Die griechische Regierung hat angekündigt, ab dem laufenden Jahr eine neue Tourismusabgabe für Kreuzfahrtpassagiere einzuführen. Diese Maßnahme betrifft insbesondere Reisende, die im Rahmen einer Kreuzfahrt die beliebten griechischen Inseln besuchen. Ziel ist es, die negativen Auswirkungen des Massentourismus gezielter zu steuern und die Kommunen finanziell zu unterstützen.
Laut einer Mitteilung des Tourismusministeriums in Athen werden künftig für jede Person, die im Rahmen einer Kreuzfahrt auf den Inseln Mykonos oder Santorini von Bord geht, 20 Euro pro Besuch fällig. Für alle übrigen Inseln gilt eine deutlich niedrigere Gebühr in Höhe von fünf Euro pro Person. In der sogenannten Nebensaison, also außerhalb der Hauptreisemonate, sollen die Gebühren reduziert werden – genaue Staffelungen und Zeiträume will das Ministerium noch bekanntgeben.
Hintergrund: Inseln unter Druck
Mykonos und Santorini gelten weltweit als Inbegriff der griechischen Inselromantik. Weiße Häuser mit blauen Kuppeln, enge Gassen, atemberaubende Sonnenuntergänge – dieses Bild lockt jedes Jahr Millionen Reisende an. Doch der Boom hat Schattenseiten: Insbesondere Kreuzfahrtschiffe bringen in den Sommermonaten täglich Tausende Gäste auf einmal auf die Inseln, oft für nur wenige Stunden. Diese kurze, aber intensive Belastung führt zu Überfüllung, hohem Müllaufkommen, Umweltbelastungen und wachsendem Unmut unter den Einheimischen.
Nach Angaben von Tourismusexperten sind vor allem die Infrastrukturen – etwa Wasser- und Abwassersysteme, Straßen, Gesundheitsversorgung und Abfallentsorgung – für solche Besuchermassen nicht ausgelegt. Auf Santorini zum Beispiel kommen in der Hochsaison an manchen Tagen mehr als 10.000 Kreuzfahrttouristen zusätzlich zur ohnehin großen Zahl an Urlaubern – eine enorme Herausforderung für die kleine Vulkaninsel.
Zweckgebundene Verwendung der Einnahmen
Die griechische Regierung betont, dass die neuen Abgaben zweckgebunden verwendet werden sollen. Sie fließen direkt an die Gemeinden und sollen in den Ausbau der lokalen Infrastruktur, den Schutz von Umwelt und Kulturgütern sowie in Maßnahmen zur Lenkung der Touristenströme investiert werden. Dabei geht es unter anderem um neue Hafenlösungen, Abfallmanagement, sanitäre Einrichtungen und den Erhalt historischer Altstädte.
Reaktionen aus der Branche
Reedereien und Reiseveranstalter zeigten sich in ersten Reaktionen zwar nicht grundsätzlich ablehnend, fordern jedoch Transparenz bei der Verwendung der Mittel und eine frühzeitige Kommunikation gegenüber den Gästen. Auch sei wichtig, dass die Abgabe nicht zu bürokratischem Aufwand führe. Der griechische Tourismusminister unterstrich in einem Statement, dass es nicht darum gehe, Touristen abzuschrecken, sondern „den Tourismus langfristig nachhaltiger, gerechter und lebenswerter für alle Beteiligten zu gestalten.“
Teil einer größeren Tourismusstrategie
Die Maßnahme ist Teil eines umfassenderen Strategiewechsels in der griechischen Tourismuspolitik. Schon in den letzten Jahren hatte die Regierung verstärkt auf nachhaltige Entwicklung gesetzt – etwa durch die Begrenzung von Hotelbauten, die Förderung alternativer Reiseformen abseits der Hotspots und die Einführung digitaler Besucherlenkungssysteme.
Angesichts des Klimawandels, wachsender ökologischer Belastung und eines zunehmenden Bedürfnisses der Bevölkerung nach Lebensqualität will Griechenland mit der neuen Abgabe nun auch ein Zeichen für einen verantwortungsvolleren Kreuzfahrttourismus setzen.