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eco-val deutschland gAG aus Waldkirch stellt nur wenige Monate nach Gründung Insolvenzantrag

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Die eco-val deutschland gAG aus Waldkirch ist in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft hat selbst die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen beantragt. Das Amtsgericht Freiburg im Breisgau reagierte darauf am 20. August 2026 um 15.40 Uhr mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen.

Das Verfahren wird beim Amtsgericht Freiburg im Breisgau unter dem Aktenzeichen 8 IN 708/26 geführt.

Sitz des Unternehmens ist die Gutenbergstraße 4, 79183 Waldkirch. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Freiburg unter HRB 735450 eingetragen. Als Vorstände nennt der Insolvenzbeschluss Dipl.-Wirtschaftsingenieur Peter Jürges und Kristof Theo Kraewinkels.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Harald Kroth aus Freiburg bestellt.

Bemerkenswert ist vor allem das geringe Alter des Unternehmens. Die Gesellschaft wurde erst Ende 2025 gegründet und am 20. April 2026 in das Handelsregister eingetragen. Nur vier Monate nach der Registereintragung befindet sich die gemeinnützige Aktiengesellschaft damit bereits im Insolvenzeröffnungsverfahren.

Landwirtschaftliche Leistungen sollen einen finanziellen Wert bekommen

Hinter eco-val steht ein ungewöhnliches Geschäftsmodell.

Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Frage, wie ökologische, soziale und regionalwirtschaftliche Leistungen insbesondere landwirtschaftlicher Betriebe messbar gemacht und anschließend wirtschaftlich bewertet werden können.

Im Mittelpunkt steht die Überlegung, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb gesellschaftliche Leistungen erbringen kann, die sich in einer normalen Gewinn und Verlustrechnung nicht oder nur unzureichend widerspiegeln.

Dazu können beispielsweise Maßnahmen zum Schutz von Boden und Wasser, zur Biodiversität, zum Klimaschutz, zu regionalen Wirtschaftskreisläufen oder zur sozialen Stabilität gehören.

eco-val will solche Leistungen systematisch erfassen, bewerten und sichtbar machen.

AgriMetrix bildet den Kern des Geschäftsmodells

Zentrales Instrument ist AgriMetrix.

Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung der früheren Regionalwert Leistungsrechnung. Die zugrunde liegende Methodik wurde über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren im Umfeld der Regionalwert Bewegung entwickelt.

Seit 2020 wurde das Verfahren zunehmend digitalisiert.

Mit AgriMetrix sollen ökologische, soziale und regionalökonomische Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe anhand von Daten erfasst und wirtschaftlich bewertet werden.

Die Idee dahinter ist, Leistungen eines landwirtschaftlichen Unternehmens nicht ausschließlich anhand klassischer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie Umsatz, Kosten und Gewinn zu beurteilen.

Zusätzlich soll sichtbar werden, welchen Beitrag der Betrieb beispielsweise für Umwelt, Gesellschaft und regionale Wirtschaftsstrukturen leistet.

Aus Nachhaltigkeit soll ein messbarer wirtschaftlicher Faktor werden

eco-val verfolgt dabei einen Ansatz, der über eine reine Nachhaltigkeitsbewertung hinausgeht.

Die ermittelten Leistungen sollen nach Möglichkeit auch einen monetären Wert erhalten.

Damit soll beispielsweise dargestellt werden können, welchen wirtschaftlichen Gegenwert bestimmte ökologische oder gesellschaftliche Leistungen eines landwirtschaftlichen Betriebes besitzen.

Langfristig könnten solche Daten für Förderprogramme, Finanzierungen, politische Entscheidungen oder regionale Entwicklungsstrategien eingesetzt werden.

Das Unternehmen wollte damit eine Brücke zwischen Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und Finanzwirtschaft schlagen.

Auch Widerstandsfähigkeit von Regionen soll gemessen werden

Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte territoriale Resilienz.

Dabei geht es um die Frage, wie widerstandsfähig landwirtschaftliche und regionale Strukturen gegenüber Krisen sind.

Krisen können beispielsweise durch Extremwetter, gestörte Lieferketten, Energieprobleme, wirtschaftliche Verwerfungen oder andere außergewöhnliche Ereignisse entstehen.

AgriMetrix sollte deshalb um spezielle Resilienzauswertungen erweitert werden.

Damit wollte eco-val nicht nur zeigen, wie nachhaltig ein einzelner landwirtschaftlicher Betrieb arbeitet, sondern auch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie stabil ganze regionale Versorgungssysteme aufgestellt sind.

Wissenschaftliche Forschung gehört ausdrücklich zum Unternehmenszweck

Die Gesellschaft ist nicht als gewöhnliches gewinnorientiertes Beratungsunternehmen organisiert.

eco-val ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft.

Der eingetragene Gesellschaftszweck umfasst ausdrücklich Wissenschaft und Forschung, Bildung, Natur und Umweltschutz einschließlich Klimaschutz, Entwicklungszusammenarbeit sowie Verbraucherberatung und Verbraucherschutz.

Die Gesellschaft darf wissenschaftliche Methoden und Instrumente entwickeln, mit denen ökologische, soziale und regionalökonomische Leistungen privater und öffentlicher Organisationen gemessen und bewertet werden.

Dazu gehören wissenschaftliche Studien, Analysen und Pilotprojekte.

Auch Kooperationen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und internationalen Organisationen sind ausdrücklich vorgesehen.

Bildungsarbeit und Schulungen gehören ebenfalls dazu

Das Tätigkeitsfeld geht über Forschung und Softwareentwicklung hinaus.

eco-val darf wissenschaftlich fundierte Bildungs, Informations und Schulungsmaterialien entwickeln und veröffentlichen.

Außerdem gehören Fortbildungs, Qualifizierungs und Bildungsangebote zum Unternehmenszweck.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen somit nicht nur innerhalb wissenschaftlicher Projekte verwendet, sondern auch unterschiedlichen Zielgruppen vermittelt werden.

Daneben kann die Gesellschaft gemeinwohlorientierte Organisationen und öffentlich rechtliche Einrichtungen bei der Anwendung wissenschaftlich entwickelter Methoden beraten.

Keine gewöhnliche Aktiengesellschaft

Ein entscheidender Unterschied zu einer normalen Aktiengesellschaft besteht in der Gemeinnützigkeit.

Nach der Satzung werden erzielte Gewinne ausschließlich für die gemeinnützigen Zwecke der Gesellschaft verwendet. Sie dürfen nicht als Gewinne an Aktionäre ausgeschüttet werden.

Das Grundkapital beträgt 50.000 Euro.

Die Gesellschaft kann allerdings Zweckbetriebe errichten und Methoden, Instrumente und Dienstleistungen zur Sichtbarmachung und Vergütung von Nachhaltigkeits und Gemeinwohlleistungen anbieten.

Damit sollte ein wirtschaftlich tragfähiges Modell entstehen, ohne den gemeinnützigen Charakter der Gesellschaft aufzugeben.

Eine Million Euro Kapitalzusagen bei der Gründung angekündigt

Besonders auffällig im Zusammenhang mit dem nun gestellten Insolvenzantrag ist die Finanzierung, mit der eco-val Ende 2025 gestartet war.

Bei der Vorstellung der Gesellschaft im Dezember 2025 wurde mitgeteilt, dass bereits Kapitalzusagen von insgesamt einer Million Euro vorlägen.

Die neue Organisation sollte damit die Weiterentwicklung und breitere Einführung von AgriMetrix in Deutschland finanzieren.

Nur wenige Monate später hat die Gesellschaft nun selbst Insolvenzantrag gestellt.

Warum es trotz der damals angekündigten Kapitalzusagen zu einer finanziellen Krise gekommen ist, lässt sich derzeit nicht feststellen. Insbesondere ist nicht bekannt, in welchem Umfang diese Zusagen tatsächlich eingezahlt beziehungsweise verfügbar wurden oder welche Finanzierungsbedarfe inzwischen entstanden waren.

Erster internationaler Schritt führte in die Schweiz

Ein wesentlicher Impuls für die Gründung der neuen Gesellschaft war nach damaligen Angaben die Vergabe einer ersten AgriMetrix Landeslizenz für die Schweiz.

Dieser Schritt sollte den Weg für eine eigenständigere und perspektivisch europäische Struktur öffnen.

eco-val sollte die Verantwortung für die Weiterentwicklung und Verankerung der Methodik in Deutschland übernehmen.

Damit war das Projekt von Anfang an nicht ausschließlich auf einzelne landwirtschaftliche Betriebe in Südbaden ausgerichtet. Ziel war eine wesentlich größere Skalierung.

Pilotregionen sollten aufgebaut werden

Zum Geschäftsmodell gehörte auch die Zusammenarbeit mit sogenannten Pilotregionen.

In solchen Regionen sollten Daten erhoben und ausgewertet werden, um sichtbar zu machen, wie nachhaltig und krisenfest landwirtschaftliche beziehungsweise regionale Strukturen tatsächlich sind.

Adressaten waren damit nicht nur Landwirte.

Auch Kommunen, öffentliche Verwaltungen, Hochschulen, Verbände, politische Entscheidungsträger und potenzielle Kapitalgeber sollten die gewonnenen Daten nutzen können.

Das Unternehmen bezeichnete AgriMetrix dabei nicht als abgeschlossenes Produkt, sondern als ein System, das fortlaufend wissenschaftlich und technisch weiterentwickelt werden sollte.

Erst im April 2026 ins Handelsregister eingetragen

Die zeitliche Entwicklung macht das Insolvenzverfahren besonders auffällig.

Die Satzung der eco-val deutschland gAG stammt ursprünglich vom 1. Dezember 2025. Weitere Änderungen erfolgten im Januar und April 2026.

Die eigentliche Neueintragung beim Amtsgericht Freiburg erfolgte schließlich am 20. April 2026.

Peter Jürges und Kristof Theo Kraewinkels wurden als Vorstände eingetragen.

Bereits vier Monate später, am 20. August 2026, musste das Amtsgericht Freiburg Sicherungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Eigenantrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens treffen.

Damit gehört eco-val zu den außergewöhnlichen Fällen, in denen zwischen Handelsregistereintragung und Insolvenzantrag nur ein sehr kurzer Zeitraum liegt.

Unternehmen stellte den Insolvenzantrag selbst

Der Antrag stammt ausdrücklich von der eco-val deutschland gAG selbst.

Es handelt sich somit nicht um einen Insolvenzantrag eines Lieferanten, Finanzamtes, Sozialversicherungsträgers oder sonstigen Gläubigers.

Welche konkrete wirtschaftliche Entwicklung den Vorstand zu diesem Schritt veranlasste, geht aus dem gerichtlichen Beschluss nicht hervor.

Auch zur Höhe der Verbindlichkeiten und zur Zahl der Gläubiger macht das Gericht keine Angaben.

Gericht verhängt weitreichende Sicherungsmaßnahmen

Das Amtsgericht Freiburg hat erhebliche Beschränkungen angeordnet.

Verfügungen der eco-val deutschland gAG über ihr Vermögen sind nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters Harald Kroth wirksam.

Bei Bankkonten und Außenständen hat die Gesellschaft ihre Verfügungsbefugnis vollständig verloren. Diese ging auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über.

Kroth darf Bankguthaben und Forderungen einziehen und eingehende Gelder entgegennehmen. Die Kreditinstitute der Gesellschaft müssen ihm Auskunft erteilen.

Auch Schuldner der eco-val deutschland gAG dürfen nicht mehr unmittelbar an das Unternehmen zahlen.

Zwangsvollstreckungen werden vorläufig gestoppt

Parallel dazu hat das Gericht Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen die Gesellschaft grundsätzlich untersagt beziehungsweise bereits begonnene Maßnahmen einstweilen eingestellt, soweit die gerichtliche Anordnung reicht.

Damit soll verhindert werden, dass einzelne Gläubiger während der Prüfung des Insolvenzantrags auf das Vermögen zugreifen.

Der vorhandene Bestand soll zunächst gesichert werden, damit geklärt werden kann, ob ein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.

Insolvenzverwalter muss Fortführungschancen untersuchen

Harald Kroth erhielt vom Gericht zugleich einen wichtigen Prüfauftrag.

Er soll als Sachverständiger feststellen, ob ein für die Gesellschaft maßgeblicher Insolvenzgrund vorliegt und ob genügend Vermögen vorhanden ist, um die Verfahrenskosten zu decken.

Ausdrücklich soll er außerdem untersuchen, welche Aussichten für eine Fortführung des Unternehmens bestehen.

Gerade dieser Punkt dürfte bei eco-val von besonderer Bedeutung sein.

Das wesentliche Potenzial der Gesellschaft dürfte weniger in klassischen Sachanlagen liegen als in der entwickelten Methodik, Software, wissenschaftlichem Know how, Nutzungsrechten, Datenstrukturen, Kooperationen und dem Netzwerk rund um AgriMetrix.

Ob und welchen wirtschaftlichen Wert diese Bestandteile besitzen und ob das Projekt unter einer sanierten Struktur weitergeführt werden kann, muss nun geprüft werden.

Insolvenz trifft ein ambitioniertes Nachhaltigkeitsprojekt

Mit eco-val befindet sich damit ein ungewöhnliches Unternehmen in einem sehr frühen Stadium in einer existenziellen wirtschaftlichen Krise.

Die Gesellschaft wollte wissenschaftliche Erkenntnisse, Digitalisierung und Landwirtschaft miteinander verbinden und eine zentrale Frage beantworten: Wie lässt sich der gesellschaftliche Wert nachhaltiger Landwirtschaft nicht nur beschreiben, sondern konkret messen und finanziell bewerten?

Die eco-val deutschland gAG mit Sitz in der Gutenbergstraße 4, 79183 Waldkirch, ist erst seit dem 20. April 2026 beim Amtsgericht Freiburg unter HRB 735450 eingetragen.

Nur vier Monate später hat sie selbst Insolvenzantrag gestellt.

Das Amtsgericht Freiburg im Breisgau hat deshalb am 20. August 2026 unter dem Aktenzeichen 8 IN 708/26 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Harald Kroth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Ob das noch junge Unternehmen und insbesondere die AgriMetrix Methodik trotz der finanziellen Krise fortgeführt werden können, gehört nun zu den zentralen Fragen des vorläufigen Insolvenzverfahrens.

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