Der Jahresbericht des Deka STOXX® Europe Strong Growth 20 UCITS ETF zeigt aus Anlegersicht ein gemischtes Bild. Einerseits investiert der ETF gezielt in wachstumsstarke europäische Qualitätsunternehmen mit hoher Innovationskraft, andererseits belasteten Marktverwerfungen, starke Umschichtungen im Portfolio sowie deutliche Mittelabflüsse die Entwicklung im Geschäftsjahr 2025/2026 erheblich.
Der Fonds verzeichnete auf Jahressicht eine negative Performance von -3,7 %, während über fünf Jahre sogar eine durchschnittliche Rendite von -1,3 % p.a. erzielt wurde. Positiv hervorzuheben ist lediglich die mittelfristige Entwicklung mit +2,3 % p.a. über drei Jahre. Für einen Growth-ETF bleibt diese Bilanz insgesamt jedoch enttäuschend.
Besonders auffällig ist die starke Neuausrichtung des Portfolios. Zahlreiche etablierte Wachstumswerte wie adidas, Novo Nordisk, Sartorius Stedim oder Safran wurden vollständig verkauft. Stattdessen setzte der Index verstärkt auf Rüstungs-, Technologie- und Infrastrukturwerte wie Rheinmetall, Saab, HENSOLDT, Siemens Energy oder RENK Group. Diese Umschichtung deutet auf eine strategische Anpassung an geopolitische Entwicklungen und den europäischen Investitionsboom im Verteidigungs- und Energiesektor hin.
Die aktuelle Portfoliozusammensetzung ist stark konzentriert. Bereits die fünf größten Positionen – VAT Group, ASML, Siemens Energy, BE Semiconductor und Saab – machen zusammen rund 36 % des Fondsvermögens aus. Das erhöht zwar die Chancen auf überdurchschnittliche Gewinne, führt aber gleichzeitig zu einer deutlich höheren Schwankungsanfälligkeit. Die ausgewiesene Volatilität von 21,39 % bestätigt dieses erhöhte Risikoprofil.
Positiv zu bewerten ist die sehr präzise Indexnachbildung. Mit einem äußerst niedrigen Tracking Error von 0,07 % arbeitet der ETF technisch effizient und erfüllt seinen passiven Investmentansatz nahezu perfekt. Auch die Gesamtkostenquote von 0,65 % bewegt sich für einen spezialisierten europäischen Themen-ETF im akzeptablen Bereich, wenngleich sie höher ausfällt als bei breit diversifizierten Standard-ETFs.
Problematisch erscheint hingegen der deutliche Rückgang des Fondsvolumens. Das Fondsvermögen sank innerhalb eines Jahres von rund 210 Mio. Euro auf etwa 163 Mio. Euro. Hauptursache waren massive Mittelabflüsse von über 37 Mio. Euro. Dies signalisiert, dass viele Anleger dem Fonds zuletzt Kapital entzogen haben – vermutlich aufgrund der schwachen Wertentwicklung und der allgemeinen Unsicherheit bei europäischen Growth-Aktien.
Auch die Gewinn- und Verlustrechnung offenbart Schwächen. Das Geschäftsjahresergebnis lag bei -8,6 Mio. Euro. Neben realisierten Verlusten belasteten insbesondere nicht realisierte Kursverluste das Ergebnis. Zwar generiert der Fonds solide Dividendenerträge, diese reichen jedoch nicht aus, um die Kursschwankungen auszugleichen.
Aus langfristiger Anlegersicht bleibt der ETF dennoch interessant für risikobereite Investoren, die gezielt auf europäische Wachstumsunternehmen setzen möchten. Besonders attraktiv erscheinen die hohen Gewichtungen in Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Verteidigung, Digitalisierung und Energieinfrastruktur. Unternehmen wie ASML, Siemens Energy oder Rheinmetall könnten von langfristigen strukturellen Trends profitieren.
Allerdings eignet sich der Fonds weniger für konservative Anleger oder Investoren, die stabile Erträge und geringe Schwankungen suchen. Die hohe Konzentration auf einzelne Branchen und Wachstumswerte macht den ETF empfindlich gegenüber Marktumschwüngen, Zinsentwicklungen und geopolitischen Risiken.
Insgesamt vermittelt der Jahresbericht das Bild eines offensiv positionierten europäischen Growth-ETF mit langfristigem Potenzial, jedoch aktuell erhöhtem Risiko und schwacher kurzfristiger Performance. Für Anleger mit hoher Risikobereitschaft könnte die aktuelle Schwächephase eine Einstiegsgelegenheit darstellen – defensive Investoren sollten hingegen Vorsicht walten lassen.