Der kommunale Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Mit einem Sanierungsprogramm und finanzieller Unterstützung des Landes Bremen soll eine drohende Insolvenz verhindert werden. Nach neueren Angaben könnten bis zu 600 Stellen betroffen sein. Zunächst war von rund 500 Arbeitsplätzen die Rede.
Ein Insolvenzverfahren ist bislang weder beantragt noch eröffnet worden. Nach Angaben von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard könnte dem Klinikverbund ohne kurzfristige Unterstützung jedoch bereits im November die Zahlungsunfähigkeit drohen. Der Bremer Senat hat deshalb einen Sanierungskredit von rund 293 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre angekündigt. Die zuständigen parlamentarischen Gremien müssen der Finanzierung noch zustimmen. Die Rückzahlung soll nach derzeitiger Planung ab 2032 beginnen.
Kliniken sollen neu ausgerichtet werden
Das Sanierungskonzept sieht eine stärkere Spezialisierung der einzelnen Standorte vor. Das Klinikum Bremen-Ost soll zu einem Schwerpunktzentrum für psychische Gesundheit weiterentwickelt werden. Körpermedizinische Abteilungen sollen geschlossen oder an die Standorte Bremen-Mitte und Bremen-Nord verlagert werden.
Das Klinikum Links der Weser soll sich künftig stärker auf ambulante Behandlungen konzentrieren. Nach Darstellung des Klinikverbunds sollen die medizinischen Leistungen grundsätzlich erhalten bleiben. Für einzelne Patientinnen und Patienten könnte sich jedoch der Behandlungsort verändern.
Die konkreten Auswirkungen auf Abteilungen, Beschäftigte und Versorgungsangebote sind noch nicht abschließend festgelegt. Auch betriebsbedingte Kündigungen können nach bisherigem Stand nicht ausgeschlossen werden.
Defizit könnte deutlich steigen
Hintergrund der Sanierungspläne ist die angespannte wirtschaftliche Lage des Klinikverbunds. Für 2026 wird ein Fehlbetrag von rund 20 Millionen Euro erwartet. Ohne Gegenmaßnahmen könnte das Defizit 2027 auf etwa 40 Millionen Euro anwachsen.
Als Gründe nennt Gesundheit Nord unter anderem gestiegene Personal-, Energie- und Sachkosten sowie die zunehmende Verlagerung medizinischer Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich. Gleichzeitig sollen Doppelstrukturen zwischen den Krankenhausstandorten abgebaut werden.
Gesundheit Nord betreibt vier Krankenhäuser mit insgesamt rund 2.800 Betten und mehr als 8.000 Beschäftigten. Jährlich werden nahezu 100.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt.
Stellenabbau noch nicht abschließend festgelegt
Die zunächst genannte Zahl von 500 wegfallenden Stellen stammt aus der ersten Darstellung des Sanierungskonzepts. Im Zusammenhang mit dem inzwischen vorgestellten Rettungspaket ist von bis zu 600 Stellen die Rede. Dabei handelt es sich derzeit um eine Planungsgröße und nicht um bereits ausgesprochene Kündigungen.
Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich entfallen, in welchen Bereichen Stellen abgebaut werden und ob der Personalabbau teilweise über Fluktuation oder freiwillige Vereinbarungen erfolgen kann, ist noch offen. Ebenso stehen die notwendigen politischen und haushaltsrechtlichen Entscheidungen über die Finanzierung aus.
Das Ziel des Sanierungsprogramms besteht darin, den kommunalen Klinikverbund wirtschaftlich zu stabilisieren und ein Insolvenzverfahren abzuwenden. Ob das Konzept dafür ausreicht, hängt von seiner konkreten Umsetzung, der Zustimmung der zuständigen Gremien und der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.