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Pilze sammeln auf dem Friedhof? Friedhofsgärtner erklärt, wo für ihn die Grenze liegt

26798947 (CC0), Pixabay

Anlässlich des „Tags des Friedhofs“ am 19. und 20. September rückt damit eine eher ungewöhnliche Seite von Friedhöfen in den Mittelpunkt.

Denn viele Anlagen verändern sich. Andere Bestattungsformen und weniger intensiv belegte Bereiche führen nach Einschätzung Schumanns dazu, dass Teile von Friedhöfen zunehmend den Charakter von Parks oder kleinen Wäldern bekommen.

Und wo Bäume wachsen, können auch Pilze gedeihen.

Maronen und Birkenpilze zwischen den Bäumen

Frank Schumann betreibt im sächsischen Wurzen eine Gärtnerei in fünfter Generation und beschäftigt sich auch mit Friedhofsgestaltung und Grabpflege.

Auf die Frage von MDR AKTUELL, ob auf Friedhöfen Pilze gesammelt werden könnten, antwortet er grundsätzlich mit Ja.

Auf Friedhöfen gebe es häufig eine Mischbepflanzung aus Laub- und Nadelbäumen. Entsprechend könnten dort ähnliche Pilzarten auftreten wie im Wald.

Schumann nennt beispielsweise Maronen, Birkenpilze und Rotkappen.

Damit kann ein alter, baumbestandener Friedhof aus Sicht eines Pilzsammlers durchaus Ähnlichkeiten mit einem Park oder Waldstück haben.

Entscheidend ist, wo der Pilz wächst

Doch Schumann zieht eine deutliche Grenze.

Anders bewertet er beispielsweise Bereiche, die schon lange nicht mehr für Bestattungen genutzt wurden und mittlerweile eher wie eine Parkanlage wirken. Dort hält er das Pilzesammeln grundsätzlich für vertretbar.

Ganz anders sieht er die Situation an regulären Grabstätten, in Urnengemeinschaftsanlagen oder Urnenhainen, wenn dort in jüngerer Vergangenheit Beisetzungen stattgefunden haben.

Dann stelle sich nicht nur die Frage, ob ein Pilz essbar ist.

Schumann bringt es sinngemäß auf einen einfachen Punkt: Jeder müsse sich überlegen, ob ausgerechnet dieser Pilz später tatsächlich in der Pfanne landen sollte.

Pietät bleibt entscheidend

Damit geht es nicht nur um Pilzkunde, sondern um den besonderen Charakter eines Friedhofs.

Friedhöfe sind keine gewöhnlichen Grünflächen. Sie dienen in erster Linie als Bestattungs-, Trauer- und Erinnerungsorte.

Dass einzelne Bereiche parkähnlich aussehen, ändert daran grundsätzlich nichts.

Schumanns Einschätzung läuft deshalb auf eine Abwägung hinaus: Auf alten, lange nicht mehr belegten Flächen kann das Sammeln für ihn vertretbar sein. In Bereichen mit aktuellen Grabstätten gebietet dagegen schon die Rücksicht auf Verstorbene und Angehörige Zurückhaltung.

Eine pauschale rechtliche Erlaubnis, auf jedem Friedhof Pilze sammeln zu dürfen, ergibt sich aus dem Interview allerdings nicht. Wer sammeln möchte, sollte deshalb zusätzlich die Regeln der jeweiligen Friedhofsanlage beachten.

Friedhöfe verändern ihre Funktion

Hinter der ungewöhnlichen Pilzfrage steckt zugleich eine größere Entwicklung.

Schumann beobachtet auf dem Wurzner Friedhof, dass die Anlage längst nicht ausschließlich von Menschen besucht wird, die ein Grab aufsuchen.

Familien gehen dort spazieren, Eltern schieben ihre Kinder im Kinderwagen durch die Anlage und auch Schulklassen besuchen den Friedhof.

Damit gewinnen solche Flächen insbesondere in Städten eine zusätzliche Bedeutung als Grün- und Erholungsräume.

Schumann spricht in diesem Zusammenhang von einem „grünen“ Wert für Städte und Gemeinden.

Zwischen Ruhestätte und Stadtpark

Friedhöfe übernehmen damit mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie bleiben Orte der Trauer und Erinnerung, können aber zugleich wertvolle Grünräume mit altem Baumbestand und einer entsprechenden Tier- und Pflanzenwelt sein.

Gerade diese Doppelrolle verlangt allerdings Rücksicht.

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