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ACATIS AI US Equities: Gute absolute Rendite, aber deutliche Benchmark-Lücke und hohe Mittelabflüsse

geralt (CC0), Pixabay

Der ACATIS AI US Equities verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Mindestens 51 % des Fondsvermögens werden in US-Aktien investiert, wobei künstliche Intelligenz zur fundamentalen Aktienauswahl eingesetzt wird. Ziel ist es, Unternehmen zu identifizieren, die sich fundamental besser entwickeln könnten als ihre jeweiligen Sektor-Peers. Im Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 lieferte dieser Ansatz zwar eine ordentliche positive Rendite, konnte den Vergleichsindex jedoch deutlich nicht schlagen.

Die Anteilklasse A erzielte 14,85 %, die Anteilklasse X (TF) 15,01 %. Der Vergleichsindex legte im gleichen Zeitraum jedoch um 26,92 % zu. Damit beträgt die Underperformance rund zwölf Prozentpunkte – aus Anlegersicht der wichtigste Schwachpunkt des Berichtsjahres. Gerade bei einem aktiv gesteuerten Fonds mit einem spezialisierten KI-Auswahlverfahren und vergleichsweise hohen Gebühren sollte langfristig ein Mehrwert gegenüber einer passiven Vergleichsanlage erkennbar sein. Dieser Nachweis gelang im betrachteten Geschäftsjahr nicht.

Dabei gab es durchaus spektakuläre Einzelerfolge. Micron Technology stieg um 216,7 %, Lam Research um 132,1 %, Hecla Mining um 124,8 %, Alphabet um 122,2 % und AMD um 118,0 %. Auf der anderen Seite standen deutliche Fehlgriffe beziehungsweise starke Kursverluste, darunter Intuit mit -44,5 %, Boston Scientific mit -40,1 %, Commvault Systems mit -37,1 %, Tyler Technologies mit -36,5 % und Bellring Brands mit -36,3 %. Die große Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern verdeutlicht, dass auch das KI-basierte Auswahlverfahren erhebliche Einzeltitelrisiken nicht vermeiden konnte.

Auffällig ist zudem die zunehmende Technologielastigkeit. Der Anteil des Informationstechnologiesektors stieg von 33,5 % auf 43,5 %. Dahinter folgten Kommunikationswerte mit 12,0 %, Nicht-Basiskonsumgüter mit 11,8 %, Gesundheit mit 9,8 % und Industriewerte mit 9,6 %. Finanz- und Immobilienwerte sind konzeptionell ausgeschlossen. Damit profitiert der Fonds stark von einer Fortsetzung des KI- und Technologietrends, ist aber zugleich gegenüber einer Korrektur dieses Marktsegments überdurchschnittlich empfindlich.

Besonders kritisch ist aus Anlegersicht die Entwicklung des Fondsvolumens. Dieses sank von rund 10,33 Mio. USD auf 8,14 Mio. USD, obwohl der Fonds im Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielte. Ursache waren hohe Nettomittelabflüsse von rund 3,25 Mio. USD: Neu angelegt wurden lediglich rund 184.000 USD, während Anleger Anteile im Wert von rund 3,43 Mio. USD zurückgaben. Das ist ein deutliches Warnsignal hinsichtlich der Anlegernachfrage. Ein Fondsvolumen von nur gut acht Millionen US-Dollar ist zudem relativ klein und kann langfristig die Wirtschaftlichkeit des Fonds belasten.

Auch die Kosten sind nicht niedrig. Die Gesamtkostenquote beträgt 1,70 % für die Anteilklasse A und 1,57 % für die Anteilklasse X, jeweils noch ohne Transaktionskosten. Hinzu kamen im Geschäftsjahr Transaktionskosten von 69.070 USD. Eine erfolgsabhängige Vergütung fiel dagegen nicht an. Besonders ungünstig ist für Privatanleger die Anteilklasse A mit einem derzeitigen Ausgabeaufschlag von 5 %; bei der Anteilklasse X beträgt dieser 0 %. Die Verwaltungsvergütung liegt bei 1,175 % beziehungsweise 1,035 % jährlich. Damit muss das aktive Management dauerhaft einen erheblichen Mehrertrag erwirtschaften, um seinen Kostennachteil gegenüber günstigen US-Aktien-ETFs zu rechtfertigen.

Positiv zu bewerten ist, dass der Fonds praktisch vollständig investiert ist: 98,49 % des Vermögens lagen zum Geschäftsjahresende in Aktien, weitere 0,85 % in einem Zertifikat zur CO₂-Neutralisierung und 1,09 % in Bankguthaben. Es besteht außerdem kein Derivate-Exposure. Die wesentlichen Gewinne des Geschäftsjahres kamen aus realisierten Gewinnen mit ausländischen Aktien. Damit ist die Investmentstruktur vergleichsweise transparent und unmittelbar nachvollziehbar.

Zu beachten ist allerdings die Änderung der Benchmark zum 1. Januar 2026. Der bisherige S&P 500 Net Total Return wurde durch den MSCI USA Equal Weighted Net Total Return USD Index ersetzt. ACATIS begründet dies damit, dass der neue gleichgewichtete Index den nahezu gleichgewichteten Anlageprozess des KI-Modells besser widerspiegelt. Methodisch ist diese Argumentation nachvollziehbar; für Anleger erschwert der Wechsel jedoch die langfristige Vergleichbarkeit der bisherigen relativen Performance.

Anlegerfazit

Der ACATIS AI US Equities hat ein interessantes und klar differenziertes Investmentkonzept und konnte im Geschäftsjahr eine attraktive absolute Rendite von rund 15 % erzielen. Die Stärke einzelner KI- und Halbleiterwerte zeigt zudem, dass das Modell erfolgreiche Aktien identifizieren kann. Für eine überzeugende Anlagebeurteilung reicht dies allerdings noch nicht aus.

Entscheidend ist die erhebliche Underperformance gegenüber dem Vergleichsindex, verbunden mit relativ hohen laufenden Kosten und beträchtlichen Mittelabflüssen. Die stark gestiegene Technologiegewichtung erhöht zusätzlich die Abhängigkeit vom KI- und Wachstumszyklus. Für Anleger ist deshalb insbesondere zu beobachten, ob das KI-Modell in den kommenden Jahren nachhaltig Mehrwert gegenüber seiner nun besser passenden Equal-Weight-Benchmark erzielen kann und ob sich die Mittelabflüsse stabilisieren.

Gesamturteil aus Anlegersicht: neutral bis vorsichtig. Die positive absolute Performance und das interessante Konzept sprechen für den Fonds, doch die klare Benchmark-Unterperformance, die hohen Kosten und das schrumpfende Fondsvolumen verhindern derzeit eine überzeugend positive Bewertung. Für einen Neueinstieg erscheint insbesondere die teurere Anteilklasse A mit 5 % Ausgabeaufschlag wenig attraktiv, solange der Fonds keinen nachhaltig nachweisbaren Mehrertrag gegenüber günstigeren Alternativen erzielt.

Positiv hinsichtlich der formalen Qualität des Berichts ist abschließend, dass der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein angemessenes Bild der tatsächlichen Verhältnisse des Fonds vermittelt.

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