Die jüngsten US-Luftschläge auf iranische Nuklearanlagen könnten die wirtschaftliche Stabilität der Vereinigten Staaten gefährden – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wirtschaft ohnehin in einer fragilen Lage befindet. Ökonomen und Analysten warnen vor den möglichen Folgen für Ölpreise, Inflation und Finanzmärkte.
Besonders im Fokus steht die Sorge vor einem Anstieg der Energiepreise. Sollte der Iran als Reaktion auf die Angriffe den strategisch wichtigen Seeweg in der Straße von Hormus blockieren, könnte es zu einem massiven Lieferengpass kommen. Das iranische Parlament hat bereits eine entsprechende Maßnahme befürwortet, wobei die endgültige Entscheidung beim Nationalen Sicherheitsrat des Landes liegt. Energieexpertin Rachel Ziemba sprach von einem „Risiko mit geringer Wahrscheinlichkeit, aber hoher Wirkung“ – das jedoch bereits für hohe Volatilität an den Energiemärkten sorgen könnte.
Ein plötzlicher Anstieg der Ölpreise würde die Transport- und Benzinkosten für Verbraucher spürbar erhöhen – gerade zu Beginn der Sommerferien und während einer Hitzewelle, die große Teile der USA erfasst.
Der Zeitpunkt ist wirtschaftlich brisant: Die US-Wirtschaft zeigt laut jüngsten Daten deutliche Schwächetendenzen, etwa bei den wöchentlichen Arbeitslosenanträgen. Einige Unternehmen bereiten sich bereits auf einen möglichen Konjunkturabschwung vor.
Nigel Green, CEO der deVere Group, warnte: „Die Weltwirtschaft ist momentan nicht in der Lage, einen weiteren Energieschock zu verkraften.“ Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten ausweiten, drohe eine „heftige Neubewertung von Risiken“ an den globalen Märkten.
Die US-Notenbank Fed, die bislang in diesem Jahr ihren Leitzins unverändert ließ, steht durch diese Entwicklung vor einem dilemmatischen Szenario: Einerseits würde ein Ölpreisschock die Inflation anheizen – möglicherweise wieder Richtung 6 %, so Oxford Economics –, andererseits droht eine Abschwächung der Konjunktur. Fed-Chef Jerome Powell betonte, man beobachte die Lage im Nahen Osten sehr genau.
Allerdings relativierte Powell die Situation: Die USA seien heute weit weniger abhängig von Ölimporten als in den 1970er Jahren, als Energiekrisen die Inflation dauerhaft anheizten.