Die deutsche IDG Verlags- und Mediengruppe hat das schwierige Corona-Jahr 2020 mit einem Konzerngewinn von 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Im Jahr zuvor stand noch ein Verlust von zwei Millionen Euro in den Büchern. Gleichzeitig zeigt der veröffentlichte Konzernabschluss, wie stark sich das Geschäftsmodell hinter bekannten Medienmarken wie COMPUTERWOCHE, PC-WELT, Macwelt, CIO und ChannelPartner verändert: Digitale Medien, Daten, Marketing-Dienstleistungen und Onlineveranstaltungen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Der jetzt veröffentlichte Konzernabschluss der IDG Communications Media Aktiengesellschaft mit Sitz in München gibt einen detaillierten Einblick in die wirtschaftliche Situation der deutschen Unternehmensgruppe.
Zum Konzern gehörten zum Jahresende 2020 unter anderem mehrere Mediengesellschaften sowie die Marktforschungsgesellschaft IDC Central Europe.
Umsatz von 72,5 Millionen Euro
Die Umsatzerlöse beliefen sich 2020 auf 72,5 Millionen Euro.
Ein Jahr zuvor waren es 73,8 Millionen Euro gewesen.
Damit ging der Umsatz trotz der erheblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie lediglich um 1,8 Prozent zurück.
Noch interessanter ist die Ergebnisentwicklung.
Das operative Ergebnis verbesserte sich von minus 0,7 Millionen Euro auf plus 2,2 Millionen Euro.
Aus zwei Millionen Euro Verlust wird Gewinn
Auch unter dem Strich gelang der Sprung zurück in die schwarzen Zahlen.
2019 hatte IDG noch einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 2,0 Millionen Euro ausgewiesen.
2020 entstand dagegen ein Konzernjahresüberschuss von 2,2 Millionen Euro.
Das Eigenkapital belief sich zum Jahresende auf 13,2 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote lag bei 34,3 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 39,6 Prozent gewesen.
Die niedrigere Eigenkapitalquote zeigt zugleich, dass ein Jahresgewinn nicht automatisch zu einem steigenden Eigenkapital führen muss.
38,6 Millionen Euro Bilanzsumme
Die Konzernbilanzsumme erhöhte sich leicht.
Sie stieg von 38,1 auf 38,6 Millionen Euro.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände beliefen sich auf 22,4 Millionen Euro.
Die Rückstellungen lagen bei 8,7 Millionen Euro, während Verbindlichkeiten von insgesamt 6,3 Millionen Euro ausgewiesen wurden.
Davon entfielen 4,1 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen.
Cashflow verbessert sich deutlich
Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung des operativen Geldzuflusses.
Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit verbesserte sich von minus 3,7 Millionen Euro auf plus 8,7 Millionen Euro.
Gegenläufig wirkten unter anderem Investitionen und eine Dividendenzahlung von 3,5 Millionen Euro.
Insgesamt erhöhte sich der aus liquiden Mitteln bestehende Finanzmittelfonds um 4,1 Millionen Euro.
Corona traf Print und Veranstaltungen
Das Geschäftsjahr 2020 war stark von der Corona-Pandemie geprägt.
Besonders der klassische Zeitschriftenverkauf litt unter zeitweise geschlossenen Geschäften.
Auch der Veranstaltungsbereich wurde erheblich getroffen.
Veranstaltungen vor Ort mussten abgesagt beziehungsweise in digitale Formate umgewandelt werden.
Die digitalen Werbe- und Vertriebserlöse konnten die Rückgänge im traditionellen Geschäft nicht vollständig ausgleichen.
Gleichzeitig profitierten die Internetangebote
Die Pandemie hatte für das Medienunternehmen allerdings auch eine andere Seite.
Die Reichweiten der IDG-Webseiten stiegen nach Angaben des Unternehmens seit Beginn der Pandemie deutlich.
Homeoffice und mobiles Arbeiten erhöhten gleichzeitig den Informationsbedarf rund um Computer, Software, Digitalisierung und Unternehmens-IT.
Damit beschleunigte die Pandemie einen Wandel, der bereits zuvor begonnen hatte.
PC-WELT, Macwelt und COMPUTERWOCHE als bekannte Marken
Zum Medienportfolio gehören beziehungsweise gehörten bekannte IT-Marken wie COMPUTERWOCHE, ChannelPartner, CIO, TecChannel, PC-WELT und Macwelt.
Das Geschäftsmodell geht allerdings deutlich über klassische journalistische Inhalte hinaus.
IDG beschreibt Dienstleistungen in Bereichen wie Content-Marketing, Social Media, Leadgenerierung, Veranstaltungen, Marktforschung, E-Commerce, Targeting, Datenlösungen und Executive-Programme.
Das zeigt, wie stark sich moderne Fachmedienunternehmen von klassischen Zeitschriftenverlagen entfernt haben.
Mehrere Gesellschaften wurden zusammengelegt
Auch gesellschaftsrechtlich wurde die Struktur vereinfacht.
Die Tochterunternehmen IDG Business Media GmbH, IDG Tech Network GmbH und IDG World Expo Messen- und Ausstellungs-GmbH wurden mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2021 auf die IDG Tech Media GmbH verschmolzen.
Die seit 1993 bestehende niederländische Betriebsstätte wurde 2021 geschlossen.
Digitalisierung wird zum entscheidenden Geschäftsmodell
Der Konzern bezeichnete den Wandel von Printmedien hin zu digitalen Medien selbst als eine zentrale Herausforderung.
Gleichzeitig sah das Unternehmen gerade darin erhebliche Wachstumschancen.
Genannt wurden unter anderem digitale Medieninhalte, neue datengetriebene Dienstleistungen, Innovationen und internationale Synergien.
Damit verschiebt sich das Geschäftsmodell immer stärker von klassischen Printprodukten hin zu einer Kombination aus journalistischen Inhalten, Daten und Marketingtechnologie.
Foundry soll den Wandel sichtbar machen
Diese Entwicklung wurde später unter der Marke Foundry weitergeführt.
Nach Angaben im Konzernlagebericht wurde Foundry 2022 als neue weltweite digitale Marke geschaffen.
Dabei sollen traditionelle Medienmarken mit Marketingtechnologien, Datenbanken und Plattformen verbunden werden.
IDG kündigte an, insbesondere im Datenbereich neue Angebote entwickeln zu wollen, mit denen Geschäftskunden gezielt Kontakte zu IT-Entscheidern erreichen können.
Für Leser ist diese Entwicklung ebenfalls interessant
Für Verbraucher und Leser ist der wirtschaftliche Wandel von Medienunternehmen durchaus relevant.
Journalistische Inhalte sind bei solchen Geschäftsmodellen nur ein Teil eines größeren wirtschaftlichen Ökosystems.
Daneben stehen beispielsweise Werbung, Content-Marketing, Datenangebote, Veranstaltungen und Leadgenerierung.
Gerade deshalb ist eine transparente Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und kommerziellen Angeboten für Leser besonders wichtig.
Der vorliegende Konzernbericht selbst bewertet diese Frage allerdings nicht. Er beschreibt vor allem das Geschäftsmodell und dessen wirtschaftliche Entwicklung.
Auffälliger zeitlicher Abstand
Bei der Einordnung des veröffentlichten Abschlusses ist der zeitliche Abstand besonders wichtig.
Die Zahlen beziehen sich auf das Geschäftsjahr 1. Januar bis 31. Dezember 2020. Der Konzernlagebericht ist jedoch auf 22. November 2024 datiert; die vorliegende Veröffentlichung trägt das Datum 1. Oktober 2026.
Die Zahlen dürfen deshalb nicht als aktuelle Finanzzahlen für 2026 interpretiert werden.
Sie zeigen vielmehr rückblickend die wirtschaftliche Situation des Konzerns im Jahr 2020.