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Traumfrau per Swipe – und das große Erwachen: Warum Männer sich beim Onlinedating gnadenlos überschätzen

geralt (CC0), Pixabay

Von der Hoffnung zum Algorithmus – eine Realitätsschau des digitalen Liebesmarkts

In der Welt des Onlinedatings, wo Liebe per Wischbewegung beginnt, herrscht reges Treiben – und offenbar auch eine gute Portion Selbstüberschätzung. Besonders bei Männern, wie eine neue Studie aus Tschechien nahelegt. Die nüchternen Daten entzaubern romantische Vorstellungen von der freien Partnerwahl – und erzählen stattdessen eine Geschichte von Marktlogik, Selbstbild und digitalem Begehren.

Männer, die nach den Sternen greifen

Die Forscherinnen Renata Topinkova (Universität München) und Tomas Diviak (Universität Manchester) analysierten die Daten von über 2.300 Nutzerinnen einer Dating-App aus Prag und Brünn – und stießen dabei auf ein klares Muster: Männer neigen dazu, Frauen zu kontaktieren, die deutlich begehrter sind als sie selbst. In der Sprache der App bedeutet das: Frauen mit vielen „Swipes“, also Likes oder Interessenbekundungen. Die Damenwelt hingegen zeigt sich wählerischer – oder realistischer: Frauen bevorzugen Männer, die auf einem ähnlichen Attraktivitätslevel agieren wie sie selbst. Das führt auch häufiger zu echten Matches.

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal PLOS, definiert „Begehrenswertigkeit“ nüchtern anhand der Anzahl an erhaltenen Swipes – ein Indikator, hinter dem sich jedoch viel mehr verbirgt als nur das Äußere: Auch Alter, Bildung und der Gesamteindruck des Profils fließen mit ein. Doch gerade körperliche Attraktivität bleibt ein zentrales Kriterium – und scheint von Männern besonders idealistisch interpretiert zu werden.

Gleich und gleich gesellt sich gern – aber nicht sofort

Die Daten zeigen deutlich: Erfolg beim Onlinedating ist kein Zufall, sondern oft das Ergebnis realistischer Einschätzung. Jene Matches, die tatsächlich zustande kommen, beruhen überwiegend auf ähnlicher „Begehrtheit“ beider Seiten – also dort, wo sich Selbstbild und Fremdwahrnehmung einigermaßen decken.

Interessant ist dabei die Dynamik des Scheiterns: Männer, die zu Beginn vor allem sehr begehrte Frauen anschreiben und immer wieder abgewiesen werden, passen ihr Verhalten mit der Zeit an. Sie interessieren sich schließlich auch für Nutzerinnen, die näher an ihrem eigenen Level sind – was wiederum die Chancen auf ein Match erhöht. Die Forscher sprechen von einem „Anpassungsprozess durch Ablehnung“.

Die Machtverhältnisse auf dem Dating-Markt

Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern ist nicht nur in der Zahl der App-Nutzer spürbar – Männer sind deutlich in der Überzahl –, sondern auch in der Dynamik der Kontaktaufnahme. Frauen erhalten mehr Swipes und können daher selektiver agieren. „Das spiegelt wahrscheinlich die stärkere Position der Frauen auf dem Onlinedating-Markt wider“, schreiben Topinkova und Diviak. Oft werde von Männern erwartet, den ersten Schritt zu machen – ein Relikt klassischer Rollenbilder, das im digitalen Raum nicht aufgehoben, sondern digitalisiert weitergeführt wird.

Was bleibt von der Romantik?

Am Ende ist die virtuelle Partnersuche wohl weniger ein Märchen voller Schicksal und mehr ein Spiegel moderner Sozialpsychologie. Sie zeigt, wie Begehren funktioniert, wie Menschen auf Ablehnung reagieren – und wie wichtig eine realistische Selbsteinschätzung auch im digitalen Liebesleben ist.

Oder um es weniger nüchtern zu sagen: Wer im Onlinedating-Himmel nach Engeln sucht, sollte erst einmal in den Spiegel schauen. Nicht, um zu urteilen – sondern um besser zu verstehen, wer man wirklich ist. Denn nur dann kann das, was sich auf dem Bildschirm zu einem Match verbindet, auch im echten Leben zünden.

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