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Börsebius Bosses Follower Fund: Hohe Aktienquote, klare Strategie – aber schwache Jahresperformance und hohe Kosten

geralt (CC0), Pixabay

Der Jahresbericht des Börsebius Bosses Follower Fund für den Zeitraum vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 zeichnet aus Anlegersicht ein gemischtes Bild. Der Fonds verfolgt einen ungewöhnlichen und grundsätzlich nachvollziehbaren Investmentansatz: Directors’ Dealings, Stimmrechtsmeldungen und potenzielle Übernahmesituationen werden systematisch ausgewertet und mit fundamentalen Qualitätskriterien kombiniert. Gleichzeitig sollen die ausgewählten Unternehmen möglichst über überzeugende Geschäftsmodelle, hohe Ertragskraft, attraktive Cashflows und solide Bilanzen verfügen.

Positiv fällt zunächst auf, dass das Management seine zuvor defensive Positionierung deutlich zurückgenommen hat. Die Aktienquote stieg von 71,54 % auf 88,86 %, während die Liquiditätsquote von 17,86 % auf 11,62 % sank. Das Portfolio wurde zugleich von 35 auf 39 Titel erweitert. Damit ist der Fonds wieder wesentlich stärker an den Chancen, aber auch an den Risiken des Aktienmarktes beteiligt. Der Schwerpunkt liegt dabei weiterhin auf kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die nach Angaben des Managements stärkeren Kursschwankungen unterliegen können.
Die höhere Risikobereitschaft zahlte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings nicht aus. Die Wertentwicklung betrug minus 6,98 %. Der Anteilwert sank von 134,16 Euro auf 124,80 Euro. Besonders auffällig ist dabei, dass das realisierte Ergebnis mit 185.943 Euro beziehungsweise 5,96 Euro je Anteil positiv ausfiel. Dem standen jedoch nicht realisierte Verluste beziehungsweise negative Bewertungsveränderungen von insgesamt rund 471.000 Euro gegenüber. Das Jahresergebnis belief sich dadurch auf minus 285.084 Euro. Die schwache Entwicklung beruht somit weniger auf bereits abgeschlossenen Fehlentscheidungen als auf deutlichen Kursverlusten bei weiterhin gehaltenen Positionen.
Das Fondsvermögen sank von rund 4,08 Mio. Euro auf 3,89 Mio. Euro, obwohl unter dem Strich Mittelzuflüsse von gut 100.000 Euro verzeichnet wurden. Das zeigt, dass die negative Wertentwicklung den positiven Effekt neuer Anlegergelder mehr als aufgezehrt hat. Für Anleger ist zudem die geringe absolute Fondsgröße von knapp 3,9 Mio. Euro zu beachten.

Ein wesentlicher Risikofaktor ist die starke geografische Konzentration. Rund 82,9 % des gesamten Fondsvermögens waren zum Stichtag in deutschen Aktien investiert. Auslandstitel aus Irland, den Niederlanden und Schweden spielten lediglich eine Nebenrolle. Trotz der 39 Einzelpositionen ist die internationale Diversifikation daher gering. Branchenseitig ist die Aufstellung breiter: Industrieunternehmen stellen mit etwa 25,6 % die größte Gruppe, gefolgt von Finanzwerten mit 18,7 %, Informationstechnologie mit 11,8 %, Grundstoffen mit 9,4 % und Kommunikationsdiensten mit 8,8 %.
Auch auf Einzeltitelebene bestehen erkennbare Schwerpunkte. Zu den größten Positionen gehörten Talanx mit 6,62 %, Münchener Rück mit 5,82 %, 2G Energy mit 5,16 %, Siemens Energy mit 4,20 % und Mutares mit 3,59 % des Fondsvermögens. Allein diese fünf Titel repräsentierten damit gut ein Viertel des Fonds. Für einen aktiv gemanagten, fokussierten Fonds ist dies nicht außergewöhnlich, erhöht aber den Einfluss einzelner Unternehmensentwicklungen auf die Gesamtperformance.

Besonders kritisch sind aus Anlegersicht die Kosten. Die Gesamtkostenquote betrug 2,28 % pro Jahr, wobei Transaktionskosten noch nicht enthalten sind. Zusätzlich fielen Transaktionskosten von 4.744 Euro an. Die laufenden Aufwendungen überstiegen die laufenden Erträge deutlich: Erträgen von rund 54.549 Euro standen Aufwendungen von rund 90.308 Euro gegenüber, sodass bereits das ordentliche Nettoergebnis mit minus 35.760 Euro negativ war. Der Fonds ist somit stark darauf angewiesen, über Kursgewinne und erfolgreiche Titelselektion eine Rendite zu erzielen, die den vergleichsweise hohen laufenden Kostenblock dauerhaft überkompensiert.
Die Derivaterisiken waren zum Bilanzstichtag dagegen begrenzt: Das Derivate-Exposure lag bei 0 % des Fondsvermögens. Während des Jahres wurden jedoch selektiv Stillhaltergeschäfte beziehungsweise verkaufte Call-Optionen eingesetzt, um Zusatzerträge zu erzielen. Anleger sollten daher berücksichtigen, dass Derivate grundsätzlich Bestandteil der Strategie bleiben und bei ungünstiger Marktentwicklung zusätzliche Risiken verursachen können.
Positiv für die Beurteilung der Berichtsqualität ist das uneingeschränkte Prüfungsurteil von Deloitte. Der Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorgaben entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Fonds vermittelt.

Fazit aus Anlegersicht: Der Börsebius Bosses Follower Fund bietet eine klar differenzierte Strategie, die Insidertransaktionen, Übernahmesituationen und fundamentale Qualitätsmerkmale miteinander verbindet. Das Portfolio enthält zahlreiche etablierte und profitable Unternehmen und das Management verfolgt grundsätzlich einen langfristigen Anlagehorizont. Dem stehen jedoch eine negative Jahresperformance von 6,98 %, eine sehr starke Deutschlandlastigkeit, erhöhte Schwankungsrisiken durch Nebenwerte und eine mit 2,28 % hohe Kostenquote gegenüber.

Für risikobereite Anleger, die bewusst auf einen aktiv gemanagten deutschen Nebenwerte- und Sondersituationen-Ansatz setzen möchten, kann der Fonds interessant sein. Für kostenbewusste oder stärker international diversifiziert orientierte Anleger erscheint das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen weniger überzeugend. Entscheidend wird sein, ob die derzeit hohen nicht realisierten Verluste in den kommenden Jahren aufgeholt werden können und die spezielle Titelselektion langfristig einen ausreichenden Mehrertrag erzielt, um die hohe Kostenbelastung zu rechtfertigen. Der vorliegende Jahresbericht allein liefert hierfür noch keinen überzeugenden Nachweis.

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