Dark Mode Light Mode

Luxushotel trennt sich von seiner Einrichtung: Atlantic verkauft edle Möbel aus 101 Zimmern

geralt (CC0), Pixabay

Wer schon immer ein Stück Hamburger Hotelgeschichte besitzen wollte, bekommt jetzt eine ungewöhnliche Gelegenheit. Das traditionsreiche Hotel Atlantic an der Außenalster verkauft im Zuge einer umfassenden Modernisierung einen Teil seiner hochwertigen Zimmereinrichtung. Mehr als 1.000 Möbelstücke aus 101 Gästezimmern und Suiten kommen auf den Markt – vom Ohrensessel über Schreibtische bis hin zu Designerleuchten, Matratzen und Vorhängen. Verkauft werden die Möbel nicht im Hotel selbst, sondern über ein auf Hotelinventar spezialisiertes Berliner Unternehmen.

Die Aktion ist Teil der zweiten Bauphase einer umfassenden Renovierung des Grandhotels. Zwischen Juli und September werden weitere 101 Zimmer modernisiert und komplett neu eingerichtet. Bereits zu Jahresbeginn waren 113 Zimmer renoviert worden. Anstatt die bisherige Einrichtung zu entsorgen, setzt das Hotel auf Weiterverkauf und Nachhaltigkeit.

Luxusmöbel mit Geschichte

Zum Angebot gehören zahlreiche Originalstücke aus einem der bekanntesten Hotels Deutschlands. Verkauft werden unter anderem gepolsterte Ohrensessel, Sofas, Schreibtische, Garderoben, Spiegel, Tisch- und Stehleuchten, Verdunklungsvorhänge sowie Federkernmatratzen aus den Gästezimmern. Die Preise liegen je nach Zustand und Ausstattung zwischen rund 20 Euro und mehreren hundert Euro. Besonders begehrt sind die charakteristischen blau gemusterten Polstermöbel, von denen einige Modelle bereits kurz nach Verkaufsstart vergriffen waren.

Das Berliner Unternehmen Twins Company übernimmt den Verkauf. Es hat sich darauf spezialisiert, hochwertige Hotelmöbel nach Renovierungen weiterzuverkaufen. Interessenten können die Möbel online bestellen, größere Stücke werden aus einem Hamburger Lager abgeholt oder deutschlandweit versendet.

Nachhaltigkeit statt Container

Für das Hotel ist die Aktion mehr als nur ein Möbelverkauf. Die Verantwortlichen sprechen von einem Beitrag zur Nachhaltigkeit. Statt funktionstüchtige Einrichtungen zu entsorgen, sollen sie ein zweites Leben erhalten. Gerade hochwertige Hotelmöbel seien oft noch viele Jahre nutzbar, obwohl sie aus Design- oder Modernisierungsgründen ausgetauscht würden.

Dieser Ansatz gewinnt in der Hotellerie zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Hotels verkaufen ihre Einrichtung nach Umbauten an Privatpersonen oder gewerbliche Käufer. Dadurch lassen sich Ressourcen sparen und Abfälle vermeiden. Gleichzeitig profitieren Käufer von Möbeln, die ursprünglich für den intensiven Hotelbetrieb entwickelt wurden und entsprechend hochwertig verarbeitet sind.

Modernisierung eines Hamburger Wahrzeichens

Das Atlantic gehört zu den bekanntesten Hotels Deutschlands. Das 1909 eröffnete Grandhotel verfügt über insgesamt 221 Zimmer und Suiten und beherbergte im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Staatsgäste, Künstler und Prominente. Besonders eng verbunden ist das Haus mit Musiker Udo Lindenberg, der dort seit vielen Jahren lebt.

Mit der laufenden Modernisierung sollen sämtliche Zimmer ein zeitgemäßes Erscheinungsbild erhalten. Geplant ist eine Kombination aus klassischem Grandhotel-Stil und modernen Designelementen. Blau-, Beige- und Bronzetöne sowie neue Möbel und Marmorelemente sollen künftig das Erscheinungsbild prägen. Die Arbeiten erfolgen abschnittsweise, damit der Hotelbetrieb weiterlaufen kann.

Ein Stück Hotelgeschichte fürs Wohnzimmer

Für viele Käufer dürfte weniger der materielle Wert als vielmehr die Geschichte hinter den Möbeln den Reiz ausmachen. Schließlich stammen die Stücke aus einem Haus, das seit mehr als einem Jahrhundert internationale Gäste empfängt und als eines der Wahrzeichen Hamburgs gilt.

Ob Designerlampe, Schreibtisch oder Ohrensessel – mit dem Verkauf zieht ein Stück Grandhotel-Flair in private Wohnzimmer ein. Gleichzeitig zeigt die Aktion, dass Nachhaltigkeit und Denkmalschutz durchaus zusammenpassen können: Statt hochwertige Einrichtung zu entsorgen, bekommt sie eine zweite Chance – und vielleicht auch ein neues Zuhause.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

RLE Mobility Beteiligungsgesellschaft mbH: Eigenantrag auf Insolvenz mangels Masse abgewiesen

Next Post

SGE GmbH: Insolvenzantrag wegen fehlender Insolvenzmasse abgewiesen