Jahrelang galt er fast als Synonym für einfaches und langfristiges Investieren: der MSCI World. Wer einen ETF-Sparplan abschließen, fürs Alter vorsorgen oder überhaupt erstmals an der Börse investieren wollte, bekam häufig denselben Rat – einen möglichst günstigen ETF auf diesen Weltindex auswählen und regelmäßig besparen.
Doch 2026 gerät diese beinahe automatische Empfehlung ins Wanken.
Nicht weil der MSCI World plötzlich schlecht wäre. Auch nicht, weil er massive Verluste verursacht hätte. Der Grund ist vielmehr, dass inzwischen ETF-Lösungen verfügbar und etabliert sind, die einen noch größeren Teil des weltweiten Aktienmarktes abbilden.
Der entscheidende Kritikpunkt am MSCI World: Trotz seines Namens bildet er eben nicht die gesamte Börsenwelt ab. Schwellenländer fehlen vollständig, kleinere börsennotierte Unternehmen ebenfalls. Gleichzeitig dominieren US-Aktien den Index sehr stark.
Genau deshalb empfiehlt etwa das Verbraucherportal Finanztip für neue langfristige Anlagen inzwischen breiter aufgestellte Indizes wie den MSCI ACWI IMI, den FTSE All-World oder den MSCI ACWI bevorzugt. Der MSCI World bleibt nach dieser Einschätzung eine solide Anlage – steht aber nicht mehr automatisch auf Platz eins.
MSCI World war jahrelang der ETF-Standard
Der Erfolg des MSCI World ist leicht zu erklären.
Mit nur einem einzigen ETF konnten Privatanleger in mehr als tausend große und mittelgroße Unternehmen aus entwickelten Industrieländern investieren.
Statt einzelne Aktien auswählen zu müssen, kauften Anleger damit automatisch Beteiligungen an einer Vielzahl internationaler Konzerne.
Das machte die Geldanlage vergleichsweise einfach.
Ein Sparplan ließ sich mit kleinen monatlichen Beträgen starten. Die laufenden Kosten vieler ETFs waren niedrig. Und durch die breite Streuung war das Risiko deutlich geringer als bei einer Konzentration auf einzelne Aktien oder einzelne Branchen.
Für Millionen Anleger wurde der MSCI World deshalb zur Basis des langfristigen Vermögensaufbaus.
Das Problem beginnt beim Namen „World“
Der Name vermittelt allerdings einen Eindruck, den der Index nicht vollständig erfüllt.
„World“ klingt nach der gesamten Weltwirtschaft.
Tatsächlich enthält der MSCI World jedoch ausschließlich Aktien aus entwickelten Industrieländern.
Unternehmen aus wichtigen Schwellenländern wie China, Indien, Taiwan, Brasilien oder Indonesien gehören nicht dazu.
Damit fehlt ein erheblicher Teil der globalen Börsenlandschaft.
Hinzu kommt, dass kleinere börsennotierte Unternehmen – sogenannte Small Caps – im klassischen MSCI World ebenfalls nicht berücksichtigt werden.
Wer ausschließlich auf diesen Index setzt, investiert deshalb zwar breit, aber nicht in den gesamten investierbaren Weltaktienmarkt.
Rund 72 Prozent USA
Noch stärker fällt die geografische Konzentration ins Gewicht.
Nach den von BR24 genannten aktuellen Indexdaten entfallen derzeit rund 72 Prozent des MSCI World auf Unternehmen aus den Vereinigten Staaten. Insgesamt umfasst der Index knapp 1.300 Aktien.
Das hat vor allem mit der enormen Börsenbewertung amerikanischer Konzerne zu tun.
Unternehmen wie Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Meta oder Alphabet gehören zu den wertvollsten Gesellschaften der Welt. In einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index erhalten sie deshalb automatisch ein besonders hohes Gewicht.
Der MSCI World bildet diese Marktverhältnisse ab.
Das ist grundsätzlich kein Konstruktionsfehler. Anleger sollten jedoch wissen, dass sie mit einem MSCI-World-ETF keineswegs gleichmäßig über sämtliche Weltregionen investieren.
Wer 10.000 Euro in einen entsprechenden ETF steckt, investiert indirekt einen sehr großen Teil dieses Betrags in den US-Aktienmarkt.
Auch der Technologiesektor ist stark vertreten
Mit der Dominanz amerikanischer Aktien geht ein zweites Konzentrationsrisiko einher: die starke Stellung großer Technologieunternehmen.
Die spektakuläre Kursentwicklung vieler US-Tech-Konzerne hat Anlegern in den vergangenen Jahren erhebliche Gewinne gebracht.
Sie sorgt gleichzeitig dafür, dass einige wenige gigantische Unternehmen das Ergebnis des Gesamtindex stärker beeinflussen können.
Steigen diese Aktien kräftig, profitieren MSCI-World-Anleger entsprechend.
Geraten die größten Technologiekonzerne dagegen gleichzeitig unter Druck, schlägt sich das ebenfalls deutlich im Index nieder.
Breite Streuung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jede Region oder jede Branche gleich stark vertreten ist.
Der neue Favorit: MSCI ACWI IMI
Eine der inzwischen bevorzugten Alternativen heißt MSCI All Country World Investable Market Index, kurz MSCI ACWI IMI.
Schon die Zahl der enthaltenen Unternehmen zeigt den Unterschied.
Während der MSCI World knapp 1.300 Aktien umfasst, enthält der ACWI IMI nach aktuellen Finanztip-Angaben ungefähr 8.200 Unternehmen aus 47 Ländern. Er deckt nach Angaben des Verbraucherportals rund 99 Prozent des weltweiten Börsenmarktwertes ab.
Neben Industrieländern werden darin auch Schwellenländer berücksichtigt.
Zusätzlich gehören kleinere Unternehmen zum Index.
Damit verteilt sich das investierte Kapital auf einen erheblich größeren Teil des weltweiten Aktienmarktes.
USA bleiben trotzdem das Schwergewicht
Wer jetzt erwartet, dass ein solcher Index die US-Dominanz vollständig beseitigt, könnte allerdings enttäuscht werden.
Auch beim MSCI ACWI IMI bleiben amerikanische Aktien das mit Abstand größte Gewicht.
Nach den von BR24 genannten Daten liegt der US-Anteil dort bei ungefähr 63 Prozent.
Das ist weniger als beim MSCI World, aber immer noch deutlich mehr als die Hälfte.
Der Grund ist derselbe: Die amerikanischen Börsen und Unternehmen stellen einen außerordentlich großen Anteil der weltweiten Marktkapitalisierung.
Ein globaler Index, der Unternehmen nach ihrem Börsenwert gewichtet, kann diesen Umstand nicht ignorieren.
Der entscheidende Unterschied liegt deshalb nicht darin, die USA künstlich kleinzurechnen. Vielmehr werden zusätzlich Unternehmen und Märkte aufgenommen, die im MSCI World fehlen.
Schwellenländer kommen automatisch ins Depot
Für Anleger ist vor allem die Aufnahme der Emerging Markets interessant.
Indien, China, Taiwan, Brasilien, Indonesien und andere aufstrebende Volkswirtschaften spielen langfristig eine erhebliche Rolle für die Weltwirtschaft.
Mit einem klassischen MSCI World sind Anleger an börsennotierten Unternehmen dieser Länder jedoch überhaupt nicht beteiligt.
Wer diese Märkte zusätzlich abbilden wollte, musste bislang häufig einen zweiten ETF auf den MSCI Emerging Markets oder einen vergleichbaren Index kaufen.
Mit einem Alle-Länder-ETF lässt sich beides in einem Produkt kombinieren.
Damit wird das Depot einfacher.
Statt regelmäßig zwei ETFs gewichten und gegebenenfalls wieder an die gewünschte Verteilung anpassen zu müssen, übernimmt der Index diese Gewichtung automatisch.
Auch kleine Unternehmen sind dabei
Beim ACWI IMI kommt ein weiterer Punkt hinzu.
Neben Großkonzernen und mittelgroßen Unternehmen enthält der Index auch sogenannte Small Caps.
Das sind börsennotierte Gesellschaften mit vergleichsweise geringerer Marktkapitalisierung.
Gerade diese Unternehmen fehlen in vielen klassischen Weltindizes.
Durch ihre Aufnahme steigt die Zahl der enthaltenen Aktien erheblich.
Für Anleger bedeutet das eine noch stärkere Streuung des Unternehmensrisikos.
Allerdings gilt auch hier: Mehr Aktien bedeuten nicht automatisch höhere Renditen. Die Zukunft an den Kapitalmärkten lässt sich nicht vorhersagen.
Breitere Streuung soll vor allem verhindern, dass das Anlageergebnis unnötig stark von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Regionen abhängt.
FTSE All-World ebenfalls eine Alternative
Der MSCI ACWI IMI ist nicht die einzige Möglichkeit.
Eine bekannte Alternative ist der FTSE All-World.
Dieser Index enthält nach aktuellen Finanztip-Daten rund 4.300 große und mittelgroße Unternehmen aus 49 Ländern. Auch Schwellenländer werden berücksichtigt.
Damit ist der FTSE All-World ebenfalls breiter aufgestellt als der klassische MSCI World.
Ein Unterschied zum ACWI IMI besteht unter anderem darin, dass Small Caps beim FTSE All-World nicht in demselben Umfang berücksichtigt werden.
Für viele Privatanleger dürfte dieser Unterschied langfristig jedoch weniger wichtig sein als die Grundentscheidung, ob ausschließlich Industrieländer oder zusätzlich auch Schwellenländer enthalten sein sollen.
MSCI ACWI als Mittelweg
Daneben gibt es den MSCI All Country World Index – kurz MSCI ACWI.
Er kombiniert ebenfalls Industrie- und Schwellenländer, enthält aber im Gegensatz zum ACWI IMI keine umfassende Small-Cap-Komponente.
Damit liegt er gewissermaßen zwischen MSCI World und MSCI ACWI IMI.
Auch Finanztip zählt ETFs auf den MSCI ACWI weiterhin zu den breit gestreuten Alle-Länder-Produkten, die für langfristige Anlagen infrage kommen.
Bedeutet breiter automatisch besser?
Nicht zwingend.
Kein Anleger weiß heute, welche Regionen sich in den kommenden zehn, zwanzig oder dreißig Jahren am besten entwickeln werden.
Es könnte durchaus sein, dass amerikanische Aktien ihre dominante Stellung noch lange behalten.
In diesem Fall könnte ein stärker US-lastiger Index sogar bessere Renditen erzielen als ein breiter gestreutes Weltportfolio.
Genauso könnte sich das Verhältnis aber verschieben.
Schwellenländer könnten stärker wachsen, amerikanische Technologieaktien könnten schwächere Phasen erleben oder andere Regionen könnten an Bedeutung gewinnen.
Breite Streuung ist deshalb keine Renditegarantie.
Sie ist vielmehr eine Strategie gegen die Notwendigkeit, solche Entwicklungen vorhersagen zu müssen.
Wer möglichst den gesamten Markt kauft, muss nicht entscheiden, welches Land oder welche Branche in Zukunft Gewinner sein wird.
Der MSCI World bleibt trotzdem ein Welt-ETF
Bei aller Kritik wäre es falsch, den MSCI World nun als riskantes oder schlechtes Anlageprodukt darzustellen.
Auch Finanztip betont ausdrücklich, dass der Index weiterhin eine solide Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau sein kann. Die neue Einstufung bedeutet lediglich, dass noch breiter gestreute Alternativen für neue Anlagen bevorzugt werden.
Der Unterschied ist wichtig.
Zwischen „nicht mehr erste Wahl“ und „ungeeignet“ liegen Welten.
Der MSCI World bleibt erheblich diversifizierter als ein Depot aus wenigen Einzelaktien oder ein Investment ausschließlich in den deutschen DAX.
Bestehenden MSCI-World-ETF deshalb nicht vorschnell verkaufen
Genau aus diesem Grund sollten Anleger mit einem bestehenden MSCI-World-Sparplan nicht hektisch reagieren.
Wer seinen ETF bereits seit Jahren besitzt und damit Gewinne erzielt hat, könnte durch einen Verkauf steuerliche Konsequenzen auslösen.
Hinzu kommen mögliche Handelskosten.
Allein aufgrund einer neuen Indexpräferenz das komplette Depot umzubauen, kann deshalb mehr Nachteile als Nutzen bringen.
Eine deutlich einfachere Möglichkeit besteht darin, den vorhandenen Bestand zu behalten und lediglich künftige Sparraten anders anzulegen.
Zweiter ETF kann Schwellenländer ergänzen
Wer seinen bisherigen MSCI World behalten möchte, aber künftig breiter investieren will, kann beispielsweise einen ETF auf Schwellenländer ergänzen.
Eine klassische Kombination besteht aus einem MSCI-World-ETF und einem MSCI-Emerging-Markets-ETF.
Damit werden die im MSCI World fehlenden Schwellenländer nachträglich ins Portfolio aufgenommen.
Allerdings müssen Anleger dann selbst entscheiden, wie stark sie die beiden Komponenten gewichten wollen.
Das erfordert etwas mehr Beschäftigung mit dem eigenen Depot.
Wer es möglichst einfach halten möchte, kann stattdessen zukünftige Sparraten auf einen einzigen Alle-Länder-ETF umstellen.
Bei ETFs zählt nicht nur der Index
Ist die Entscheidung für einen Index gefallen, bleibt immer noch die Frage nach dem konkreten ETF.
Mehrere Anbieter können denselben Index abbilden.
Zu den bekannten Gesellschaften gehören etwa iShares, Vanguard, Xtrackers, Amundi und State Street SPDR.
Dabei sollten Anleger nicht allein auf den Namen des Anbieters schauen.
Relevant sind unter anderem Fondsgröße, Kosten, Handelbarkeit, Replikationsmethode und die tatsächliche Abweichung des ETFs von seinem Referenzindex.
Finanztip setzt bei seinen aktuellen Auswahlkriterien unter anderem voraus, dass ein ETF seit mindestens fünf Jahren besteht und ein Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro erreicht.
Warum die Fondsgröße wichtig ist
Ein sehr kleiner ETF kann das Risiko haben, irgendwann mit einem anderen Fonds verschmolzen oder ganz eingestellt zu werden.
Für Anleger bedeutet eine Fondsschließung zwar normalerweise nicht, dass ihr Geld verloren ist.
Sie kann aber einen ungeplanten Verkauf oder eine steuerlich ungünstige Situation auslösen.
Ein etabliertes Fondsvolumen gilt deshalb als Indiz dafür, dass der ETF wirtschaftlich tragfähig ist.
Die von BR24 zitierte Empfehlung von Kapitalmarktexperte Christian W. Röhl liegt ebenfalls bei mindestens rund 100 Millionen Euro beziehungsweise Dollar Fondsvolumen.
Ausschüttend oder thesaurierend?
Eine weitere Entscheidung betrifft den Umgang mit Dividenden.
Bei einem ausschüttenden ETF werden Dividenden regelmäßig auf das Konto des Anlegers ausgezahlt.
Bei einem thesaurierenden ETF werden diese Erträge automatisch wieder im Fonds angelegt.
Für langfristigen Vermögensaufbau empfinden viele Anleger einen thesaurierenden ETF als besonders bequem.
Die Erträge bleiben investiert und können wiederum Erträge erwirtschaften.
Wer dagegen regelmäßige Zahlungen aus seinem Depot erhalten möchte, kann einen ausschüttenden ETF bevorzugen.
Welche Variante besser ist, hängt deshalb vom persönlichen Ziel ab.
Gebühren können über Jahrzehnte enorme Unterschiede machen
Ein Hauptargument für ETFs bleibt ihre vergleichsweise niedrige Kostenstruktur.
Bei vielen breit gestreuten ETFs liegen die laufenden Kosten nur bei einem Bruchteil eines Prozents pro Jahr.
BR24 nennt für ETFs typischerweise Größenordnungen von etwa 0,07 bis 0,3 Prozent, während aktiv gemanagte Fonds laut Verbraucherzentrale häufig etwa 1,5 bis zwei Prozent pro Jahr kosten können.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied.
Über 20 oder 30 Jahre kann sich daraus jedoch eine erhebliche Summe entwickeln.
Denn Gebühren werden jedes Jahr aus dem Fondsvermögen entnommen und reduzieren damit auch das Kapital, das anschließend weitere Renditen erwirtschaften kann.
Aktive Fonds kämpfen gegen ihre eigenen Kosten
Aktive Fonds versprechen einen anderen Ansatz.
Ein Fondsmanager versucht, besonders attraktive Aktien auszuwählen, schlecht eingeschätzte Unternehmen zu vermeiden und damit besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt.
Das klingt grundsätzlich attraktiv.
Das Problem besteht darin, dass dieser zusätzliche Aufwand bezahlt werden muss.
Fondsmanagement, Research und Vertrieb erhöhen die laufenden Kosten.
Ein aktiver Fonds muss deshalb zunächst diese Mehrkosten verdienen, bevor er überhaupt besser abschneiden kann als ein günstiger Indexfonds.
BR24 verweist auf eine Morningstar-Untersuchung von rund 32.000 Fonds und ETFs über einen Zehnjahreszeitraum, bei der aktive Manager insgesamt nur auf eine Erfolgsquote von rund elf Prozent kamen.
Themen-ETFs bergen ein anderes Risiko
Neben klassischen Welt-ETFs boomen Produkte auf einzelne Zukunftsthemen.
Künstliche Intelligenz, Robotik, Raumfahrt, Wasserstoff, Cybersecurity oder Quantencomputer lassen sich inzwischen über spezielle ETFs kaufen.
Solche Fonds wirken attraktiv, weil Anleger gezielt in vermeintliche Megatrends investieren können.
Das Problem: Häufig entstehen Themen-ETFs erst dann, wenn ein Trend bereits große öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hat.
Dann können die betreffenden Unternehmen bereits sehr hoch bewertet sein.
Anleger kaufen möglicherweise genau in einer Phase, in der ein großer Teil der erwarteten Entwicklung längst in den Aktienkursen enthalten ist.
Als Fundament eines langfristigen Depots eignen sich solche Produkte deshalb deutlich weniger als ein breit gestreuter Welt-ETF.
Einzelaktien eher als Beimischung
Ähnliches gilt für einzelne Aktien.
Wer Spaß daran hat, bestimmte Unternehmen auszuwählen, muss darauf nicht zwangsläufig verzichten.
BR24 zitiert Röhl mit der Empfehlung, solche spekulativeren Bestandteile eher als kleine Beimischung zum breit gestreuten Kernportfolio zu betrachten.
Er nennt dafür eine Größenordnung von rund fünf Prozent des Depotwertes.
Damit bleibt der größte Teil des Vermögens weltweit diversifiziert, während Anleger gleichzeitig Raum für eigene Überzeugungen oder Investmentideen behalten.
Altersvorsorgedepot macht ETF-Auswahl noch wichtiger
Zusätzliche Bedeutung erhält die Debatte durch die geplante Reform der privaten Altersvorsorge.
Für Anfang 2027 ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot vorgesehen, bei dem Fonds und ETFs eine zentrale Rolle spielen sollen.
Damit könnten künftig deutlich mehr Menschen langfristig über Wertpapierprodukte für das Alter sparen.
Gerade für Anleger, die ein solches Depot über Jahrzehnte besparen wollen, stellt sich damit die Frage, welcher Index als langfristige Grundlage geeignet ist.
Ein breit gestreuter ETF ist dabei weniger eine Wette auf den nächsten Börsenboom als vielmehr eine Entscheidung für eine möglichst große Beteiligung an der weltweiten Unternehmensentwicklung.
Entscheidend ist der Anlagehorizont
Trotz aller ETF-Euphorie bleibt ein Risiko bestehen, das kein Index beseitigen kann: Aktienkurse können erheblich fallen.
Auch ein Welt-ETF kann zeitweise 20, 30 oder sogar 40 Prozent an Wert verlieren.
Wer das investierte Geld in zwei oder drei Jahren benötigt, sollte deshalb nicht allein auf Aktien setzen.
ETFs auf Weltaktienindizes sind in erster Linie Instrumente für langfristigen Vermögensaufbau.
Je länger das Geld investiert bleiben kann, desto größer ist historisch die Chance gewesen, zwischenzeitliche Börsenkrisen wieder auszugleichen.
Eine Garantie dafür gibt es allerdings auch über lange Zeiträume nicht.
Der wichtigste Fehler wäre hektisches Umschichten
Die Diskussion über den „besten“ Weltindex birgt deshalb ein eigenes Risiko.
Anleger könnten versucht sein, ständig neue Empfehlungen zu verfolgen und ihr Depot regelmäßig umzubauen.
Heute MSCI World, morgen ACWI IMI, danach vielleicht ein anderer Index.
Ein solches Verhalten widerspricht gerade dem Grundgedanken passiven Investierens.
Bei einem ETF-Sparplan soll nicht ständig der vermeintlich beste Markt vorhergesagt werden.
Die Strategie beruht vielmehr darauf, langfristig investiert zu bleiben, regelmäßig zu sparen und kurzfristige Schwankungen auszuhalten.
MSCI World gegen ACWI IMI: Der Unterschied ist kleiner als die Grundentscheidung
Für Anleger sollte deshalb eine Erkenntnis besonders wichtig sein.
Ob jemand langfristig einen günstigen ETF auf den MSCI World, MSCI ACWI, MSCI ACWI IMI oder FTSE All-World bespart, dürfte häufig weniger entscheidend sein als die grundsätzliche Entscheidung, konsequent und breit gestreut Vermögen aufzubauen.
Alle genannten Indizes verteilen das Geld über Tausende internationale Unternehmen.
Der MSCI ACWI IMI bietet dabei die größte Marktabdeckung unter den derzeit häufig empfohlenen Varianten. Finanztip spricht von rund 8.200 Unternehmen und etwa 99 Prozent des weltweiten Börsenmarktwertes.
Der MSCI World ist enger aufgestellt – aber deshalb keineswegs automatisch eine schlechte Anlage.
Fazit: Der MSCI World ist nicht tot – aber die ETF-Welt ist breiter geworden
Der MSCI World verliert 2026 seinen beinahe unangreifbaren Status als Standardempfehlung für ETF-Anleger.
Der Grund ist kein Zusammenbruch des Index, sondern der Fortschritt des ETF-Marktes.
Anleger können heute mit einem einzigen kostengünstigen Produkt nicht nur die Industrieländer, sondern zusätzlich Schwellenländer und teilweise Tausende kleinere Unternehmen abbilden.
Indizes wie MSCI ACWI IMI, FTSE All-World oder MSCI ACWI ermöglichen damit eine noch umfassendere globale Streuung. Finanztip bevorzugt solche Alle-Länder-ETFs inzwischen für neue Anlagen gegenüber dem MSCI World.
Für bestehende MSCI-World-Anleger besteht dennoch kein Grund zur Panik.
Ein übereilter Verkauf kann Steuern und Kosten verursachen und ist allein wegen einer veränderten Empfehlung nicht zwingend sinnvoll.
Wer neu beginnt, kann sich dagegen fragen, ob er wirklich nur die entwickelten Industrieländer abbilden möchte – oder ob er mit einem einzigen ETF möglichst nahe an den gesamten weltweiten Aktienmarkt herankommen will.
Der vielleicht wichtigste Satz lautet deshalb: Der MSCI World hat nicht ausgedient. Aber er ist nicht mehr alternativlos.