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BaFin-Chef Branson warnt bei ELTIFs: „Aggressive Werbung ist fehl am Platz“

geralt (CC0), Pixabay

ELTIFs sollen Anlegern Investitionen in langfristige Projekte und Vermögenswerte ermöglichen, etwa in Infrastruktur. Gerade diese Ausrichtung bringt jedoch eine Besonderheit mit sich: Die zugrunde liegenden Anlagen sind häufig nicht kurzfristig handelbar.

Für Privatanleger kann das bedeuten, dass sie nicht ohne Weiteres an ihr investiertes Geld kommen.

Genau an diesem Punkt sieht Branson Handlungsbedarf.

Branson: Risikodarstellung muss sich ändern

„Es muss sich in der Zukunft bei Produkten für Retail-Anleger, die in illiquide Assets investieren, etwas ändern“, sagte der BaFin-Präsident dem Manager Magazin.

Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob die heute verwendeten Risikoindikatoren die tatsächlichen Besonderheiten solcher Produkte ausreichend widerspiegeln.

Branson bringt als mögliche Lösung einen zusätzlichen Malus für Illiquidität ins Spiel.

Die Idee dahinter: Ein Investment kann auf Basis klassischer Kennzahlen vergleichsweise moderat erscheinen, obwohl Anleger bei einem vorzeitigen Ausstieg erhebliche Einschränkungen hinnehmen müssen.

Das Liquiditätsrisiko soll deshalb bei der Risikodarstellung stärker sichtbar werden.

Das Problem: Anleger kommen nicht jederzeit an ihr Geld

ELTIF steht für European Long-Term Investment Fund. Diese langfristig ausgerichteten Fonds investieren häufig in Vermögenswerte, für die kein ständig liquider Markt existiert.

Dazu können beispielsweise Infrastrukturprojekte gehören.

Für Anleger ist das ein entscheidender Unterschied zu täglich handelbaren Wertpapieren: Das investierte Kapital lässt sich unter Umständen nicht kurzfristig wieder herausziehen.

Genau diese Eigenschaft muss nach Bransons Argumentation bei der Bewertung des Risikos stärker berücksichtigt werden.

BaFin schaut sich den Vertrieb genau an

Die Finanzaufsicht richtet ihren Blick deshalb nicht allein auf die Konstruktion der Produkte, sondern auch auf deren Verkauf.

Nach Bransons Darstellung beobachtet die BaFin, ob bestimmte Produktkategorien für Verbraucher angemessen sind und ob sie fair vertrieben werden.

Entdecke die Aufsicht bei Vermarktung, Werbung oder Platzierung von ELTIFs etwas Unangemessenes, suche sie das Gespräch mit dem jeweiligen Anbieter.

„Wenn wir in der Vermarktung, Werbung oder Platzierung der ELTIFs etwas sehen, das nicht angemessen ist, reden wir mit dem Anbieter“, erklärte Branson. Häufig habe bereits eine solche Intervention Wirkung.

Damit sendet der BaFin-Präsident insbesondere an Anbieter und Vertriebe ein Signal: Die Öffnung langfristiger Anlageformen für Privatanleger darf nicht mit einer Verharmlosung ihrer besonderen Risiken einhergehen.

Kein Schutz vor jeder schlechten Anlageentscheidung

Branson zieht gleichzeitig eine klare Grenze bei der Verantwortung des Staates.

Finanzaufsicht könne nicht bedeuten, Anleger vor jeder falschen oder verlustreichen Investitionsentscheidung zu bewahren.

„Aber wir müssen dafür sorgen, dass es am Markt keine gesetzeswidrigen Angebote und kein irreführendes Marketing gibt“, sagte der BaFin-Präsident.

Genauso wichtig sei es, Menschen in die Lage zu versetzen, eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen.

Damit setzt Branson weniger auf eine staatliche Bewertung, welche Geldanlage „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern auf verständliche Informationen und einen fairen Vertrieb.

Zwei Versprechen sollten Anleger misstrauisch machen

Branson verweist in diesem Zusammenhang auf zwei besonders verführerische Botschaften bei Geldanlagen: schneller Reichtum und absolute Sicherheit.

Beide Vorstellungen können Anleger dazu verleiten, Risiken zu unterschätzen.

Gerade bei langfristigen und illiquiden Investments kommt deshalb der Werbung eine besondere Verantwortung zu. Hohe Renditechancen hervorzuheben, ohne Einschränkungen bei Liquidität und Verfügbarkeit des Kapitals ebenso deutlich zu vermitteln, kann ein verzerrtes Bild eines Produkts erzeugen.

ELTIFs geraten damit stärker in den Fokus der Aufsicht

Bransons Aussagen bedeuten keine grundsätzliche Absage an ELTIFs. Auch stellt die BaFin in dem Beitrag nicht fest, dass diese Fonds generell ungeeignet für Privatanleger seien.

Die Kritik ist konkreter: Risiken müssen so dargestellt werden, dass Anleger auch die Folgen mangelnder Liquidität verstehen können.

Damit könnte künftig nicht nur entscheidend sein, wie stark der Wert eines Investments schwankt. Ebenso relevant wäre, wie leicht oder schwer Anleger ihre Position wieder auflösen können.

Für Anbieter bedeutet das: Je stärker langfristige und illiquide Investments an Privatanleger vermarktet werden, desto genauer dürfte die BaFin darauf achten, wie Risiken, Verfügbarkeit und Renditeaussichten dargestellt werden.

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