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UN-Nachfolge: Die zweite Runde könnte das Feld deutlich verändern

padrinan (CC0), Pixabay

Am heutigen 21. August 2026 kommt der Sicherheitsrat erneut zur geheimen Probeabstimmung zusammen. Nach den bislang verfügbaren Meldungen waren unmittelbar vor der Abstimmung noch keine belastbaren Ergebnisse der zweiten Runde veröffentlicht. Die Abstimmung war für 10 Uhr New Yorker Zeit, also 16 Uhr MESZ, vorgesehen.

Besonders interessant ist jetzt nicht nur, wer die meisten „Encourage“-Stimmen erhält, sondern wer zusätzliche Gegenstimmen sammelt. Denn diese können darauf hindeuten, dass eine Kandidatur später am Widerstand eines der fünf Vetomächte scheitert.

Grynspan muss ihren Vorsprung verteidigen

Rebeca Grynspan ging als Spitzenreiterin aus der ersten Runde hervor. Sie erhielt 10 von 15 „Encourage“-Stimmen, eine „Discourage“-Stimme und vier Enthaltungen bzw. „No opinion“. Dahinter folgte Guyanas UN-Botschafterin Carolyn Rodrigues-Birkett mit 9 positiven Stimmen, zwei Gegenstimmen und vier neutralen Stimmen. IAEA-Chef Rafael Grossi erhielt sieben positive Stimmen.

Damit ist Grynspan zwar Favoritin, aber keineswegs durch. Für die spätere Empfehlung durch den Sicherheitsrat braucht ein Kandidat mindestens neun Stimmen – und darf nicht am Veto eines ständigen Mitglieds scheitern.

Die vielleicht interessanteste Konkurrentin: Carolyn Rodrigues-Birkett

Rodrigues-Birkett könnte sich zu einer ernsthaften Alternative entwickeln. Sie lag bereits in Runde eins nur eine Stimme hinter Grynspan. Als frühere Außenministerin Guyanas und heutige UN-Botschafterin wird sie zudem geschlossen von den karibischen Staaten unterstützt.

Ihre Wahl wäre gleich in mehrfacher Hinsicht historisch: Sie wäre die erste Frau, die UN-Generalsekretärin wird, und zugleich die erste Person aus der Karibik an der Spitze der Organisation.

Neue Kandidatin verändert das Rennen

Seit der ersten Abstimmung ist außerdem Ivonne Baki hinzugekommen. Die ecuadorianische Diplomatin wurde von Tonga nominiert und erhöht das Feld auf acht Bewerber. Baki war in der ersten Runde noch nicht auf dem Stimmzettel.

Bemerkenswert ist eine Aussage Bakis, wonach sie Unterstützung aus den USA habe. Ob und wie stark Washington ihre Kandidatur tatsächlich unterstützt, dürfte deshalb besonders aufmerksam beobachtet werden. Baki stellt Konfliktprävention und eine grundlegende Erneuerung der Vereinten Nationen ins Zentrum ihrer Bewerbung.

Das könnte strategisch wichtig werden: Eine Kandidatin muss nicht unbedingt in den ersten Abstimmungen gewinnen. Entscheidend ist, ob sie schließlich für Washington, Peking, Moskau, Paris und London gleichzeitig akzeptabel ist.

Auch Grossi bleibt im Spiel

Rafael Grossi besitzt als Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation ein ungewöhnlich starkes internationales Profil. Allerdings lag er mit sieben positiven Stimmen in der ersten Runde deutlich hinter Grynspan und Rodrigues-Birkett.

Seine Position könnte sich dennoch verändern, wenn die beiden Spitzenkandidatinnen bei einzelnen Vetomächten auf Widerstand stoßen. Genau dafür dienen die wiederholten Probeabstimmungen: Sie zeigen nach und nach, welcher Kandidat nicht nur beliebt, sondern politisch durchsetzbar ist.

Noch ein Kandidat setzt auf grundlegende UN-Reformen

Der frühere ugandische UN-Untergeneralsekretär Olara Otunnu fordert eine tiefgreifende Reform der Organisation. Er argumentiert, die UN könne angesichts einer aufgeblähten und ineffizienten Bürokratie nicht einfach weitermachen wie bisher. Allerdings liegt sein eigentliches Problem weniger beim Programm als bei der Frage, ob sich der Sicherheitsrat nach mehreren europäischen Amtszeiten nun auf einen Kandidaten außerhalb der erwarteten lateinamerikanischen Regionalgruppe einigen würde.

Das eigentliche Drama beginnt erst mit den Vetomächten

Die ersten Probeabstimmungen unterscheiden zunächst nicht öffentlich zwischen den Stimmen der zehn gewählten Sicherheitsratsmitglieder und denen der fünf ständigen Mitglieder.

Das kann ein verzerrtes Bild erzeugen. Ein Kandidat könnte beispielsweise 11 oder 12 Unterstützer haben und trotzdem praktisch chancenlos sein, wenn unter seinen Gegnern China, Russland oder die USA sind.

2016 wurde dieses Problem besonders deutlich gelöst: In einer späteren Abstimmungsrunde verwendeten die fünf Vetomächte andersfarbige Stimmzettel. Dadurch ließ sich erkennen, ob eine „Discourage“-Stimme von einem permanenten Mitglied kam und damit ein mögliches Veto ankündigte. António Guterres setzte sich schließlich mit 13 positiven Stimmen und keiner Gegenstimme eines permanenten Mitglieds durch.

Genau auf diesen Punkt läuft auch das Rennen 2026 hinaus.

Der wichtigste Name ist deshalb momentan Grynspan – die wichtigste Zahl aber nicht unbedingt ihre Zahl positiver Stimmen. Entscheidend wird sein, ob irgendwo unter den fünf Vetomächten ein dauerhaftes „Nein“ gegen sie entsteht.

Die Ergebnisse der heutigen zweiten Runde dürften erst nach der geheimen Sitzung über Diplomaten an die Öffentlichkeit gelangen. Sobald sie vorliegen, lässt sich erstmals vergleichen, wer gegenüber Runde eins Stimmen gewinnt oder verliert – und das dürfte wesentlich aussagekräftiger sein als die bloße Rangliste.

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