Die Bilanzsumme der in Gladbeck ansässigen SL Windpark Kerken GmbH & Co. KG erhöhte sich 2024 von 2,37 Millionen Euro auf 7,52 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg um rund 5,15 Millionen Euro beziehungsweise rechnerisch etwa 217 Prozent.
Hauptgrund für die Veränderung auf der Aktivseite ist der massive Aufbau des Sachanlagevermögens.
Sachanlagen steigen von 33.518 auf 6,24 Millionen Euro
Zum Jahresende 2023 waren lediglich 33.517,50 Euro Sachanlagen ausgewiesen worden. Ein Jahr später waren es bereits 6.235.905 Euro.
Damit erhöhte sich diese Position um rund 6,20 Millionen Euro.
Der Anhang erläutert, dass Sachanlagen zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich planmäßiger Abschreibungen angesetzt und grundsätzlich linear abgeschrieben werden.
Welche konkreten Anlagen sich hinter den 6,24 Millionen Euro verbergen, lässt sich aus den vorliegenden Abschlussangaben allerdings nicht entnehmen. Insbesondere enthält der vorliegende Text keine detaillierte Aufschlüsselung nach einzelnen Windenergieanlagen oder anderen technischen Anlagen.
Der starke Anstieg zeigt daher einen erheblichen Aufbau des bilanzierten Sachanlagevermögens, erlaubt für sich genommen aber noch keine Aussage über Stromproduktion, technische Leistung oder Ertragskraft des Windparks.
Bankguthaben sinkt um rund 1,43 Millionen Euro
Während das Anlagevermögen kräftig zunahm, ging das Umlaufvermögen zurück.
Ende 2023 waren hier noch 2,34 Millionen Euro ausgewiesen. Zum 31. Dezember 2024 waren es rund 1,23 Millionen Euro.
Besonders deutlich ist die Veränderung bei den liquiden Mitteln.
Die Position „Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks“ sank von 2.077.017,71 Euro auf 643.427,72 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,43 Millionen Euro beziehungsweise 69 Prozent.
Gleichzeitig stiegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände von rund 260.409 Euro auf 586.962,76 Euro und damit um rund 326.554 Euro.
Davon entfielen lediglich 720 Euro auf Forderungen gegen Gesellschafter.
Hinzu kamen aktive Rechnungsabgrenzungsposten von 53.404,89 Euro. Nach den Angaben im Anhang handelt es sich dabei um im Voraus bezahlte Aufwendungen für nachfolgende Geschäftsjahre.
Eigenkapital steigt um mehr als 930.000 Euro
Auch auf der Passivseite gab es erhebliche Veränderungen.
Das ausgewiesene Eigenkapital stieg von 1.438.369,69 Euro auf 2.368.737,84 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von rund 930.368 Euro beziehungsweise 64,7 Prozent.
Das Eigenkapital besteht vollständig aus den ausgewiesenen Kapitalanteilen der Kommanditisten. Ein Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust wird sowohl für 2023 als auch für 2024 mit 0 Euro angegeben.
Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass die Gesellschaft 2024 weder Gewinn noch Verlust erwirtschaftet hat. Die vorliegenden Angaben enthalten keine Gewinn- und Verlustrechnung, aus der sich der Jahreserfolg und dessen Entstehung nachvollziehen ließen.
Auch die Ursache für die deutliche Erhöhung der Kapitalanteile lässt sich anhand der vorliegenden Angaben nicht abschließend bestimmen.
Die rechnerische Eigenkapitalquote liegt zum Jahresende 2024 bei rund 31,5 Prozent. Ende 2023 waren es auf Basis der ausgewiesenen Zahlen noch rund 60,7 Prozent.
Obwohl das Eigenkapital absolut gestiegen ist, hat sich sein Anteil an der erheblich größeren Bilanzsumme damit deutlich reduziert.
Verbindlichkeiten springen auf 4,58 Millionen Euro
Noch wesentlich stärker veränderte sich die Fremdfinanzierung.
Die Verbindlichkeiten erhöhten sich von lediglich 89.492,08 Euro auf 4.575.661,96 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 4,49 Millionen Euro.
Von den Ende 2024 ausgewiesenen Verbindlichkeiten entfallen laut Bilanz 3,7 Millionen Euro auf Restlaufzeiten von mehr als einem Jahr.
Die Bilanz weist außerdem 875.661,96 Euro mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr aus.
Gerade an dieser Stelle fällt jedoch eine Abweichung zum Anhang auf.
Bilanz und Anhang nennen unterschiedliche kurzfristige Verbindlichkeiten
Im Anhang heißt es, dass Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr in Höhe von 817.600 Euro bestehen.
In der Bilanz werden dagegen 875.661,96 Euro ausgewiesen.
Zwischen beiden Angaben liegt damit eine Differenz von rund 58.062 Euro.
Aus den vorliegenden Unterlagen geht nicht hervor, wodurch diese Abweichung verursacht wird. Sie sollte deshalb nicht eigenständig als bloßer Schreib- oder Übertragungsfehler eingeordnet werden.
Übereinstimmend werden dagegen 3,7 Millionen Euro Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr genannt.
Davon haben nach Angaben im Anhang 1,0553 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Rückstellungen gehen deutlich zurück
Die Rückstellungen reduzierten sich von 843.082,13 Euro auf 575.300,57 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 267.782 Euro beziehungsweise knapp 31,8 Prozent.
Welche konkreten Verpflichtungen sich hinter den Rückstellungen verbergen und weshalb sie zurückgingen, wird in den vorliegenden Angaben nicht aufgeschlüsselt.
Zusätzlich 6,59 Millionen Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten nennt der Anhang erhebliche sonstige finanzielle Verpflichtungen.
Diese resultieren nach Angaben der Gesellschaft aus langfristig abgeschlossenen Pachtverträgen, Verträgen über die kaufmännische Betriebsführung sowie EPK-Verträgen.
Bezogen auf deren Restlaufzeiten bis längstens 2045 wird eine Gesamtverpflichtung von 6,5906 Millionen Euro angegeben.
Dieser Betrag darf allerdings nicht einfach zu den bilanzierten Verbindlichkeiten von 4,58 Millionen Euro addiert und anschließend als „Gesamtschulden“ bezeichnet werden.
Es handelt sich um gesondert im Anhang ausgewiesene zukünftige finanzielle Verpflichtungen aus langfristigen Verträgen.
Bilanz zeigt deutlichen Strukturwandel
Die Zahlen des Geschäftsjahres 2024 dokumentieren insgesamt eine erhebliche Veränderung der Bilanzstruktur.
Auf der einen Seite stehen nun 6,24 Millionen Euro Sachanlagevermögen, nachdem ein Jahr zuvor lediglich rund 33.500 Euro ausgewiesen worden waren.
Auf der anderen Seite stiegen die bilanzierten Verbindlichkeiten um knapp 4,49 Millionen Euro. Gleichzeitig nahm das Eigenkapital um rund 930.000 Euro zu, während die liquiden Mittel um rund 1,43 Millionen Euro zurückgingen.
Diese Entwicklung spricht bilanziell für einen erheblichen Vermögensaufbau, der mit einer deutlichen Veränderung der Finanzierung einherging. Wie genau die Investitionen finanziert wurden und welche konkreten Anlagen angeschafft beziehungsweise hergestellt wurden, lässt sich aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht vollständig nachvollziehen.
Keine Angaben zu Umsatz und Jahresergebnis
Für eine wirtschaftliche Beurteilung des Windparkprojekts fehlen zudem wesentliche Informationen.
Aus den vorliegenden Unterlagen ergeben sich keine Angaben zu Umsatzerlösen, Stromproduktion, Verkaufspreisen oder einem konkreten Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag.
Auch die Tatsache, dass der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust mit null Euro angegeben wird, ersetzt diese Angaben nicht.
Deshalb lässt sich anhand der vorliegenden Bilanz insbesondere nicht beurteilen, welche Erträge das Projekt 2024 erwirtschaftete oder ob der laufende Betrieb profitabel war.
Die Gesellschaft beschäftigte im Geschäftsjahr neben der Geschäftsführung keine Mitarbeiter.