Frage: Frau Bontschev, die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) warnt in einem neuen Videoformat vor den Risiken sogenannter Memecoins. Was sind Memecoins überhaupt – und warum sind sie so gefährlich?
Bontschev: Memecoins sind digitale Tokens, die meist aus Internetwitzen oder viralen Trends heraus entstehen. Der Begriff leitet sich von „Meme“ ab – also einem humorvollen Internetphänomen. Solche Coins wie „Dogecoin“ oder „PepeCoin“ beruhen oft nicht auf wirtschaftlich tragfähigen Projekten, sondern auf reiner Aufmerksamkeit und spekulativem Verhalten. Das Gefährliche daran: Sie suggerieren Anlegern, dass man schnell reich werden kann – ohne echtes Fundament. In vielen Fällen sind sie nicht einmal reguliert oder nachvollziehbar organisiert.
Frage: Die FMA spricht von einer hohen Betrugsanfälligkeit. Woran liegt das?
Bontschev: Weil Memecoins häufig anonym und dezentral aufgelegt werden, gibt es kaum rechtlich greifbare Strukturen oder haftbare Personen. Hinzu kommt, dass über Social Media Kanäle – insbesondere auf TikTok, Instagram oder X – massive Marketingkampagnen gefahren werden, die auf FOMO („Fear of Missing Out“) und Gruppendruck setzen. Wenn der Kurs dann abstürzt – was oft sehr plötzlich geschieht – bleibt der Schaden bei den Kleinanlegern. Die Ersten steigen mit Gewinn aus, alle anderen tragen das Risiko.
Frage: Was empfehlen Sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, in solche Coins zu investieren?
Bontschev: Ganz klar: Hände weg, wenn Sie das Geschäftsmodell nicht verstehen. Fragen Sie sich immer: Wer profitiert wirklich? Gibt es eine nachvollziehbare wirtschaftliche Substanz? Ist der Anbieter registriert, reguliert oder irgendwie überprüfbar? Wenn nicht, dann ist es oft nur ein weiterer Fall von digitaler Abzocke. Auch versprochene „Garantien“ oder extrem hohe Renditeversprechen sind ein Warnsignal – die gibt es in seriösen Märkten schlicht nicht.
Frage: Was können Betroffene tun, wenn sie bereits investiert haben und nun Verluste erleiden?
Bontschev: Dokumentieren Sie alle Transaktionen und Kommunikationsverläufe, auch Screenshots aus sozialen Netzwerken. Wenden Sie sich an eine auf Finanzmarkt- und Kryptowertrecht spezialisierte Kanzlei. Auch eine Meldung bei der zuständigen Finanzaufsichtsbehörde – in Deutschland also der BaFin, in Österreich die FMA – ist empfehlenswert. Wichtig ist, frühzeitig zu handeln und sich nicht von Scham oder Unsicherheit lähmen zu lassen. Denn oft sind es gerade junge Menschen, die solchen Projekten auf den Leim gehen – und diese verdienen besonderen Schutz.
Frage: Was halten Sie von der neuen FMA-Kurzvideoreihe „1 Minute – 1 Begriff“?
Bontschev: Ein sehr sinnvolles Format. Es holt gerade junge Menschen da ab, wo sie sind – auf Instagram, YouTube oder im Podcast. Die klare, verständliche Sprache und die fundierten Inhalte können helfen, ein grundlegendes Finanzverständnis aufzubauen. Das ist dringend notwendig, um sich im Dschungel aus Memecoins, NFT-Projekten und Social-Media-Tradern zurechtzufinden. Denn letztlich gilt: Wissen schützt – auch vor digitalen Finanzfallen.