. Auch Business-, Enterprise- und Edu-Angebote bleiben werbefrei. Für Nutzer der kostenlosen Version gibt es außerdem in den Werbeeinstellungen eine werbefreie Option mit reduzierten Nutzungslimits.
Damit beginnt für ChatGPT in Europa am 24. August 2026 eine neue Phase: Die kostenlose Nutzung bleibt bestehen, wird für einen Teil der Nutzer künftig jedoch durch klar gekennzeichnete Werbung mitfinanziert.