Die Trianel Windpark Spreeau GmbH & Co. KG mit Sitz in Aachen weist zum 31. Dezember 2024 eine Bilanzsumme von 65.690.327,20 Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es noch 73.179.562,04 Euro.
Die Bilanzsumme ist damit innerhalb eines Jahres um rund 7,49 Millionen Euro beziehungsweise 10,2 Prozent gesunken.
Ein wesentlicher Grund dafür ist auf der Aktivseite der Rückgang des Anlagevermögens. Dieses verminderte sich von 67,97 Millionen Euro auf 63,38 Millionen Euro.
Sachanlagen verlieren 4,5 Millionen Euro an Buchwert
Den mit Abstand größten Vermögensposten bilden die Sachanlagen. Ihr Buchwert sank von 66.519.012 Euro auf 62.006.317 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 4,51 Millionen Euro beziehungsweise 6,8 Prozent.
Die Gesellschaft schreibt ihre Sachanlagen nach eigenen Angaben planmäßig linear über einen Zeitraum von 16 Jahren ab.
Daneben bestehen Finanzanlagen von 1.373.840,75 Euro. Im Vorjahr waren es 1.453.053,55 Euro.
Insgesamt entfallen damit rund 96,5 Prozent der Bilanzsumme auf das Anlagevermögen.
Das ist bei der Bewertung der Bilanzstruktur wesentlich: Ein großer Teil des bilanzierten Vermögens steckt langfristig in Sach- und Finanzanlagen und steht damit nicht in Form liquider Mittel zur Verfügung.
Bankguthaben sinkt um 77 Prozent
Besonders deutlich fällt die Veränderung bei den liquiden Mitteln aus.
Ende 2023 wurden noch Bankguthaben von 4.105.293,46 Euro ausgewiesen. Zum 31. Dezember 2024 waren es nur noch 932.463,83 Euro.
Damit ging der Bestand um 3.172.829,63 Euro beziehungsweise rechnerisch rund 77,3 Prozent zurück.
Das ist eine erhebliche Veränderung innerhalb eines Geschäftsjahres.
Aus den vorgelegten Bilanz- und Anhangangaben geht allerdings nicht hervor, wodurch dieser Rückgang verursacht wurde. Insbesondere wäre es nicht zulässig, allein daraus auf Verluste, Ausschüttungen oder Schwierigkeiten bei der Finanzierung zu schließen.
Hinzu kommt eine wichtige Einschränkung: Die liquiden Mittel sind nach Angaben der Gesellschaft verpfändet.
Die Verpfändungsvereinbarung über das Girokontoguthaben sieht zudem eine eingeschränkte Verfügungsmöglichkeit für die Gesellschaft vor.
Die ausgewiesenen 932.464 Euro dürfen deshalb nicht ohne Weiteres mit frei verfügbarer Liquidität gleichgesetzt werden.
Forderungen steigen um 42 Prozent
Während die Bankguthaben deutlich zurückgingen, erhöhten sich die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände.
Sie stiegen von 967.522,53 Euro auf 1.373.679,92 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von rund 406.157 Euro beziehungsweise 42,0 Prozent.
Eine nähere Aufschlüsselung der Forderungen enthält das vorgelegte Material nicht. Insbesondere lässt sich daraus nicht erkennen, gegen wen die Forderungen bestehen oder wann sie fällig werden.
Insgesamt sank das Umlaufvermögen wegen des starken Rückgangs der Bankguthaben dennoch von 5,07 Millionen Euro auf 2,31 Millionen Euro.
Eigenkapital sinkt auf nur noch 458.000 Euro
Auf der Passivseite fällt vor allem das vergleichsweise geringe Eigenkapital auf.
Es beträgt zum Bilanzstichtag 457.893,45 Euro. Ende 2023 waren es noch 595.769,27 Euro.
Das Eigenkapital ging damit um 137.875,82 Euro beziehungsweise rund 23,1 Prozent zurück.
Bei einer Bilanzsumme von 65,69 Millionen Euro ergibt sich rechnerisch eine Eigenkapitalquote von lediglich rund 0,70 Prozent.
Im Vorjahr lag sie bei rund 0,81 Prozent.
Damit ist die Eigenkapitalausstattung gemessen an der Bilanzsumme sehr niedrig.
Das darf allerdings nicht mit einer insolvenzrechtlichen Überschuldung gleichgesetzt werden. Die handelsrechtliche Bilanz und eine insolvenzrechtliche Überschuldungsprüfung verfolgen unterschiedliche Zwecke und Bewertungsmaßstäbe.
Zudem wurde der Jahresabschluss ausdrücklich unter Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt.
Kein Jahresergebnis aus der Bilanz ablesbar
Bei der Interpretation des Eigenkapitals ist noch ein weiterer Punkt wichtig.
Die Bilanz weist Kapitalanteile der Kommanditisten von 5.000 Euro und Rücklagen von 452.893,45 Euro aus. Der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust beträgt 0 Euro.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Gesellschaft 2024 weder Gewinn noch Verlust erwirtschaftet hat.
Ein Bilanzgewinn von null ist nicht automatisch mit einem Jahresergebnis von null gleichzusetzen. Aus den hier vorgelegten Bilanz- und Anhangangaben lässt sich das Jahresergebnis 2024 nicht zuverlässig bestimmen.
Auch Umsatzerlöse, Stromproduktion, Strompreise, Zinsaufwendungen und operativer Cashflow sind in dem vorgelegten Material nicht genannt.
Eine Aussage über die operative Profitabilität des Windparks wäre deshalb auf dieser Grundlage nicht belastbar.
Verbindlichkeiten sinken um 6,8 Millionen Euro
Positiv fällt zunächst der deutliche Rückgang der Verbindlichkeiten auf.
Ende 2023 wurden 71.029.305,10 Euro ausgewiesen. Ende 2024 waren es noch 64.216.640,22 Euro.
Damit wurden die bilanzierten Verbindlichkeiten um rund 6,81 Millionen Euro beziehungsweise 9,6 Prozent reduziert.
Trotz dieses Rückgangs bleiben sie gemessen an der Bilanzsumme sehr hoch.
Die Verbindlichkeiten entsprechen rechnerisch rund 97,8 Prozent der Bilanzsumme.
Diese Relation ist allerdings keine Aussage über Zahlungsfähigkeit oder Insolvenzreife. Für eine solche Bewertung wären unter anderem Zahlungsströme, Fälligkeiten, Finanzierungskonditionen und die tatsächlich verfügbare Liquidität erforderlich.
Mehr als 11 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig
Von den 64,22 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind 11.183.326,32 Euro innerhalb eines Jahres fällig.
Auch hier zeigt der Vorjahresvergleich allerdings eine deutliche Entlastung. Ende 2023 beliefen sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten noch auf 14.412.651,96 Euro.
Der innerhalb eines Jahres fällige Betrag ist damit um rund 3,23 Millionen Euro beziehungsweise 22,4 Prozent gesunken.
Weitere 53.033.313,90 Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
Davon wiederum entfallen 38.699.956,94 Euro auf Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Auch dieser langfristige Betrag ist zurückgegangen. Im Vorjahr waren noch 42.283.296,18 Euro ausgewiesen.
Die Laufzeiten zeigen damit, dass ein erheblicher Teil der Finanzierung langfristig angelegt ist.
Fast 57 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten besichert
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind nach Angaben des Unternehmens 56,948 Millionen Euro durch Pfandrechte und ähnliche Rechte gesichert.
Im Vorjahr waren es 60,2 Millionen Euro.
Für die Darlehen wurden umfangreiche Sicherheiten bestellt.
Nach Angaben im Anhang sind die Windkraftanlagen einschließlich sämtlicher Nebenanlagen sicherungsübereignet worden. Die liquiden Mittel wurden verpfändet. Die Grundstücke sind dinglich und schuldrechtlich gesichert.
Darüber hinaus wurden die Geschäftsanteile der Gesellschafter an der Gesellschaft verpfändet.
Die Finanzierung ist damit umfangreich besichert.
Gesellschafterverbindlichkeiten sinken um 2,68 Millionen Euro
Auch die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern sind erheblich.
Zum 31. Dezember 2024 betrugen sie 7,266 Millionen Euro.
Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 9,944 Millionen Euro.
Damit gingen die Gesellschafterverbindlichkeiten um 2,678 Millionen Euro beziehungsweise rund 26,9 Prozent zurück.
Aus dem vorgelegten Abschluss geht nicht hervor, gegenüber welchen Gesellschaftern diese Forderungen bestehen, welche Konditionen gelten und wodurch der Rückgang zustande gekommen ist.
Rückstellungen gehen um mehr als ein Drittel zurück
Die Rückstellungen reduzierten sich ebenfalls deutlich.
Sie sanken von 1.554.487,67 Euro auf 1.015.793,53 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 538.694 Euro beziehungsweise 34,7 Prozent.
Der Jahresabschluss nennt unter anderem eine Rückstellung für die spätere Rückbauverpflichtung des Windparks Spreeau. Grundlage ist eine zum 31. Dezember 2024 angenommene Restnutzungsdauer von 17 Jahren. Für die Berechnung wurde ein Zinssatz der Deutschen Bundesbank von 1,97 Prozent zugrunde gelegt.
Wie hoch die Rückbaurückstellung konkret ist und wodurch der gesamte Rückgang der Rückstellungen verursacht wurde, lässt sich den vorgelegten Angaben nicht entnehmen.
Zusätzlich 21,87 Millionen Euro langfristige Vertragsverpflichtungen
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen erhebliche weitere vertragliche Verpflichtungen.
Die Gesellschaft beziffert ihre sonstigen nicht bilanzierten finanziellen Verpflichtungen auf insgesamt 21.871.983,37 Euro.
Davon entfallen allein 16.857.111,11 Euro auf Gestattungsverträge.
Weitere 4.608.000 Euro betreffen Wartungsverträge. Aus Betriebsführungsverträgen ergeben sich Verpflichtungen von 406.872,26 Euro.
Von den insgesamt 21,87 Millionen Euro sind 1.382.188,04 Euro innerhalb eines Jahres fällig.
Weitere 5.161.952,16 Euro betreffen den Zeitraum von mehr als einem bis fünf Jahren.
Besonders groß ist der langfristige Anteil: 15.327.843,17 Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Diese sonstigen finanziellen Verpflichtungen sind ausdrücklich nicht bilanziert. Sie dürfen daher nicht schlicht zu den 64,22 Millionen Euro bilanzierten Verbindlichkeiten addiert und anschließend als „Schulden“ der Gesellschaft bezeichnet werden.
Sie zeigen jedoch, dass zusätzlich zur bilanzierten Finanzierung langfristige vertragliche Zahlungsverpflichtungen bestehen.
Hoher Fremdfinanzierungsanteil trifft auf sinkende Liquidität
Der Jahresabschluss der Trianel Windpark Spreeau GmbH & Co. KG zeigt damit eine ungewöhnlich stark fremdfinanzierte Bilanzstruktur.
Auf 65,69 Millionen Euro Bilanzsumme entfallen lediglich rund 458.000 Euro Eigenkapital. Die rechnerische Eigenkapitalquote liegt bei rund 0,7 Prozent.
Gleichzeitig stehen 64,22 Millionen Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz.
Diese Momentaufnahme allein wäre allerdings zu einseitig. Denn im Jahresvergleich hat die Gesellschaft ihre Verbindlichkeiten um rund 6,81 Millionen Euro reduziert. Auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind um mehr als 3,2 Millionen Euro zurückgegangen.
Der Preis dieser Entwicklung lässt sich aus dem Abschluss nicht bestimmen. Auffällig ist jedenfalls, dass parallel das Bankguthaben von 4,11 Millionen auf nur noch 932.464 Euro gefallen ist.
Ob zwischen beiden Entwicklungen ein Zusammenhang besteht, sagt der Abschluss nicht. Eine entsprechende Behauptung wäre daher Spekulation.
Fazit: Schulden sinken deutlich – Eigenkapital bleibt äußerst schmal
Die Bilanz 2024 der Trianel Windpark Spreeau GmbH & Co. KG liefert ein gemischtes Bild.
Die Verbindlichkeiten wurden innerhalb eines Jahres von 71,03 auf 64,22 Millionen Euro reduziert. Die kurzfristigen Fälligkeiten sanken von 14,41 auf 11,18 Millionen Euro, die Gesellschafterverbindlichkeiten von 9,94 auf 7,27 Millionen Euro.
Gleichzeitig schrumpfte das Bankguthaben um rund 77 Prozent auf nur noch 932.464 Euro. Hinzu kommt, dass dieses Guthaben verpfändet ist und die Gesellschaft laut Anhang nur eingeschränkt darüber verfügen kann.
Besonders auffällig bleibt die Kapitalstruktur: Das Eigenkapital beträgt nur 457.893 Euro, was einer rechnerischen Eigenkapitalquote von etwa 0,7 Prozent entspricht.
Diese Kennzahl rechtfertigt für sich genommen jedoch keine Aussage über eine insolvenzrechtliche Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit. Der Abschluss wurde unter der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt.
Für eine umfassende wirtschaftliche Bewertung fehlen zudem wesentliche Informationen: Aus den vorgelegten Angaben lassen sich weder der Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag noch Umsatz, Stromproduktion, Zinsbelastung oder operativer Cashflow zuverlässig bestimmen.