Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat deshalb am 30. September 2026 eine neue Ausgabe ihrer Verbraucherinformationsreihe „Reden wir über Geld“ veröffentlicht.
Im Mittelpunkt steht eine Betrugsmasche, die mit einem zunächst harmlos erscheinenden Kontakt beginnen kann: Verbraucher werden in eine vermeintliche Investmentgruppe bei WhatsApp, Telegram oder einem anderen Messenger eingeladen.
Dort entsteht der Eindruck, man befinde sich unter anderen Anlegern und könne von erfolgreichen Finanzexperten lernen.
Doch genau dieses Umfeld kann Teil der Täuschung sein.
Die Chat-Gruppe schafft Vertrauen
Die Masche funktioniert nach Darstellung der FMA insbesondere deshalb, weil Betrüger nicht mehr zwingend nur mit einer einzelnen Person kommunizieren.
Stattdessen werden potenzielle Opfer in Gruppen eingeladen, in denen vermeintliche Anleger von hohen Gewinnen berichten und selbst ernannte Finanzexperten Investmentempfehlungen geben.
Damit entsteht eine soziale Kulisse.
Wer neu in eine solche Gruppe kommt, sieht möglicherweise zahlreiche positive Nachrichten über bestimmte Investments. Andere Teilnehmer berichten scheinbar über ihre Erfolge, während vermeintliche Experten erklären, welche Anlagen als Nächstes besonders hohe Gewinne bringen sollen.
Die FMA warnt jedoch davor, sich von einem solchen Umfeld täuschen zu lassen.
843 Meldungen – 20 Millionen Euro Schaden
Wie relevant Anlagebetrug inzwischen geworden ist, zeigen die von der österreichischen Finanzaufsicht veröffentlichten Zahlen.
Allein 2025 erhielt die FMA 843 Meldungen zu Anlagebetrug.
Die damit verbundene Schadenssumme beziffert die Behörde auf 20 Millionen Euro.
Rechnerisch entsprechen 20 Millionen Euro bei 843 Meldungen durchschnittlich rund 23.700 Euro je Meldung.
Dieser Durchschnittswert bedeutet allerdings nicht, dass jeder einzelne gemeldete Fall einen Schaden in dieser Höhe verursacht hat. Die tatsächlichen individuellen Schadenssummen können erheblich voneinander abweichen.
Die Zahlen verdeutlichen dennoch die finanzielle Dimension des Problems.
KI macht Täuschungen glaubwürdiger
Besondere Aufmerksamkeit widmet die FMA dem technischen Fortschritt.
Betrüger nutzen nach Angaben der Behörde mittlerweile soziale Medien und Messenger-Dienste ebenso wie KI-generierte Bilder, Videos und Stimmen, um glaubwürdige Identitäten und seriös wirkende Investmentangebote vorzutäuschen.
Damit verliert eine früher häufig verwendete Sicherheitsregel an Aussagekraft: Ein professionelles Erscheinungsbild ist kein Beweis für einen seriösen Anbieter.
Auch ein überzeugendes Video, eine professionell klingende Stimme oder ein scheinbar authentisches Foto können manipuliert beziehungsweise künstlich erzeugt worden sein.
Vorsicht vor angeblich risikofreien Traumrenditen
Ein wesentliches Warnsignal sind nach den Hinweisen der FMA außergewöhnlich hohe oder angeblich risikofreie Renditen.
Verbraucher sollten grundsätzlich nur in Finanzprodukte investieren, die sie selbst verstehen.
Ebenso wichtig ist die Überprüfung des konkreten Anbieters.
Dabei sollte nicht lediglich nach dem Namen eines Unternehmens im Internet gesucht werden. Die FMA empfiehlt ausdrücklich auch, nach möglichen Warnungen von Finanzaufsichtsbehörden zum jeweiligen Unternehmen Ausschau zu halten.
Zeitdruck ist ein Warnsignal
Misstrauisch sollten Verbraucher ebenfalls werden, wenn sie zu einer schnellen Entscheidung gedrängt werden.
Zeitdruck kann verhindern, dass Interessenten ein Angebot in Ruhe überprüfen oder eine unabhängige zweite Meinung einholen.
Gerade bei einem vermeintlich außergewöhnlichen Investmentangebot sollte deshalb nicht die Angst, eine einmalige Gelegenheit zu verpassen, über eine finanzielle Entscheidung bestimmen.
Die FMA nennt Zeitdruck ausdrücklich als Warnsignal.
Kommunikation nur über Messenger?
Auch die Art der Kommunikation kann Hinweise liefern.
Besondere Vorsicht ist nach Angaben der Finanzmarktaufsicht geboten, wenn die gesamte Kommunikation ausschließlich über Messenger-Dienste erfolgt.
WhatsApp oder Telegram sind selbstverständlich nicht per se unseriös. Entscheidend ist die Gesamtsituation.
Wenn ein vermeintlicher Finanzexperte ausschließlich über einen Messenger erreichbar ist, gleichzeitig hohe Renditen verspricht und auf schnelle Einzahlungen drängt, sollten Verbraucher das Angebot besonders kritisch überprüfen.
Niemals unüberlegt Fernzugriff erlauben
Ein besonders wichtiges Warnsignal nennt die FMA im Zusammenhang mit dem Zugriff auf Computer und Smartphones.
Verbraucher sollten alarmiert sein, wenn sie aufgefordert werden, Fernzugriffssoftware zu installieren.
Mit entsprechenden Programmen kann eine andere Person unter Umständen aus der Ferne auf ein Gerät zugreifen.
Auch persönliche Zugangsdaten sollten nicht an vermeintliche Anlageberater oder andere Gruppenmitglieder weitergegeben werden.
Die Aufforderung, Zugangsdaten preiszugeben oder Fernzugriffssoftware zu installieren, bezeichnet die FMA ausdrücklich als deutliches Warnsignal.
Was tun, wenn bereits Geld gezahlt wurde?
Wer vermutet, Opfer eines Anlagebetrugs geworden zu sein, sollte nach Empfehlung der FMA schnell handeln.
Die Finanzmarktaufsicht nennt zwei zentrale Schritte:
Die eigene Bank sollte umgehend kontaktiert und Anzeige bei der Polizei erstattet werden.
Zusätzlich sollten verdächtige Profile bei den Plattformen gemeldet werden, auf denen sie auftreten.
Die FMA weist darauf hin, dass schnelles Handeln helfen kann, weiteren Schaden zu verhindern.
Ob bereits gezahltes Geld tatsächlich zurückgeholt werden kann, lässt sich aus der FMA-Mitteilung dagegen nicht ableiten und hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.
Beweise nicht vorschnell löschen
Wer den Verdacht hat, auf ein betrügerisches Investmentangebot hereingefallen zu sein, sollte außerdem darauf achten, vorhandene Kommunikation nicht vorschnell zu löschen.
Gerade Messenger-Nachrichten können wichtige Informationen über Ansprechpartner, Telefonnummern, Zahlungsaufforderungen oder andere Beteiligte enthalten.
Die konkrete FMA-Pressemitteilung nennt die Beweissicherung zwar nicht als eigenen Handlungsschritt. Aus praktischer Sicht kann es für eine spätere Aufarbeitung jedoch hilfreich sein, vorhandene Kommunikation und Zahlungsinformationen zu erhalten.
Dieser Punkt ist daher als allgemeiner Verbraucherhinweis und nicht als wörtliche Empfehlung der FMA zu verstehen.
Die wichtigsten Warnsignale
Aus der aktuellen FMA-Veröffentlichung ergibt sich ein Muster, bei dem Verbraucher besonders vorsichtig sein sollten:
Ein vermeintlicher Finanzexperte kontaktiert Interessenten über soziale Medien oder Messenger. Anschließend gelangen sie möglicherweise in eine Investmentgruppe, in der andere Teilnehmer von hohen Gewinnen berichten. Es werden außergewöhnlich attraktive oder angeblich risikofreie Renditen versprochen. Gleichzeitig entsteht Zeitdruck.
Kommt anschließend noch die Aufforderung hinzu, Fernzugriffssoftware zu installieren oder persönliche Zugangsdaten preiszugeben, liegen gleich mehrere der von der FMA genannten Warnsignale vor.
In einer solchen Situation sollte vor einer Investition zunächst die Identität und der aufsichtsrechtliche Status des Anbieters überprüft werden.
Eine professionell wirkende Gruppe ist kein Seriositätsbeweis
Die aktuelle Warnung der FMA macht vor allem deutlich, wie stark sich Anlagebetrug verändert hat.
Ein betrügerisches Angebot muss heute nicht mehr aus einer schlecht geschriebenen E-Mail oder einer offensichtlich unseriösen Internetseite bestehen.
Professionelle Internetauftritte, soziale Medien, Messenger-Gruppen und KI-generierte Inhalte können ein glaubwürdiges Gesamtbild erzeugen.
Auch zahlreiche vermeintlich zufriedene Anleger innerhalb einer Gruppe sind kein unabhängiger Beleg dafür, dass ein Investment tatsächlich funktioniert.
Für Verbraucher bedeutet das: Entscheidend ist nicht, wie überzeugend eine Investmentgruppe wirkt, sondern ob sich Anbieter, Zulassung und angebotenes Finanzprodukt unabhängig überprüfen lassen.
Die Zahlen der FMA zeigen zugleich, dass es sich keineswegs um ein Randproblem handelt.
843 Meldungen zu Anlagebetrug und eine Schadenssumme von 20 Millionen Euro allein im Jahr 2025 sind ein deutlicher Anlass, Investmentangebote aus unbekannten WhatsApp- oder Telegram-Gruppen besonders sorgfältig zu prüfen.