Der Jahresbericht des Bankhaus Seeliger VV Ausgewogen (DE000A12BPW0) für den Zeitraum vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 zeigt insgesamt ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Der Fonds erzielte nach BVI-Methode eine Wertentwicklung von 9,55 % und konnte damit trotz eines von geopolitischen Unsicherheiten, Zinsrisiken und schwankenden Aktienmärkten geprägten Umfelds ein überzeugendes positives Ergebnis erzielen.
Positiv hervorzuheben ist zunächst die Entwicklung des Fondsvermögens. Dieses erhöhte sich von 33,64 Mio. Euro auf 40,37 Mio. Euro. Neben dem guten Anlageergebnis von rund 3,34 Mio. Euro trugen vor allem Nettomittelzuflüsse von 4,09 Mio. Euro zu diesem Wachstum bei. Den Mittelzuflüssen von 5,50 Mio. Euro standen lediglich Rücknahmen von rund 1,40 Mio. Euro gegenüber. Dies kann als Zeichen einer insgesamt positiven Anlegernachfrage gewertet werden.
Die Vermögensstruktur entspricht grundsätzlich dem Charakter eines ausgewogenen Mischfonds. Zum Bilanzstichtag bestanden 28,35 % des Fondsvermögens aus direkt gehaltenen Aktien, 15,14 % aus direkten Rentenpapieren und 41,72 % aus Investmentfonds bzw. ETFs. Hinzu kamen Zertifikate mit 7,24 % und ein vergleichsweise hoher Liquiditätsbestand von 8,32 %. Unter Einbeziehung der über Fonds gehaltenen Positionen beziffert das Management die tatsächliche Aktienquote auf rund 41 % und die Rentenquote auf 43 %, ergänzt um 7 % alternative Anlagen und 9 % Liquidität. Regional dominieren im Aktienbereich die USA mit 62 %, gefolgt von Europa mit 32 % und den Emerging Markets mit 6 %.
Die aktive Portfoliosteuerung ist deutlich erkennbar. Das Management hob die Schwellenländer-Aktien von Untergewichten auf Neutral an und ergänzte das Aktienportfolio unter anderem um Qualitätstitel wie ASML, Eli Lilly, Hannover Rück, S&P Global, Uber, Hermès und Intuitive Surgical. Gleichzeitig wurde das Anleihesegment aufgrund steigender fiskalischer und geopolitischer Risiken vorsichtiger positioniert. Insbesondere Unternehmensanleihen und Emerging-Markets-Unternehmensanleihen wurden teilweise reduziert. Aus Anlegersicht spricht dies für eine flexible, risikobewusste Steuerung und nicht für ein rein statisches Mischportfolio.
Auch die Qualität des Jahresergebnisses ist grundsätzlich positiv. Realisierte Gewinne von knapp 1,99 Mio. Euro standen realisierten Verlusten von lediglich rund 0,31 Mio. Euro gegenüber. Das realisierte Jahresergebnis betrug rund 1,05 Mio. Euro. Hinzu kamen netto rund 2,29 Mio. Euro nicht realisierte Gewinne, sodass sich insgesamt ein Geschäftsjahresergebnis von 3,34 Mio. Euro beziehungsweise 9,28 % ergab. Ein erheblicher Teil des Ergebnisses beruht damit allerdings noch auf Buchgewinnen und ist entsprechend von der weiteren Kapitalmarktentwicklung abhängig.
Die längerfristige Entwicklung zeigt ebenfalls einen positiven Trend. Der Anteilwert stieg von 95,26 Euro Ende 2022/23 über 101,72 Euro und 104,34 Euro auf zuletzt 112,26 Euro. Zusätzlich schüttet der Fonds Erträge aus. Für das aktuelle Geschäftsjahr ist eine Gesamtausschüttung von 877.368 Euro beziehungsweise 2,44 Euro je Anteil vorgesehen. Der reine Vergleich der Anteilwerte unterschätzt daher die tatsächliche Gesamtrendite, da Ausschüttungen zusätzlich berücksichtigt werden müssen.
Der wesentliche Kritikpunkt aus Anlegersicht ist die Kostenbelastung. Die Gesamtkostenquote ohne Transaktionskosten beträgt 1,59 %. Zusätzlich wird eine erfolgsabhängige Vergütung von 0,92 % des durchschnittlichen Nettoinventarwertes ausgewiesen. Gerade weil ein erheblicher Teil des Portfolios über ETFs und Investmentfonds umgesetzt wird, sollte ein Anleger prüfen, ob die aktive Asset-Allokation und Titelselektion langfristig genügend Mehrwert erwirtschaften, um diese Kosten dauerhaft zu rechtfertigen. Bei schwächeren Börsenjahren fällt eine hohe laufende Kostenbasis deutlich stärker ins Gewicht.
Auf der Risikoseite ist der Fonds breit diversifiziert, bleibt aber klar kapitalmarktabhängig. Neben Aktienmarkt- und Zinsrisiken bestehen Kredit-, Emittenten- und Währungsrisiken. Positiv ist, dass zum Berichtsstichtag keine Derivatepositionen bestanden. Das Wertpapiervermögen machte 92,46 % aus, während das Derivate-Exposure bei 0 % lag. Die Beimischung von Gold über Xetra-Gold, Anleihen, Wandelanleihen sowie die relativ hohe Liquiditätsquote können zugleich stabilisierend wirken.
Fazit aus Anlegersicht: Der Bankhaus Seeliger VV Ausgewogen präsentiert sich für 2025/26 als erfolgreich gemanagter, breit diversifizierter Mischfonds. Die 9,55 % Jahresperformance, kräftige Nettomittelzuflüsse, steigendes Fondsvermögen und die aktive Anpassung an Veränderungen des Marktumfelds sind klare Pluspunkte. Auch die Mischung aus Qualitätsaktien, Anleihen, ETFs, Gold und Liquidität erscheint für ein ausgewogenes Mandat grundsätzlich schlüssig.
Demgegenüber stehen die vergleichsweise hohen Kosten, eine deutliche Abhängigkeit von den US-Aktienmärkten sowie die Tatsache, dass ein beträchtlicher Teil des Jahresergebnisses aus noch nicht realisierten Wertsteigerungen stammt. Für bestehende Anleger liefert der Bericht damit insgesamt ein positives Bild. Für einen Neueinstieg sollte jedoch insbesondere geprüft werden, ob die aktive Managementleistung auch über mehrere Marktzyklen hinweg einen ausreichenden Mehrwert gegenüber günstigeren ETF-basierten Mischportfolios erzielen kann.
Gesamturteil: positiv mit Einschränkungen – überzeugende Performance, gute Diversifikation und solide Mittelzuflüsse, aber eine Kostenstruktur, die auch künftig eine entsprechend starke Managementleistung erforderlich macht. Der Jahresbericht selbst erhielt ein uneingeschränktes Prüfungsurteil hinsichtlich der maßgeblichen gesetzlichen Anforderungen.