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Analyse des Jahresabschlusses 2023 der Windpark Hohenmölsen Profen GmbH

geralt (CC0), Pixabay

1. Vermögenslage: Abschreibungen lassen Bilanzsumme schrumpfen

Die Bilanzsumme hat sich innerhalb eines Jahres von 34,84 Mio. EUR auf 29,97 Mio. EUR reduziert – ein Rückgang von etwa 14 %. Hauptursache ist der Wertverlust im Anlagevermögen, das um 2,52 Mio. EUR gesunken ist. Dies ist höchstwahrscheinlich auf planmäßige Abschreibungen der Windkraftanlagen zurückzuführen, was für kapitalintensive Unternehmen normal ist.

Auch das Umlaufvermögen hat mit einem Rückgang von rund 34 % deutlich abgenommen. Besonders auffällig ist der gesunkene Kassenbestand: Von 5,78 Mio. EUR auf 3,77 Mio. EUR, also ein Verlust von 2 Mio. EUR an Liquidität. Dies könnte auf hohe Ausschüttungen oder auf Zahlungen für Verbindlichkeiten hindeuten – ein Punkt, den Anleger genau beobachten sollten.

2. Kapitalstruktur: Eigenkapital halbiert, massive Ausschüttungen

Das Eigenkapital hat sich fast halbiert – von 3,90 Mio. EUR auf nur noch 1,63 Mio. EUR. Der Grund? Eine Gewinnausschüttung von 3,25 Mio. EUR, wodurch der Gewinnvortrag deutlich gesunken ist. Das Unternehmen schüttet also konsequent hohe Beträge an seine Gesellschafter aus, anstatt diese für zukünftige Investitionen oder Schuldentilgung zu nutzen.

Die Eigenkapitalquote sinkt damit auf nur noch 5,4 %, was ein deutlicher Warnhinweis für Investoren ist. Ein niedriger Eigenkapitalanteil bedeutet weniger finanzielle Unabhängigkeit und höhere Anfälligkeit für Marktschwankungen.

3. Verbindlichkeiten: Hohe Schuldenlast – kaum Spielraum für Krisen

Das Unternehmen trägt eine erhebliche Schuldenlast. Die Gesamtverbindlichkeiten betragen 26,79 Mio. EUR, was knapp 90 % der Bilanzsumme ausmacht – ein kritischer Wert.

  • Davon sind 2,27 Mio. EUR kurzfristig fällig – das bedeutet, dass innerhalb eines Jahres erhebliche Mittel benötigt werden, um Verbindlichkeiten zu bedienen.
  • 9,11 Mio. EUR haben eine Laufzeit von 1 bis 5 Jahren.
  • 15,2 Mio. EUR sind langfristige Kredite, die den Großteil der Schulden ausmachen.

Besonders problematisch: Die Schulden werden weiterhin hoch gehalten, obwohl jährlich hohe Gewinne erzielt werden. Anstatt Schulden abzubauen, werden die Erträge großzügig ausgeschüttet.

4. Ertragslage: Gewinne trotz hoher Ausschüttungen – aber wie lange noch?

Das Unternehmen erwirtschaftete 2023 einen Jahresüberschuss von 980.567 EUR. Das klingt solide, aber der Vergleich mit der Ausschüttung von 3,25 Mio. EUR zeigt: Das Unternehmen gibt deutlich mehr Geld an Gesellschafter aus, als es tatsächlich verdient.

Diese Praxis kann kurzfristig attraktiv erscheinen, birgt aber langfristig Risiken, insbesondere bei steigenden Zinsen oder unerwarteten Kosten (z. B. Wartung oder regulatorische Änderungen).

5. Fazit aus Anlegersicht: Risiko steigt durch hohe Ausschüttungen und sinkende Eigenkapitalquote

Die Windpark Hohenmölsen Profen GmbH ist profitabel, aber die finanzielle Strategie ist riskant:

Positiv:

  • Das Unternehmen erwirtschaftet weiterhin Gewinne.
  • Die Umsätze sind stabil.
  • Der Windpark als Anlagewert bleibt bestehen.

⚠️ Kritische Punkte:

  • Hohe Ausschüttungen schwächen das Unternehmen langfristig.
  • Die Eigenkapitalquote ist mit 5,4 % extrem niedrig.
  • Die Schuldenlast bleibt hoch – trotz laufender Gewinne.
  • Liquidität schrumpft – das könnte langfristig problematisch werden.

📌 Empfehlung für Anleger:
Das Unternehmen arbeitet profitabel, doch die Strategie, maximale Ausschüttungen statt Schuldentilgung zu betreiben, könnte problematisch werden. Wer investiert, sollte die langfristige Tragfähigkeit dieses Modells kritisch hinterfragen. Sollte es zu finanziellen Engpässen kommen, könnte eine höhere Verschuldung oder eine Reduktion der Ausschüttungen nötig werden – was sich direkt auf Investoren auswirken könnte.

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