Wenn die Tage kürzer werden und die große Sommerhitze nachlässt, verschwindet bei vielen Menschen auch der Sonnenschutz aus dem Alltag. Der Spaziergang, die Fahrradtour oder ein Nachmittag im Garten fühlen sich Ende August oder im September schließlich deutlich weniger belastend an als ein heißer Julitag. Doch genau diese Wahrnehmung kann täuschen: Wärme und UV-Strahlung sind zwei unterschiedliche Dinge.
Darauf weist auch der Dermatologe Stefan Emmert von der Universitätsmedizin Rostock hin. Nach seinen Angaben können insbesondere Menschen mit heller Haut bereits bei einem UV-Index von 3 bis 4 einen Sonnenbrand bekommen. Wiederholte oder starke UV-Schäden sind dabei nicht nur kurzfristig unangenehm. UV-Strahlung gilt als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Auch das Bundesgesundheitsportal weist darauf hin, dass UV-Strahlung bereits die Erbsubstanz von Haut- und Augenzellen schädigen kann, bevor sichtbare Folgen auftreten.
Nicht die Temperatur entscheidet, sondern der UV-Index
Das macht den Spätsommer tückisch. Ein Tag mit 22 Grad kann sich angenehm und harmlos anfühlen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie hoch die Belastung durch ultraviolette Strahlung tatsächlich ist.
Eine wesentlich bessere Orientierung bietet der UV-Index. Er beschreibt die Stärke der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung. Bereits ab UV-Index 3 empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz Schutzmaßnahmen. Dazu gehören Schatten, geeignete Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel.
Das bedeutet praktisch: Sonnenschutz sollte nicht nach Kalender oder Außentemperatur entschieden werden. Wer morgens auf die Wettervorhersage schaut, sollte gerade an sonnigen Tagen zusätzlich den UV-Index prüfen.
Die Schäden sammeln sich über Jahre
Das eigentliche Problem liegt weniger in einem einzelnen Nachmittag als in der langfristigen Belastung. UV-Strahlen können die Haut nachhaltig schädigen. Mit zunehmender UV-Belastung steigt das Risiko für Hautschäden und Hautkrebs.
Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Haut von Kindern. Sie reagiert empfindlicher auf UV-Strahlung. Gesundheitsbehörden weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Kinder besonders konsequent geschützt werden sollten.
Auch Erwachsene mit sehr heller Haut, Menschen, die viel im Freien arbeiten, sowie Personen, die sich regelmäßig über längere Zeit draußen aufhalten, sollten die Belastung nicht unterschätzen.
Mehr UV-Strahlung durch klimatische Veränderungen
Hinzu kommt eine längerfristige Entwicklung. Das Bundesamt für Strahlenschutz verweist auf Veränderungen der Bewölkung und eine zunehmende Zahl sonnenscheinreicher Jahre. BfS-Präsidentin Inge Paulini erklärte 2025, dass dadurch auch die UV-Belastung beeinflusst werde. Entscheidend sei deshalb nicht allein die Jahreszeit: Selbst an einem freundlichen Frühlingstag könne ein UV-Index von 3 erreicht werden, bei dem Schutz für Haut und Augen bereits sinnvoll ist.
Das verändert auch den Blick auf den klassischen „Sonnenschutz-Sommer“. Die Vorstellung, Sonnencreme sei vor allem etwas für Strandurlaub, Freibad und Hitzetage, greift zu kurz. UV-Schutz ist vielmehr eine Frage der tatsächlichen Strahlungsintensität.
Sonnencreme allein reicht nicht
Emmert empfiehlt, insbesondere intensive Mittagssonne zu meiden, schützende Kleidung zu tragen und unbedeckte Haut einzucremen. Das entspricht den Empfehlungen der zuständigen Bundesbehörden.
Dabei sollte Sonnencreme allerdings nicht als Freifahrtschein für stundenlange Sonnenbäder verstanden werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont, dass selbst Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Lichtschutzfaktor keinen vollständigen Schutz bieten. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt grundsätzlich mindestens LSF 30; bei besonders hoher Belastung und für empfindliche Personen kann LSF 50+ angebracht sein.
Der wirksamste Schutz besteht deshalb aus mehreren Bausteinen: intensive Sonne meiden, Schatten nutzen, möglichst viel Haut durch Kleidung schützen und Sonnencreme auf den Stellen verwenden, die unbedeckt bleiben.
Spätsommer bedeutet nicht das Ende der Sonnenschutz-Saison
Die wichtigste Botschaft ist damit überraschend einfach: Kühlere Luft bedeutet nicht automatisch ungefährliche Sonne.
Wer Ende August oder im September mehrere Stunden draußen verbringt, sollte sich nicht allein vom Thermometer leiten lassen. Ein Blick auf den UV-Index liefert eine wesentlich bessere Einschätzung. Ab einem Wert von 3 ist Sonnenschutz bereits angezeigt.
Der Spätsommer mag sich milder anfühlen – für die Haut kann die Sonne trotzdem intensiv genug sein, um Schäden zu verursachen. Sonnencreme und Sonnenhut gehören deshalb nicht automatisch mit den Badesachen in den Schrank.