Nach drei Jahren des Rückgangs sind die Treibhausgasemissionen in den USA erneut gestiegen. Eine aktuelle Analyse der Rhodium Group zeigt, dass vor allem ein extrem kalter Start ins Jahr 2025 sowie der rapide wachsende Energiebedarf von Rechenzentren und Kryptowährungs-Mining dafür verantwortlich sind. Insgesamt nahmen die Emissionen um 2,4 % zu – und damit stärker als das Wirtschaftswachstum.
In vielen Regionen der Vereinigten Staaten heizen Haushalte überwiegend mit Erdgas oder anderen fossilen Brennstoffen. Die ungewöhnlich niedrigen Temperaturen zu Beginn des Jahres führten dazu, dass der Gasverbrauch für Heizzwecke im Vergleich zum Vorjahr um fast 7 % anstieg. Parallel dazu wuchs der Strombedarf deutlich, insbesondere durch neue große Rechenzentren in Bundesstaaten wie Texas sowie im Ohio-Valley, wo sich auch zahlreiche Krypto-Mining-Anlagen befinden.
Diese steigende Nachfrage traf auf höhere Gaspreise. In der Folge griffen Stromerzeuger verstärkt auf Kohle zurück. Der Kohleverbrauch in den USA legte 2025 um 13 % zu – ein bemerkenswerter Anstieg in einem Land, das seine Kohleverzeugung seit 2007 eigentlich um rund 64 % reduziert hatte. Laut Michael Gaffney, Hauptautor der Rhodium-Analyse, kam es zu einer „Brennstoffverschiebung“, bei der Kohle kurzfristig wieder wirtschaftlich attraktiver wurde als teures Erdgas.
Im internationalen Vergleich zeigt sich ein anderes Bild: In China und Indien ging der Kohleeinsatz zur Stromerzeugung zurück, da beide Länder massiv in Wind- und Solarenergie investierten. Auch in den USA wuchs die Solarstromerzeugung 2025 stark – um 34 %, der höchste Zuwachs seit 2017. Dennoch reichte dieser Ausbau nicht aus, um den Mehrverbrauch durch Kälte und Digitalisierung auszugleichen.
Ein weiterer Faktor ist die verlangsamte Stilllegung von Kohlekraftwerken. Viele Energieversorger verschoben geplante Abschaltungen, um die Versorgungssicherheit angesichts der steigenden Lasten zu gewährleisten. Beobachter warnen daher, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Ausreißer handeln könnte. Der Energiehunger von Rechenzentren und KI-Anwendungen dürfte dauerhaft hoch bleiben.
Der Verkehrssektor bleibt weiterhin der größte Emittent von Treibhausgasen in den USA. Zwar stiegen die Verkehrsleistungen im fünften Jahr in Folge, doch die Emissionen stagnierten weitgehend. Grund dafür ist der zunehmende Einsatz von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Besonders Hybridautos verzeichneten mit einem Plus von 25 % ein starkes Wachstum.
Obwohl Präsident Donald Trump den Ausbau fossiler Energien offen unterstützt und Klimaschutzmaßnahmen zurückfahren will, sehen die Autoren der Studie für 2025 noch keinen entscheidenden politischen Einfluss. Kritiker argumentieren jedoch, dass insbesondere die Förderung von Gasexporten sowie die unkritische Unterstützung von KI- und Rechenzentrumsprojekten langfristig zu höheren Emissionen beitragen werden.