Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher fallen auf professionell wirkende, aber betrügerische Werbevideos herein. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen häufen sich die Beratungsfälle rund um KI-generierte Werbung deutlich. Besonders problematisch: Die Inhalte wirken auf den ersten Blick authentisch, sind jedoch vollständig künstlich erzeugt.
Projektleiterin Gesa Schölgens warnte im Gespräch mit dem Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) vor überzogenen Versprechungen im Internet. Nutzerinnen und Nutzer sollten besonders misstrauisch sein, wenn Produkte angeblich „revolutionäre“ Wirkungen entfalten oder „wissenschaftlich garantiert“ schnelle Erfolge versprechen. „Es gibt keine Wundermittel“, so die klare Botschaft der Verbraucherschützer.
Moderne KI-Tools ermöglichen es inzwischen, täuschend echte Werbevideos zu produzieren – inklusive vermeintlicher Experten, Prominenter oder angeblicher Kunden. Die dargestellten Personen wirken real, ihre Stimmen klingen glaubwürdig. Tatsächlich handelt es sich jedoch häufig um sogenannte Deepfakes oder vollständig synthetisch erzeugte Charaktere.
Bei genauerem Hinsehen lassen sich oft Unstimmigkeiten erkennen. Bewegungen erscheinen leicht ruckartig, Lippenbewegungen passen nicht exakt zur gesprochenen Sprache oder die Betonung klingt ungewöhnlich gleichförmig und abgehackt. Auch eine starre Mimik oder unnatürliche Lichtverhältnisse können Hinweise auf KI-generierte Inhalte sein.
Die Betrugsmaschen folgen meist einem klaren Muster: Ein scheinbarer Arzt, Finanzexperte oder eine bekannte Persönlichkeit empfiehlt ein Produkt – etwa ein vermeintliches Wundermittel zum Abnehmen, eine angeblich risikofreie Geldanlage oder ein „geheimes“ Gesundheitsprodukt. Häufig wird zusätzlich Zeitdruck aufgebaut, etwa durch Hinweise auf eine „begrenzte Verfügbarkeit“ oder ein „exklusives Angebot“.
Gerade im Bereich Gesundheit und Finanzen können die Schäden erheblich sein. Betroffene berichten von hohen Geldverlusten, unwirksamen Produkten oder dem Missbrauch persönlicher Daten. Hinzu kommt, dass KI-Technologie die professionelle Täuschung deutlich erleichtert: Mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich hochwertige Videos, gefälschte Webseiten oder erfundene Erfahrungsberichte erstellen.
Die Verbraucherzentrale rät daher zu besonderer Vorsicht. Angebote sollten kritisch geprüft, Impressum und Anbieter recherchiert und Bewertungen außerhalb der beworbenen Plattform gesucht werden. Persönliche Daten sollten keinesfalls vorschnell preisgegeben werden. Bei Unsicherheit kann eine Beratung durch eine Verbraucherzentrale helfen.
Die zunehmenden Fälle zeigen, dass digitale Medienkompetenz immer wichtiger wird. Während künstliche Intelligenz viele Chancen bietet, wächst zugleich das Risiko des Missbrauchs. KI-generierte Werbung ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein ernstzunehmendes Verbraucherschutzthema.