Für Menschen mit einer schweren Insektengiftallergie kann ein einziger Wespen- oder Bienenstich innerhalb kurzer Zeit zum medizinischen Notfall werden. Umso problematischer ist die derzeitige Versorgungslage in Österreich: Adrenalin-Autoinjektoren wie der bekannte EpiPen sind aktuell nur schwer beziehungsweise teilweise gar nicht erhältlich. Der Engpass trifft Allergiker ausgerechnet in einer Zeit, in der besonders viele Wespen unterwegs sind.
Nach aktuellen Berichten ist der EpiPen in Österreich momentan nicht regulär lieferbar. Mit einer erneuten Verfügbarkeit wird demnach erst im September gerechnet. Apotheken versuchen teilweise, Alternativen beziehungsweise Ersatzpräparate zu beschaffen.
Wespen sorgen für besonders hohe Nachfrage
Die Situation wird durch die derzeit starke Wespenaktivität verschärft. In Kärnten berichten die Rettungsdienste bereits von außergewöhnlich vielen Einsätzen wegen allergischer Reaktionen. Nach Angaben des ORF verzeichnet das Rote Kreuz Rekordzahlen bei entsprechenden Einsätzen.
Auch aus Vorarlberg werden Probleme gemeldet. Dort bestätigte Apothekensprecher Christof van Dellen gegenüber dem ORF, dass der Lieferengpass bei Adrenalin-Pens spürbar sei und Patienten mit längeren Wartezeiten rechnen müssten. Engpässe gebe es zwar immer wieder, in diesem Jahr sei die Nachfrage jedoch besonders groß.
Warum der Adrenalin-Pen so wichtig ist
Eine Insektengiftallergie kann weit über eine Schwellung rund um die Einstichstelle hinausgehen. Bei einer schweren allergischen Reaktion kann es unter anderem zu Kreislaufproblemen und Atembeschwerden kommen. Das österreichische Sozialministerium weist darauf hin, dass entsprechende allergische Reaktionen insbesondere durch Stiche von Bienen und Wespen, aber auch von Hornissen und Hummeln ausgelöst werden können.
Für Menschen mit bekanntem Anaphylaxierisiko ist der Adrenalin-Autoinjektor deshalb ein entscheidender Bestandteil der Notfallversorgung. Er ermöglicht es Betroffenen beziehungsweise Helfern, im Ernstfall schnell zu reagieren, während medizinische Hilfe verständigt wird.
Engpass sollte Allergiker nicht zu Experimenten verleiten
Wer auf einen Adrenalin-Autoinjektor angewiesen ist und derzeit keinen Ersatz bekommt, sollte die weitere Versorgung mit Arzt und Apotheke abstimmen. Von eigenmächtigen Änderungen an verordneten Notfallmedikamenten ist abzuraten.
Ebenso wichtig ist es, vorhandene Pens nicht vorschnell zu ersetzen oder zu entsorgen, ohne Haltbarkeit und weitere Verwendungsmöglichkeiten mit medizinischem oder pharmazeutischem Fachpersonal abgeklärt zu haben.
Vorsicht bleibt derzeit der beste zusätzliche Schutz
Für Menschen mit bekannter Insektengiftallergie bekommt die Vorbeugung während des Lieferengpasses zusätzliche Bedeutung. Das Sozialministerium empfiehlt Maßnahmen, die das Risiko eines Stichs reduzieren. Gerade im Freien ist besondere Aufmerksamkeit sinnvoll.
Der aktuelle Engpass macht deutlich, wie empfindlich die Versorgung bei einem vergleichsweise kleinen, aber im Ernstfall lebenswichtigen Medikament sein kann. Dass ausgerechnet während einer besonders intensiven Wespenperiode Adrenalin-Pens knapp werden, ist für Betroffene mehr als ein gewöhnliches Lieferproblem: Im Ernstfall können wenige Minuten entscheidend sein.