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Spritpreise auf Rekordkurs: Tankstellenverband hält sogar drei Euro pro Liter für möglich

schlappohr (CC0), Pixabay

Die Autofahrer in Deutschland müssen sich auf eine weitere Verschärfung der Lage an den Tankstellen einstellen. Nachdem die Kraftstoffpreise bereits neue Höchststände erreicht haben, hält der Tankstellenverband sogar Preise von bis zu drei Euro je Liter für möglich. Gleichzeitig erhebt Verbandssprecher Herbert Rabl schwere Kritik an der Preisgestaltung der Mineralölkonzerne und wirft ihnen vor, die angespannte Situation zum „Abkassieren“ zu nutzen.

Der Hintergrund ist eine außergewöhnliche Entwicklung an den Energiemärkten. Die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus sorgt für erhebliche Unsicherheit bei der weltweiten Ölversorgung. Durch diese Meerenge werden große Mengen Rohöl und andere Energieträger aus der Golfregion transportiert. Störungen an einem solchen Knotenpunkt können deshalb die internationalen Ölpreise beeinflussen und entsprechende Erwartungen unmittelbar an den Märkten auslösen.

Rabl stellt allerdings infrage, ob die Entwicklung allein die inzwischen erreichten Kraftstoffpreise in Deutschland rechtfertigt. Nach seiner Argumentation ist der direkte Anteil des aus der Golfregion stammenden Öls am deutschen Markt vergleichsweise gering. Trotzdem seien die Auswirkungen an den Tankstellen massiv zu spüren.

Seine Kritik richtet sich deshalb vor allem gegen die Mineralölkonzerne. Der Verbandssprecher vertritt die Auffassung, dass die Unternehmen in der gegenwärtigen Situation besonders kräftig zulangen. Die Blockade der Straße von Hormus sei zwar tatsächlich ein Problem, erkläre seiner Einschätzung nach aber nicht automatisch das gesamte Ausmaß der Preissteigerungen.

Für Autofahrer sind die Folgen bereits deutlich sichtbar. Nach Angaben des ADAC erreichte Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 2,27 Euro je Liter. Damit wurde ein neues Allzeithoch beim Benzinpreis erreicht. Noch teurer war Diesel: Für einen Liter mussten Autofahrer durchschnittlich etwa 2,40 Euro bezahlen.

Damit kostet eine Tankfüllung inzwischen erheblich mehr als bei einem Preisniveau von beispielsweise 1,80 Euro. Bei einem 50-Liter-Tank entsprechen 2,27 Euro je Liter einer Rechnung von 113,50 Euro. Bei Diesel und einem Literpreis von 2,40 Euro werden für 50 Liter bereits 120 Euro fällig.

Sollte tatsächlich die vom Tankstellenverband für möglich gehaltene Marke von drei Euro erreicht werden, würde dieselbe 50-Liter-Tankfüllung 150 Euro kosten. Gegenüber einem Benzinpreis von 2,27 Euro wären das weitere 36,50 Euro pro Tankfüllung. Bei Vielfahrern könnten daraus innerhalb kurzer Zeit erhebliche zusätzliche Belastungen entstehen.

Von steigenden Kraftstoffpreisen sind zudem nicht nur private Autofahrer betroffen. Speditionen, Handwerksbetriebe, Pflegedienste, Taxiunternehmen, Lieferdienste und zahlreiche andere Unternehmen sind unmittelbar auf Fahrzeuge angewiesen. Insbesondere ein hoher Dieselpreis kann deshalb weit über die Tankstellen hinaus wirtschaftliche Auswirkungen entfalten.

Steigen die Transportkosten dauerhaft, können Unternehmen versuchen, zumindest einen Teil davon über höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Kraftstoffpreise können dadurch mittelbar auch die Kosten anderer Waren und Dienstleistungen beeinflussen. Wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt allerdings von Dauer und Umfang des Preisanstiegs sowie davon ab, wie Unternehmen ihre Energiekosten abgesichert haben.

Die entscheidende Frage ist deshalb, ob die gegenwärtigen Rekordpreise nur eine kurzfristige Reaktion auf die geopolitische Unsicherheit darstellen oder ob sich daraus eine länger anhaltende Hochpreisphase entwickelt. Die vom Tankstellenverband genannten drei Euro sind zunächst eine mögliche Entwicklung und keine konkrete Preisprognose mit festem Zeitpunkt.

Ebenso sollte der Vorwurf des „Abkassierens“ korrekt eingeordnet werden. Er stammt vom Sprecher des Tankstellenverbandes. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich nicht feststellen, welcher Anteil des Preisanstiegs auf höhere Rohöl- und Beschaffungskosten, Marktunsicherheit, Raffinerie- und Logistikeffekte oder steigende Margen der Mineralölunternehmen zurückzuführen ist.

Dass Deutschland vergleichsweise wenig Öl unmittelbar aus der Golfregion bezieht, bedeutet zudem nicht zwangsläufig, dass eine Krise dort für deutsche Verbraucher ohne größere Folgen bleiben müsste. Rohöl wird international gehandelt. Wenn auf dem Weltmarkt das verfügbare Angebot sinkt oder Händler mit Versorgungsproblemen rechnen, können sich die Preise grundsätzlich auch in Ländern erhöhen, die ihr Öl überwiegend aus anderen Regionen beziehen.

Für Autofahrer bleibt damit eine ausgesprochen angespannte Situation. Bereits 2,27 Euro für Super E10 und rund 2,40 Euro für Diesel markieren ein außergewöhnlich hohes Preisniveau. Sollte sich die internationale Versorgungslage weiter verschlechtern und sollten die hohen Großhandelspreise anhalten, könnte sich der Kostendruck an den Tankstellen nochmals verstärken.

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