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Immer mehr Frauen von Unfruchtbarkeit betroffen – Experten sehen späteren Kinderwunsch als wichtigen Grund

congerdesign (CC0), Pixabay

Immer mehr Frauen weltweit sind von Unfruchtbarkeit betroffen. Nach einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung suchen heute deutlich mehr Frauen wegen Fruchtbarkeitsproblemen medizinische Hilfe als noch vor wenigen Jahrzehnten. Forschende gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken wird.

Die im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynaecology & Women’s Health veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2023 weltweit rund 54 Millionen Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren unfruchtbar waren. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 1990, als noch etwa 27 Millionen Frauen betroffen waren. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, könnte die Zahl bis zum Jahr 2036 auf rund 80 Millionen steigen.

Als einen wesentlichen Grund nennen die Wissenschaftler den zunehmenden Trend, Kinder erst in einem späteren Lebensabschnitt zu bekommen. Vor allem in wirtschaftlich starken Ländern verschieben viele Menschen die Familiengründung wegen längerer Ausbildungszeiten, beruflicher Karriere, finanzieller Unsicherheiten oder persönlicher Lebensplanung nach hinten. Gleichzeitig nimmt jedoch die natürliche Fruchtbarkeit der Frau mit zunehmendem Alter deutlich ab.

Nach Einschätzung von Demografie-Expertin Éva Beaujouan von der Universität Wien spielen mehrere gesellschaftliche Entwicklungen zusammen. Neben längeren Studienzeiten und wirtschaftlichen Herausforderungen würden viele junge Erwachsene zunächst andere Lebensziele verfolgen, etwa Reisen oder den beruflichen Aufstieg. Auch die steigende Lebenserwartung und veränderte Wertvorstellungen hätten Einfluss auf die Familienplanung.

Medizinisch beginnt die Fruchtbarkeit bereits ab etwa dem 35. Lebensjahr spürbar abzunehmen. Nach Angaben des Reproduktionsmediziners Beda Hartmann sinken sowohl die Zahl als auch die Qualität der Eizellen deutlich. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft kontinuierlich ab.

Vor diesem Hintergrund erwarten Fachleute ein wachsendes Interesse am sogenannten Social Egg Freezing. Dabei lassen Frauen unbefruchtete Eizellen vorsorglich einfrieren, um sie später für eine Schwangerschaft nutzen zu können. Da der Erfolg einer künstlichen Befruchtung vor allem vom Alter der eingefrorenen Eizellen abhängt, empfehlen einige Experten, diesen Schritt bereits in den Zwanzigern in Betracht zu ziehen.

Nach Schätzungen der Forschenden kämpfen weltweit etwa acht bis zwölf Prozent aller Paare mit Fruchtbarkeitsproblemen. Besonders häufig betroffen sind Frauen zwischen 35 und 49 Jahren.

Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass sich die Entwicklung nicht vollständig aufhalten lassen dürfte. Dennoch könnten politische Maßnahmen helfen, den Trend zumindest abzuschwächen. Dazu zählen unter anderem ein flächendeckender Ausbau der Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ziel müsse es sein, dass Menschen ihren Kinderwunsch zu dem Zeitpunkt verwirklichen können, den sie sich selbst wünschen.

Die Studie basiert auf einer Auswertung wissenschaftlicher Daten aus 204 Ländern und Regionen im Zeitraum von 1990 bis 2023. Allerdings weisen unabhängige Fachleute darauf hin, dass einzelne Hochrechnungen mit Vorsicht zu betrachten sind. Insbesondere die Daten einzelner Länder könnten aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden von der tatsächlichen Entwicklung abweichen. Trotzdem macht die Untersuchung deutlich, dass Fruchtbarkeitsprobleme weltweit zunehmend an Bedeutung gewinnen und künftig sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich stärker in den Fokus rücken dürften.

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