Der Jahresabschluss 2024 der GET Windpark KARO GmbH & Co. KG aus Kiel zeigt eine ungewöhnliche Bilanzstruktur. Die Gesellschaft weist zum Jahresende kein Eigenkapital aus. Gleichzeitig ist der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil der Kommanditisten deutlich gestiegen und erreicht inzwischen 256.644,51 Euro. Auf der Passivseite dominieren Rückstellungen von knapp 950.000 Euro, wobei allein 803.300 Euro für die spätere Abbauverpflichtung des Windparks vorgesehen sind.
Die Bilanzsumme der Gesellschaft beträgt zum 31. Dezember 2024 1.105.208,43 Euro. Im Vorjahr waren es noch 1.203.859,10 Euro. Damit ist die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres um rund 98.651 Euro beziehungsweise rechnerisch etwa 8,2 Prozent zurückgegangen.
Besonders ins Auge fällt die Eigenkapitalsituation. Das Eigenkapital wird sowohl für 2023 als auch für 2024 mit 0 Euro angegeben. Gleichzeitig steht auf der Aktivseite ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil Kommanditisten“ von 256.644,51 Euro. Ende 2023 hatte dieser Betrag noch bei 174.916,52 Euro gelegen.
Damit erhöhte sich der ungedeckte Verlustanteil innerhalb eines Jahres um 81.727,99 Euro beziehungsweise rund 46,7 Prozent.
Diese Position ist für die Einordnung der Bilanz wesentlich. Sie zeigt, dass die den Kommanditisten zugerechneten Verlustanteile die entsprechenden Vermögenseinlagen in dieser Größenordnung übersteigen. Daraus darf allerdings nicht automatisch auf eine Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz der Gesellschaft geschlossen werden. Eine solche Feststellung enthält der vorliegende Jahresabschluss nicht.
Interessant ist zugleich die Geschichte des Windparks. Nach Angaben im Anhang wurde er bereits im Dezember 2001 errichtet. Ursprünglich bestand er aus insgesamt neun Windenergieanlagen. Sechs dieser neun Anlagen wurden 2004 verkauft. Im Geschäftsjahr 2022 kaufte die Gesellschaft diese sechs Anlagen zurück. Sie werden seitdem wieder planmäßig abgeschrieben.
Zum 31. Dezember 2024 stehen die Sachanlagen noch mit 168.199,83 Euro in der Bilanz. Ein Jahr zuvor waren es 278.366,83 Euro. Der Buchwert der Sachanlagen ging damit innerhalb eines Jahres um 110.167 Euro beziehungsweise rund 39,6 Prozent zurück.
Hinzu kommen Finanzanlagen von 12.500 Euro. Ende 2023 hatten diese noch einen Buchwert von 25.564,59 Euro. Das gesamte Anlagevermögen verringerte sich dadurch von 303.931,42 Euro auf 180.699,83 Euro.
Bei der Interpretation dieser Werte ist allerdings Vorsicht geboten. Der bilanzielle Buchwert der Windenergieanlagen sagt nicht automatisch etwas darüber aus, welchen tatsächlichen wirtschaftlichen oder möglichen Verkaufswert die Anlagen besitzen. Angaben zu einem aktuellen Marktwert enthält der Jahresabschluss nicht.
Auf der Aktivseite stehen dem Anlagevermögen außerdem 667.454,81 Euro Umlaufvermögen gegenüber. Davon entfallen 325.694,39 Euro auf Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.
Der Anhang liefert hierzu zumindest einen konkreten Hinweis: In dieser Position befindet sich eine Forderung aus der Stromlieferung für Dezember 2024 gegenüber dem Energieversorgungsunternehmen. Wie hoch allein diese Stromforderung ist, wird allerdings nicht gesondert genannt.
Die liquiden Mittel entwickelten sich positiv. Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten erhöhten sich von 280.390,16 Euro Ende 2023 auf 341.760,42 Euro Ende 2024. Das entspricht einem Anstieg um rund 61.370 Euro beziehungsweise 21,9 Prozent.
Während also der ungedeckte Verlustanteil der Kommanditisten zunahm, verfügte die Gesellschaft zum Bilanzstichtag gleichzeitig über mehr als 341.000 Euro liquide Mittel. Diese beiden Informationen widersprechen sich nicht: Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil ist eine bilanzielle Kapitalposition und nicht mit dem aktuellen Bestand auf den Bankkonten gleichzusetzen.
Auf der Passivseite dominieren eindeutig die Rückstellungen von 949.188,11 Euro. Im Vorjahr hatten sie bei 918.315,92 Euro gelegen. Sie erhöhten sich damit um rund 30.872 Euro.
Besonders interessant ist ihre Zusammensetzung. Allein 803.300 Euro wurden für die Abbauverpflichtung zurückgestellt. Dieser Betrag macht rechnerisch rund 84,6 Prozent der gesamten Rückstellungen aus.
Weitere 119.150 Euro entfallen auf Gewerbesteuer für die Jahre 2023 und 2024. Für Instandhaltungen bestehen Rückstellungen von 22.738,11 Euro. Hinzu kommen 4.000 Euro für die Kosten des Jahresabschlusses 2024. Zusammen ergeben diese Positionen exakt die ausgewiesenen Rückstellungen von 949.188,11 Euro.
Die hohe Rückstellung für den Abbau ist angesichts des Alters des Windparks ein besonders bemerkenswerter Bilanzposten. Die Anlagen stammen nach Angaben der Gesellschaft ursprünglich aus dem Jahr 2001. Aus dem Abschluss geht allerdings nicht hervor, wann ein Rückbau tatsächlich geplant ist oder wann die hierfür zurückgestellten Mittel voraussichtlich benötigt werden.
Deutlich zurückgegangen sind dagegen die Verbindlichkeiten. Sie reduzierten sich von 285.543,18 Euro Ende 2023 auf 156.020,32 Euro Ende 2024. Das entspricht einem Rückgang um rund 129.523 Euro beziehungsweise 45,4 Prozent.
Noch bemerkenswerter ist die Veränderung der Laufzeiten. Ende 2023 bestanden noch Verbindlichkeiten von 50.000 Euro mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Zum 31. Dezember 2024 werden keine längerfristigen Verbindlichkeiten mehr ausgewiesen. Die gesamten 156.020,32 Euro besitzen eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Nach Angaben im Anhang beinhalten die sonstigen Verbindlichkeiten insbesondere die Pachtzahlungen des Geschäftsjahres 2024 für die Standorte der Windenergieanlagen. Diese Pachtzahlungen werden jeweils im Frühjahr des Folgejahres geleistet.
Damit zeigt sich eine interessante Konstellation: Auf der einen Seite stehen kurzfristige Verbindlichkeiten von rund 156.000 Euro. Auf der anderen Seite verfügte die Gesellschaft zum Bilanzstichtag allein über liquide Mittel von rund 342.000 Euro sowie Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von rund 326.000 Euro.
Das erlaubt zwar keine vollständige Aussage über die zukünftige Zahlungsfähigkeit, zeigt aber, warum das fehlende bilanzielle Eigenkapital nicht einfach mit fehlender Liquidität gleichgesetzt werden darf.
Auffällig ist dennoch die Entwicklung des nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteils. Mit 256.644,51 Euro liegt dieser inzwischen rund 81.728 Euro höher als ein Jahr zuvor. Welche konkreten wirtschaftlichen Ursachen für diese Veränderung verantwortlich sind, lässt sich aus den vorliegenden Bilanz- und Anhangangaben nicht abschließend feststellen.
Zwar weist der Anhang darauf hin, dass eine Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt wurde. Die konkreten Zahlen dieser Gewinn- und Verlustrechnung sind in dem vorliegenden Material jedoch nicht enthalten.
Deshalb lässt sich insbesondere nicht belastbar feststellen, wie hoch die Umsatzerlöse aus der Stromproduktion 2024 waren, welche betrieblichen Aufwendungen anfielen und welches konkrete Jahresergebnis die Gesellschaft erzielte. Auch sollte der Anstieg des nicht gedeckten Verlustanteils nicht ohne zusätzliche Unterlagen einfach mit dem Jahresverlust 2024 gleichgesetzt werden.
Gerade für eine wirtschaftliche Beurteilung des inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte alten Windparks wären diese Informationen interessant. Neben der Stromproduktion und den erzielten Erlösen wäre insbesondere von Bedeutung, welche Instandhaltungs- und Betriebskosten für die Anlagen entstehen und welche weitere Nutzungsdauer die Betreiber zugrunde legen.
Der Jahresabschluss zeigt jedenfalls eine Gesellschaft mit einer besonderen Bilanzstruktur: 0 Euro ausgewiesenes Eigenkapital, ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten von rund 256.600 Euro, Rückstellungen von knapp 949.200 Euro und vergleichsweise geringe Verbindlichkeiten von rund 156.000 Euro.
Die mit Abstand größte Position auf der Passivseite ist dabei nicht eine Bankverschuldung, sondern die Rückstellung für den späteren Abbau des Windparks von 803.300 Euro.
Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft über mehr als 341.000 Euro liquide Mittel und weitere rund 325.700 Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände. Die Verbindlichkeiten sind gegenüber dem Vorjahr um mehr als 45 Prozent gesunken.
Der Jahresabschluss vermittelt deshalb ein differenziertes Bild. Das fehlende Eigenkapital und der weiter gestiegene ungedeckte Verlustanteil der Kommanditisten sind auffällige bilanzielle Kennzahlen. Gleichzeitig lässt sich daraus allein keine akute finanzielle Krise ableiten.