Der frühere DDR-Fluchthelfer Hasso Herschel ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Das bestätigte der Vorsitzende des Vereins Berliner Unterwelten, Dietmar Arnold, unter Berufung auf die Familie. Herschel galt als einer der bekanntesten Fluchthelfer der deutschen Teilungsgeschichte und half zahlreichen Menschen bei der Flucht aus der DDR in den Westen.
Besonders bekannt wurde Herschel durch den Bau spektakulärer Fluchttunnel unter der Berliner Mauer. Gemeinsam mit anderen Helfern grub er Anfang der 1960er-Jahre mehrere Tunnel von West- nach Ost-Berlin. Insgesamt sollen drei Tunnelprojekte umgesetzt worden sein – eines davon wurde weltberühmt: der sogenannte Tunnel 29.
Über diesen Tunnel gelang im Jahr 1962 insgesamt 29 Menschen die Flucht aus der DDR nach West-Berlin. Der Tunnel führte von einem Gebäude im Westen unter den Grenzanlagen hindurch bis in den Ostteil der Stadt. Das Projekt gilt bis heute als eine der spektakulärsten Fluchtaktionen während der deutschen Teilung.
Die Fluchttunnel entstanden in einer Zeit, in der die DDR-Führung die Grenzen nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 massiv abriegelte. Tausende Menschen versuchten dennoch weiterhin, aus der DDR zu fliehen – oft unter Lebensgefahr. Fluchthelfer wie Herschel spielten dabei eine zentrale Rolle.
Die Tunnelbauer arbeiteten damals unter extrem riskanten Bedingungen. Entdeckungen durch DDR-Grenztruppen oder die Staatssicherheit hätten schwere Haftstrafen oder sogar tödliche Konsequenzen haben können. Dennoch gelang es einigen Gruppen immer wieder, Menschen über Tunnel, versteckte Fahrzeuge oder andere geheime Wege in den Westen zu bringen.
Der „Tunnel 29“ wurde später international bekannt, auch weil westliche Medien über das Projekt berichteten. Die spektakuläre Rettungsaktion wurde zu einem Symbol für den Wunsch vieler DDR-Bürger nach Freiheit und für den Widerstand gegen die Teilung Deutschlands.
Historiker sehen in den Fluchthelfern bis heute wichtige Akteure der deutsch-deutschen Geschichte. Gleichzeitig waren ihre Aktionen damals nicht unumstritten. Kritiker warfen einigen Helfern vor, Risiken für Flüchtlinge zu erhöhen oder finanzielle Interessen zu verfolgen. Dennoch gelten erfolgreiche Tunnelaktionen wie die von Hasso Herschel heute als bedeutende Kapitel der Berliner Mauer-Geschichte.
Der Verein Berliner Unterwelten erinnert seit Jahren an die Geschichte der Fluchttunnel und dokumentiert die unterirdischen Fluchtwege aus der Zeit der deutschen Teilung. Viele dieser Orte sind heute Teil historischer Führungen und Ausstellungen in Berlin.
Mit dem Tod von Hasso Herschel verliert Deutschland einen Zeitzeugen der deutschen Teilung und einen der letzten bekannten Tunnel-Fluchthelfer jener Zeit. Seine Geschichte bleibt eng mit den dramatischen Fluchtversuchen an der Berliner Mauer verbunden – und mit dem Schicksal jener Menschen, die unter hohem Risiko den Weg in die Freiheit suchten.