Der Oberste Gerichtshof der USA hat den Antrag von Christa Pike auf einen Aufschub ihrer unmittelbar bevorstehenden Hinrichtung abgelehnt. Die 49-Jährige ist die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates Tennessee.
Die Entscheidung fiel am 29. September, weniger als 24 Stunden vor dem geplanten Termin ihrer Hinrichtung durch die Giftspritze am 30. September. Zuvor hatten bereits niedrigere Gerichte und Tennessees Gouverneur Bill Lee eine Begnadigung oder einen Aufschub abgelehnt.
Sollte die Hinrichtung stattfinden, wäre Pike die erste Frau seit mehr als 200 Jahren, die in Tennessee hingerichtet wird.
Verurteilt wegen Mordes von 1995
Pike wurde wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt.
Im Januar 1995 lockten Pike, ihr damaliger Freund und eine weitere junge Frau Slemmer in ein Waldstück bei Knoxville. Dort wurde sie über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet.
Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Ihr damals 17-jähriger Freund Tadaryl Shipp erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe, da er wegen seines Alters nicht für die Todesstrafe infrage kam.
Anwälte verweisen auf schwere Traumatisierungen
Pikes Verteidiger sowie zahlreiche Frauenrechtsorganisationen und Fachleute für sexualisierte Gewalt hatten versucht, die Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln.
Sie verwiesen auf schwere sexuelle Gewalterfahrungen in Pikes Kindheit und Jugend. Laut Gerichtsunterlagen wurde sie bereits als Kleinkind missbraucht und später mehrfach vergewaltigt.
Die Unterstützer argumentieren, dass die Fixierung während einer Hinrichtung bei Pike schwere traumatische Erinnerungen auslösen könnte. Sie sehen darin eine mögliche Verletzung des verfassungsrechtlichen Verbots grausamer und ungewöhnlicher Strafen.
Der Bundesstaat Tennessee erkennt die traumatische Vorgeschichte an, vertritt jedoch die Auffassung, dass sie die rechtskräftig verhängte Todesstrafe nicht aufhebt.
Gericht sieht ausreichende Schutzmaßnahmen
Während eines mehrtägigen Verfahrens erklärte die Staatsanwaltschaft, dass männliche Mitarbeiter während der sogenannten „Death Watch“-Phase möglichst von Pike ferngehalten werden sollten.
Ein vom Tennessee Supreme Court eingesetzter Richter kam zu dem Schluss, die Gefängnisbehörde habe Maßnahmen getroffen, um mögliche traumatische Auslöser zu reduzieren.
Der US Supreme Court lehnte den Antrag auf Hinrichtungsaufschub schließlich ohne schriftliche Begründung ab.
Weitere Argumente gegen die Hinrichtung
Pikes Anwälte führten zusätzlich medizinische Gründe an. Wegen ungewöhnlich kleiner Venen und einer Erkrankung namens Thrombozytose könne die Hinrichtung durch Giftspritze für sie besonders schmerzhaft sein.
Außerdem verwiesen sie auf ihr junges Alter zum Tatzeitpunkt. Von mehr als 200 Menschen, die in Tennessee in den vergangenen 50 Jahren zum Tode verurteilt wurden, seien nach Angaben der Verteidigung nur wenige ebenfalls 18 Jahre alt gewesen.
Mutter des Opfers will Hinrichtung beiwohnen
Colleen Slemmers Mutter May Martinez befürwortet die Vollstreckung der Todesstrafe und kündigte an, bei der Hinrichtung anwesend sein zu wollen.
Sie erklärte wiederholt, dass der Tod ihrer Tochter ihr Leben bis heute präge und sie auf einen Abschluss des Falls hoffe. Gleichzeitig kritisierte sie, dass in der öffentlichen Diskussion häufig mehr über Pike als über das Opfer gesprochen werde.
Pike selbst äußerte in einem Begnadigungsgesuch später Reue für die Tat und schrieb, sie sei heute entsetzt darüber, dass sie als 18-Jährige zu einem solchen Verbrechen fähig gewesen sei.
Mit der Ablehnung des letzten Antrags durch den Supreme Court sind die regulären rechtlichen Möglichkeiten für einen weiteren Aufschub weitgehend ausgeschöpft.