Der Fonds „W&W Quality Select Aktien Europa“ der LBBW Asset Management konnte im Geschäftsjahr 2025/2026 aus Anlegersicht ein überzeugendes Ergebnis erzielen. Mit einer Jahresperformance von +18,48 % entwickelte sich der Fonds deutlich stärker als viele klassische europäische Aktienfonds und profitierte insbesondere von der Stärke europäischer Banken-, Industrie- und Technologiewerte.
Positiv hervorzuheben ist die aktive Steuerung des Fondsmanagements. In einem von geopolitischen Unsicherheiten, hohen Energiepreisen und konjunkturellen Risiken geprägten Umfeld wurde die Aktienquote flexibel angepasst und zusätzlich über Put-Optionen abgesichert. Dadurch reduzierte sich die Nettoaktienquote zum Ende des Berichtszeitraums auf rund 85 %, was das Verlustrisiko bei möglichen Marktkorrekturen begrenzen soll.
Die Portfoliostruktur zeigt einen klaren Fokus auf große europäische Qualitätsunternehmen. Besonders stark gewichtet sind Banken, Industrieunternehmen und Gesundheitswerte. Zu den größten Positionen zählen unter anderem ASML Holding, HSBC Holdings, AstraZeneca, SAP und Shell. Auffällig ist die hohe Konzentration auf Finanzwerte, die inzwischen fast 20 % des Aktienvermögens ausmachen. Dies kann bei weiter steigenden Zinsen positiv wirken, erhöht jedoch gleichzeitig die Abhängigkeit vom europäischen Bankensektor.
Die geografische Verteilung wirkt breit diversifiziert, wobei Großbritannien mit rund 24 % den größten Länderanteil stellt, gefolgt von Deutschland und den Niederlanden. Insgesamt hält der Fonds 48 Einzelwerte, wobei die zehn größten Positionen bereits über 35 % des Fondsvermögens ausmachen. Dadurch entsteht zwar eine klare Qualitätsausrichtung, gleichzeitig aber auch ein erhöhtes Klumpenrisiko.
Aus Risikosicht bleibt der Fonds trotz der Absicherungsstrategien klar ein offensiver Aktienfonds. Das ausgewiesene Aktienmarktrisiko (VaR) liegt mit 8,33 % in der höchsten Risikokategorie. Dafür sind Liquiditäts- und Ausfallrisiken sehr niedrig, was auf die hohe Qualität und Handelbarkeit der gehaltenen Titel hinweist.
Kritisch sehen Anleger die relativ hohe Gesamtkostenquote von 1,51 %. Für einen aktiv gemanagten europäischen Aktienfonds ist dies zwar nicht außergewöhnlich, dennoch müssen langfristig entsprechend hohe Mehrerträge erzielt werden, um diese Kosten zu rechtfertigen. Positiv ist dagegen die solide Ausschüttungspolitik sowie der deutliche Vermögensanstieg des Fonds von rund 45,9 Mio. EUR auf 55,5 Mio. EUR innerhalb eines Jahres.
Insgesamt präsentiert sich der Fonds als aktiv gemanagter europäischer Qualitätsaktienfonds mit klarer Fokussierung auf etablierte Großunternehmen und taktischer Risikosteuerung. Für langfristig orientierte Anleger mit höherer Risikobereitschaft kann der Fonds interessant sein, insbesondere wenn man weiterhin an die Stärke europäischer Banken-, Industrie- und Technologiewerte glaubt. Kurzfristig bleibt der Fonds jedoch anfällig für geopolitische Spannungen, Zinsschwankungen und mögliche Rückschläge an den europäischen Aktienmärkten.