1) Performance und Ergebnisqualität
Im Geschäftsjahr 01.11.2024 bis 31.10.2025 erzielte der Vermögensmandat Select eine Wertsteigerung von 3,67 % je Anteil (BVI-Methode, in EUR). Der Anteilwert stieg zum Stichtag 31.10.2025 auf 113,79 EUR (Vorjahr 109,76 EUR).
Das Ergebnis des Geschäftsjahres beträgt 337.128 EUR. Auffällig ist die Zusammensetzung:
Realisierte Gewinne/Verluste aus Veräußerungsgeschäften: +2.228.040 EUR
Ordentlicher Nettoertrag (Erträge minus laufende Kosten): -182.265 EUR
Nicht realisiertes Ergebnis: -1.708.647 EUR
Aus Anlegersicht bedeutet das: Die positive Jahresrendite wurde wesentlich durch realisierte Umschichtungsgewinne getragen, während die laufende Ertragskraft (nach Kosten) negativ war und Marktwertschwankungen das nicht realisierte Ergebnis belasteten.
2) Fondsstruktur und Portfolioausrichtung
Zum 31.10.2025 setzt sich das Fondsvermögen wie folgt zusammen:
Investmentanteile (überwiegend ETFs): 93,86 %
Bankguthaben: 6,36 %
Derivate: 0 %
Der Schwerpunkt liegt auf Aktien- und Renten-ETFs. Regional sind insbesondere die USA (MSCI USA, S&P 500) und Europa (Stoxx Europe 600, Euro Stoxx 50) vertreten, ergänzt um Emerging Markets. Auf der Rentenseite dominieren Euro-Staatsanleihen und Euro-Unternehmensanleihen, ergänzt um Kurzläufer und Floating-Rate-Ansätze. Insgesamt wirkt die Aufstellung wie ein breit diversifiziertes Multi-Asset-Portfolio, umgesetzt über Zielfonds.
3) Mittelbewegungen und Fondsgröße
Das Fondsvermögen sank von 18,19 Mio. EUR (01.11.2024) auf 14,77 Mio. EUR (31.10.2025). Treiber war ein Netto-Mittelabfluss von -3,97 Mio. EUR (Rücknahmen deutlich höher als Verkäufe).
Das ist aus Investorensicht relevant, weil Mittelabflüsse:
die Planbarkeit des Portfoliomanagements beeinträchtigen können,
bei anhaltender Dynamik zu Skalennachteilen führen (Kostenlast je Anleger kann relativ steigen),
ein mögliches Signal für geringe Attraktivität im Wettbewerbsvergleich sein können (ohne dass der Bericht die Gründe nennt).
4) Kosten und Effizienz (kritischer Punkt)
Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 2,10 %. Für einen Fonds, der überwiegend über ETFs investiert, ist das hoch. Hinzu kommt, dass ein Dachfondsansatz strukturell oft zu einer „Kostenstapelung“ führt (Fondsebene plus Zielfondsebene; im Bericht wird dies im TER-Konzept bereits berücksichtigt).
Aus Anlegersicht ist die zentrale Frage: Erzeugt das Management einen Mehrwert, der diese Kosten langfristig rechtfertigt? Bei einer Jahresrendite von 3,67 % ist der Kostenanteil an der Bruttoperformance spürbar. Bei langfristigem Anlagehorizont kann eine TER in dieser Größenordnung die Endrendite deutlich reduzieren.
5) Risiko- und Steuerungsprofil
Der Bericht nennt als wesentliche Risiken:
Zinsänderungsrisiko (über Rentenfonds/ETFs),
Marktpreisrisiken (Aktienquote),
Währungsrisiken (insbesondere durch US- und EM-Exposure),
Adressenausfallrisiken (mittelbar über Anleiheinvestments der Zielfonds),
Liquiditätsrisiken (mittelbar, falls Zielfonds Rücknahmen aussetzen),
operationelle Risiken (Prozesse, Systeme, Personal, rechtliche Risiken).
Positiv zu werten ist, dass:
keine Derivate eingesetzt wurden,
eine Liquiditätsquote von 6,36 % vorhanden ist,
das Portfolio breit über Regionen und Instrumente diversifiziert ist.
6) Nachhaltigkeitsprofil
Der Fonds berücksichtigt Nachhaltigkeitsrisiken im Berichtszeitraum nicht bei Investitionsentscheidungen und wird als Artikel-6-Produkt (SFDR) eingeordnet. Für Anleger mit ESG-Fokus ist das ein Nachteil.
7) Gesamtfazit aus Anlegersicht
Der Fonds liefert eine ordentliche, aber nicht herausragende Jahresrendite bei breiter Diversifikation und konservativer Umsetzung (ohne Derivate). Die entscheidenden Schwachpunkte aus Investorensicht sind die hohe TER von 2,10 % und die starken Mittelabflüsse. Das Chance-Risiko-Profil wirkt grundsätzlich ausgewogen; der langfristige Anlageerfolg hängt jedoch stark davon ab, ob das Management nach Kosten dauerhaft einen Mehrwert gegenüber einem kostengünstigen, selbst aufgebauten ETF-Mischportfolio erzielen kann.