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El Niño verstärkt Küstenrisiken in Kalifornien: Kelvin-Welle lässt Meeresspiegel steigen

A_Different_Perspective (CC0), Pixabay

Eine ozeanische Kelvin-Welle erreicht derzeit die Küste Kaliforniens und könnte den Meeresspiegel dort vorübergehend deutlich anheben. Das Phänomen tritt im Zusammenhang mit dem starken El-Niño-Ereignis auf und verschärft die ohnehin angespannte Lage an Teilen der US-Westküste.

Der Klimaforscher Daniel Swain von der University of California erwartet, dass die Wasserstände spürbar über dem üblichen Niveau liegen werden. Gleichzeitig sorgen ungewöhnlich warme Meerestemperaturen, starke Dünung und eine aktive Hurrikansaison im Pazifik für zusätzliche Belastungen.

Was eine Kelvin-Welle bewirkt

Ozeanische Kelvin-Wellen sind keine gewöhnlichen Wellen, die an einem Strand brechen. Sie bewegen vielmehr große Mengen an Energie und warmem Wasser über Tausende Kilometer durch den Pazifik.

Im Zusammenhang mit El Niño entstehen sie im westlichen äquatorialen Pazifik, wenn stärkere Westwinde die Passatwinde abschwächen. Dadurch verlagert sich warmes Wasser nach Osten.

Erreichen diese Wellen Südamerika, können sie sich entlang der Küsten weiter nach Norden und Süden ausbreiten. An der nordamerikanischen Westküste reichen ihre Auswirkungen teilweise bis nach Washington und Alaska.

Nach Angaben der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA können Kelvin-Wellen den Meeresspiegel typischerweise um etwa 15 bis 30 Zentimeter erhöhen.

Höhere Wasserstände treffen auf starke Brandung

Besonders problematisch ist die Kombination mehrerer Faktoren.

Der langfristige Meeresspiegelanstieg, El Niño, hohe Gezeiten und starke Wellen durch tropische Stürme können sich gegenseitig verstärken. Dadurch steigt das Risiko für Küstenüberflutungen und Erosion.

Vor Südkalifornien liegt der Meeresspiegel nach Angaben von Swain aufgrund von El Niño bereits rund 30 Zentimeter höher als gewöhnlich.

Weitere Kelvin-Wellen könnten im Verlauf des kommenden Winters folgen.

Schäden an der kalifornischen Küste

Teile Kaliforniens kämpfen bereits mit erheblichen Küstenschäden.

In Orange County wurden nach starker Brandung, Erosion und Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lokale Notstände ausgerufen.

Auch Laguna Beach und Dana Point verzeichneten Anfang September starken Sandverlust und Küstenerosion. Mehrere Häuser mussten zeitweise evakuiert werden.

In Malibu entstand zudem Anfang September ein großes Erdloch unter der Zufahrt eines Hauses am Strand. Dabei wurde eine Gasleitung beschädigt und zahlreiche Bewohner der Umgebung mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen.

Kalifornien ruft landesweiten Notstand aus

Angesichts der bereits entstandenen Schäden und der erwarteten weiteren Auswirkungen von El Niño rief Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom einen landesweiten Notstand aus.

Die Behörden bereiten sich damit auf eine mögliche Verschärfung der Lage während der kommenden Monate vor.

Besonders gefährdet sind niedrig gelegene Küstenbereiche sowie Strände und Klippen, die bereits stark von Erosion betroffen sind.

Die Kelvin-Welle allein ist dabei nicht die Ursache der Schäden. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus erhöhtem Meeresspiegel, starken Gezeiten, hohem Wellengang und den langfristigen Folgen des Meeresspiegelanstiegs.

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