Viele Frauen fühlen sich auf dem nächtlichen Heimweg unsicher. Besonders problematisch kann die Situation werden, wenn Busse und Bahnen nur noch in großen Abständen fahren und der Weg von der Haltestelle bis zur eigenen Wohnung allein zurückgelegt werden muss. In einigen deutschen Städten gibt es deshalb sogenannte Frauen-Nacht-Taxis, deren Fahrten von den Kommunen bezuschusst werden.
Auch in Leipzig wird über ein solches Angebot diskutiert. Eine schnelle Einführung zeichnet sich allerdings nicht ab: Die Stadt hält kommunale Zuschüsse angesichts der angespannten Haushaltslage derzeit nicht für sinnvoll. Stattdessen soll vor allem der öffentliche Nahverkehr verbessert werden.
Frauen berichten von Angst auf dem nächtlichen Heimweg
Der Hintergrund der Diskussion ist ein Sicherheitsgefühl, das viele Frauen aus ihrem Alltag kennen. Im MDR-Bericht schildern Leipzigerinnen, dass sie sich insbesondere spät am Abend oder nachts unwohl fühlen.
Eine Frau berichtet, dass Begegnungen mit Männern bei ihr teilweise das Gefühl auslösten, verfolgt zu werden. Eine andere erzählt davon, bereits angesprochen, angefasst und verfolgt worden zu sein.
Auch öffentliche Verkehrsmittel lösen das Problem nicht vollständig. Nachts fahren manche Verbindungen nur noch in größeren Zeitabständen. Hinzu kommt, dass sich insbesondere Studentinnen regelmäßige Taxifahrten kaum leisten können.
Wie funktioniert ein Frauen-Nacht-Taxi?
Das Grundprinzip ist vergleichsweise einfach: Frauen nutzen nachts ein reguläres Taxi, die Stadt übernimmt jedoch einen Teil des Fahrpreises. Dadurch soll eine sichere Fahrt nach Hause auch für Menschen bezahlbar werden, die sich ein Taxi sonst nicht oder nur selten leisten könnten.
Solche Modelle existieren bereits in einigen deutschen Städten, darunter Freiburg und Osnabrück.
Auch in Mitteldeutschland gab es entsprechende Angebote schon einmal. In Halle, Magdeburg und Jena wurden Frauen-Nacht-Taxis in den 1990er- und 2000er-Jahren angeboten. Später wurden die Programme jedoch wegen der damit verbundenen Kosten wieder eingestellt.
Online-Petition bringt das Thema in Leipzig zurück
In Leipzig wurde die Diskussion durch eine Online-Petition neu angestoßen.
Die Petition selbst war zwar nicht erfolgreich. Dennoch beschäftigte sich anschließend der Stadtrat mit dem Thema. Auf Antrag der Grünen wurde beschlossen, die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr genauer untersuchen zu lassen.
Die Grünen halten ein Frauen-Nacht-Taxi weiterhin für einen sinnvollen Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts.
Stadträtin Marsha Richarz verweist insbesondere auf die Situation spät in der Nacht, wenn Nachtbusse teilweise nur stündlich oder in noch größeren Abständen fahren und Fahrgäste am Hauptbahnhof umsteigen müssen.
Stadt Leipzig sieht erhebliche Finanzierungshürde
Die Stadtverwaltung bewertet das Konzept deutlich zurückhaltender.
Sie erkennt zwar an, dass Erfahrungen aus anderen Städten auf eine hohe Akzeptanz entsprechender Angebote bei Frauen hindeuten. Das zentrale Problem seien jedoch die Kosten.
Nach Einschätzung der Stadt wäre jährlich mit Ausgaben im fünf- bis sechsstelligen Bereich zu rechnen.
Angesichts der angespannten Haushaltslage und schwer messbarer Wirkungen hält Leipzig eine Finanzierung von Frauen-Nacht-Taxis aus städtischen Mitteln derzeit nicht für angezeigt.
Leipzig setzt stattdessen auf besseren Nahverkehr
Die Stadt möchte vorhandene finanzielle Mittel eher dafür einsetzen, den öffentlichen Nahverkehr insgesamt zu verbessern.
Diese Position findet sich auch in anderen mitteldeutschen Städten. Erfurt, Chemnitz, Dresden und Zwickau setzen nach den Recherchen des MDR ebenfalls eher auf Verbesserungen des ÖPNV für alle Fahrgäste als auf speziell bezuschusste Taxiangebote für Frauen.
Eine Ausnahme ist Gera. Dort wird eine Umsetzung grundsätzlich als realistisch eingeschätzt.
Damit bleibt das Frauen-Nacht-Taxi in Mitteldeutschland vorerst eher eine politische Forderung als ein tatsächlich verfügbares Angebot.
Grüne kritisieren ausstehenden Zwischenstand
In Leipzig dürfte die Diskussion allerdings weitergehen.
Nach Angaben der Grünen sollte die Stadt bereits im ersten Quartal 2026 einen Zwischenbericht über die Untersuchung zur Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr vorlegen. Nach Darstellung der Stadträtin Marsha Richarz lag dieser bis Ende August weiterhin nicht vor.
Die Grünen fordern deshalb, den entsprechenden Stadtratsbeschluss umzusetzen und Gespräche mit den Leipziger Verkehrsbetrieben, dem Taxigewerbe sowie weiteren Beteiligten zu führen.
Dabei soll nach ihrem Willen auch geprüft werden, ob Frauen-Nacht-Taxis Bestandteil eines künftigen Sicherheitskonzepts werden könnten.
Heimwegtelefon als kostenlose Alternative
Bis es möglicherweise ein neues Angebot gibt, bleibt Frauen in Leipzig neben dem regulären Nahverkehr und kommerziellen Taxiangeboten unter anderem das sogenannte Heimwegtelefon.
Dabei handelt es sich um ein ehrenamtliches Angebot. Menschen, die sich auf ihrem Heimweg unsicher fühlen, können anrufen und sich telefonisch begleiten lassen, bis sie ihr Ziel erreicht haben.
Ein solches Gespräch ersetzt zwar keine physische Begleitung und auch kein Taxi, kann jedoch dazu beitragen, sich auf einem nächtlichen Weg weniger allein zu fühlen.
Kosten oder Sicherheit – Leipzig steht vor Abwägung
Die Diskussion um das Frauen-Nacht-Taxi zeigt einen klassischen kommunalpolitischen Zielkonflikt.
Auf der einen Seite steht das Bedürfnis vieler Frauen nach einem sichereren und bezahlbaren Heimweg. Auf der anderen Seite muss eine hoch verschuldete beziehungsweise finanziell angespannte Kommune entscheiden, für welche zusätzlichen Angebote sie dauerhaft Geld bereitstellen kann.
Ein jährlicher fünf- oder sechsstelliger Zuschuss kann für eine Großstadt zunächst überschaubar erscheinen. Entscheidend ist jedoch, wie viele Menschen damit tatsächlich erreicht werden und ob der gleiche Betrag durch Verbesserungen im Nachtverkehr möglicherweise einer größeren Zahl von Fahrgästen zugutekommt.
Fazit: Ein Frauen-Nacht-Taxi wird es in Leipzig vorerst nicht geben. Die Stadt setzt angesichts ihrer Haushaltslage auf Verbesserungen des öffentlichen Nahverkehrs. Politisch erledigt ist das Thema damit jedoch keineswegs. Die Grünen wollen die Sicherheitsdebatte weiterführen – und ausdrücklich auch prüfen lassen, ob ein bezuschusstes Nacht-Taxi für Frauen künftig doch Teil des Leipziger Mobilitätsangebots werden könnte.