Die Windpark Norderland GmbH & Co. Holtriemer Hammrich II zeigt im Jahresabschluss 2024 ein deutlich anderes Bild als viele klassische Windparkgesellschaften. Während die Gesellschaft in den Vorjahren noch mit einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag zu kämpfen hatte, gelang im Geschäftsjahr 2024 eine bemerkenswerte bilanzielle Erholung. Aus Anlegersicht stellt dies die wichtigste Entwicklung des gesamten Jahresabschlusses dar. Dennoch bleiben einige Aspekte kritisch zu hinterfragen, insbesondere die Vermögensstruktur, die Abhängigkeit von verbundenen Unternehmen sowie die eingeschränkte Transparenz aufgrund der fehlenden Gewinn- und Verlustrechnung.
Besonders positiv fällt zunächst die Entwicklung des Eigenkapitals auf. Nachdem die Gesellschaft Ende 2023 noch einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 172.000 Euro auswies und damit bilanziell überschuldet erschien, wird zum Ende des Geschäftsjahres 2024 wieder ein positives Eigenkapital von rund 461.000 Euro ausgewiesen. Diese Verbesserung ist im Wesentlichen auf den erneut hohen Jahresüberschuss von rund 633.000 Euro zurückzuführen. Auch wenn dieser Gewinn gegenüber dem Vorjahr um etwa 26 Prozent zurückgegangen ist, zeigt die Gesellschaft weiterhin eine beachtliche Ertragskraft. Für Anleger ist dies ein wichtiges Signal, da die Gesellschaft aus eigener Kraft ihre Eigenkapitalbasis wieder stärken konnte und die bilanzielle Schieflage der Vorjahre überwunden hat.
Gleichzeitig sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Kapitalanteile der Kommanditisten weiterhin mit einem negativen Betrag von rund 172.000 Euro ausgewiesen werden. Dies verdeutlicht, dass die Gesellschaft historisch erhebliche Verluste oder Entnahmen verkraften musste und sich die Eigenkapitalbasis erst allmählich erholt. Zwar ist die Rückkehr in den positiven Eigenkapitalbereich zweifellos erfreulich, von einer besonders komfortablen Eigenkapitalausstattung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 46 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau der Schwestergesellschaft Windpark Norderland GmbH & Co. Holtriemer Hammrich I, die eine Eigenkapitalquote von knapp 70 Prozent erreicht.
Die Vermögensstruktur fällt ebenfalls ungewöhnlich aus. Das Anlagevermögen beträgt lediglich 12 Euro. Dies bedeutet faktisch, dass die Windenergieanlagen bilanziell vollständig abgeschrieben sind. Für Anleger hat dies zwei Seiten. Einerseits bestehen kaum noch Abschreibungsrisiken, und die Gesellschaft kann weiterhin Erträge aus Anlagen erwirtschaften, die bilanziell nahezu keinen Wert mehr besitzen. Andererseits lässt sich daraus schließen, dass die Anlagen bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben dürften. Langfristig könnten dadurch höhere Wartungs- und Instandhaltungskosten entstehen. Zudem stellt sich die Frage, ob in den kommenden Jahren Investitionen für Modernisierungen oder ein Repowering erforderlich werden könnten.
Das Umlaufvermögen beläuft sich auf rund 1,0 Millionen Euro und macht praktisch die gesamte Aktivseite der Bilanz aus. Davon entfallen rund 728.000 Euro auf Forderungen gegen verbundene Unternehmen. Diese Forderungen bestehen überwiegend im Rahmen des konzerninternen Cash-Poolings innerhalb der enercity-Gruppe. Positiv ist, dass die Forderungen gegenüber dem Vorjahr um rund 174.000 Euro zurückgegangen sind. Dennoch machen sie weiterhin mehr als 70 Prozent der Bilanzsumme aus. Für Anleger bedeutet dies eine erhebliche Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Stabilität des Konzerns. Zwar erscheint das Ausfallrisiko innerhalb der enercity-Gruppe derzeit gering, jedoch ist ein großer Teil des Vermögens nicht unmittelbar verfügbar, sondern konzernintern gebunden.
Positiv entwickelt hat sich die Liquiditätslage. Die Bankguthaben stiegen von rund 241.000 Euro auf etwa 276.000 Euro. Zusammen mit den Forderungen gegen verbundene Unternehmen verfügt die Gesellschaft über ausreichende finanzielle Mittel, um ihren laufenden Verpflichtungen nachzukommen. Hinweise auf Liquiditätsprobleme ergeben sich aus der Bilanz nicht.
Ein besonders interessanter Aspekt ist die Entwicklung der Rückstellungen. Diese gingen von rund 1,23 Millionen Euro auf etwa 507.000 Euro zurück. Der Rückgang von über 700.000 Euro ist erheblich und dürfte maßgeblich zur Verbesserung der Eigenkapitalsituation beigetragen haben. Da keine detaillierte Aufschlüsselung veröffentlicht wird, bleibt allerdings offen, welche Rückstellungen konkret aufgelöst oder angepasst wurden. Aus Anlegersicht ist dies einerseits positiv, da die Bilanz entlastet wird. Andererseits wäre eine höhere Transparenz wünschenswert, um die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung besser beurteilen zu können.
Die Verbindlichkeiten reduzierten sich ebenfalls deutlich von rund 81.000 Euro auf lediglich 35.000 Euro. Finanzverbindlichkeiten oder Bankdarlehen sind nicht erkennbar. Damit weist die Gesellschaft eine sehr geringe Verschuldung auf. Dies erhöht die finanzielle Stabilität und reduziert Risiken aus steigenden Zinsen oder Refinanzierungsproblemen erheblich.
Die Ertragslage bleibt trotz des Gewinnrückgangs weiterhin solide. Die Gesellschaft erzielte im Jahr 2024 gegenüber verbundenen Unternehmen Erlöse aus der Stromeinspeisung von rund 1,07 Millionen Euro. Dem standen lediglich bezogene Dienstleistungen und Stromkosten von insgesamt rund 162.000 Euro gegenüber. Dies deutet auf weiterhin stabile operative Einnahmen hin. Allerdings erschwert die fehlende Veröffentlichung der Gewinn- und Verlustrechnung erneut eine detaillierte Analyse. Anleger können weder die genaue Kostenstruktur noch die Ursachen für den Rückgang des Jahresüberschusses nachvollziehen. Dies stellt den größten Transparenznachteil des Jahresabschlusses dar.
Zu berücksichtigen sind außerdem die sonstigen finanziellen Verpflichtungen in Höhe von rund 794.000 Euro. Diese resultieren hauptsächlich aus Pacht-, Nutzungs- und Dienstleistungsverträgen. Im Vergleich zur Schwestergesellschaft Holtriemer Hammrich I fällt dieser Betrag deutlich geringer aus, was die langfristige finanzielle Belastung reduziert. Dennoch handelt es sich um Verpflichtungen, die bei der wirtschaftlichen Gesamtbeurteilung berücksichtigt werden sollten.
Insgesamt vermittelt der Jahresabschluss 2024 ein deutlich verbessertes Bild der Windpark Norderland GmbH & Co. Holtriemer Hammrich II. Besonders positiv sind die Rückkehr zu einem positiven Eigenkapital, die weiterhin hohe Profitabilität, die geringe Verschuldung und die verbesserte Liquiditätslage zu bewerten. Kritisch bleiben die starke Abhängigkeit von Forderungen gegen verbundene Unternehmen, die nahezu vollständig abgeschriebenen Anlagen sowie die eingeschränkte Transparenz durch die nicht veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung. Aus Anlegersicht überwiegen derzeit die positiven Entwicklungen. Die Gesellschaft hat einen wichtigen Schritt aus der bilanziellen Schwächephase der Vorjahre gemacht, muss jedoch beweisen, dass die Verbesserung der Eigenkapitalsituation und die Ertragskraft auch langfristig nachhaltig sind.