Während Wärmepumpen, Solaranlagen und klimafreundliche Heizsysteme die Energiewende vorantreiben, stellen sich viele Menschen eine Frage: Hat der klassische Schornsteinfeger überhaupt noch eine Zukunft? Die Antwort der Branche ist eindeutig: Ja – und zwar mehr denn je.
Beim 142. Verbandstag des Schornsteinfegerhandwerks in Straubing kamen in dieser Woche rund 1.000 Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger aus ganz Deutschland zusammen, um über die Zukunft ihres Berufsstandes zu diskutieren. Die zentrale Botschaft: Das Handwerk befindet sich im Wandel, aber keineswegs auf dem Rückzug.
Vom Kaminkehrer zum Energieexperten
Noch immer verbinden viele Menschen den Schornsteinfeger mit schwarzer Arbeitskleidung, Ruß und dem Reinigen von Kaminen. Doch die Realität hat sich längst verändert. Die Energiewende sorgt dafür, dass traditionelle Tätigkeiten auf den Hausdächern zunehmend durch neue Aufgaben ersetzt werden.
„Es gibt so viele Facetten in diesem Beruf“, betont Holger Frischhut, Obermeister der Schornsteinfegerinnung Niederbayern. Neben dem klassischen Brandschutz spielen heute die Prüfung von Lüftungsanlagen, Energieberatungen und die Kontrolle moderner Heizsysteme eine immer größere Rolle.
Auch Wärmepumpen gehören inzwischen zum Aufgabenbereich vieler Schornsteinfeger. Damit entwickelt sich der Beruf zunehmend zu einem technischen Dienstleister rund um Energieeffizienz, Gebäudesicherheit und Klimaschutz.
Arbeiten in luftiger Höhe bleibt Teil des Berufs
Trotz aller Veränderungen gehört die Arbeit auf den Dächern weiterhin zum Alltag. Das erlebt auch die 26-jährige Schornsteinfegerin Christin Haaser regelmäßig. Gemeinsam mit ihrem Kollegen steigt sie auf ein Dach in der Straubinger Innenstadt, um einen Schornstein zu reinigen.
In schwindelerregender Höhe und bei leichtem Regen verrichtet sie routiniert ihre Arbeit. Angst vor Höhen kennt sie nicht. „Das kann man trainieren“, sagt sie mit einem Lächeln. Als Ausgleich genieße sie dafür den besonderen Ausblick über die Dächer der Stadt.
Überraschend gute Nachwuchszahlen
Während viele Handwerksberufe unter Nachwuchsmangel leiden, präsentiert sich die Situation bei den Schornsteinfegern überraschend positiv. Besonders in Bayern gibt es laut Branchenvertretern weiterhin großes Interesse an der Ausbildung.
Christin Haaser sieht deshalb keinen Grund zur Sorge. „In Bayern haben wir überhaupt kein Problem mit Nachwuchs“, sagt sie.
Diese Einschätzung wird durch die Zahlen bestätigt. In den vergangenen drei Jahren wurden im Freistaat durchschnittlich rund 400 Auszubildende pro Jahr im Schornsteinfegerhandwerk ausgebildet. Auch bundesweit spricht die Branche von einer erfreulichen Entwicklung.
Verbandspräsident Alexis Gula erklärt: „Wir haben seit zehn Jahren die besten Ausbildungszahlen im Schornsteinfegerhandwerk.“ Im Vergleich zu vielen anderen Gewerken stehe das Handwerk damit ausgesprochen stabil da.
Politik soll endlich Klarheit schaffen
Trotz der positiven Entwicklung gibt es einen Wunsch, der auf dem Verbandstag immer wieder geäußert wurde: mehr Planungssicherheit.
Vor allem die politischen Debatten rund um das sogenannte Heizungsgesetz haben bei Hausbesitzern und Handwerksbetrieben für Verunsicherung gesorgt. Viele Kunden seien unsicher, welche Technologien künftig gefördert werden und welche Anforderungen auf sie zukommen.
Die Schornsteinfeger sehen sich dabei häufig als Vermittler zwischen Politik und Bürgern. „Wir sind das Bindeglied zwischen der Politik und dem Kunden. Wir müssen Vertrauen schaffen“, sagt Verbandspräsident Gula.
Auch Holger Frischhut fordert mehr Verlässlichkeit bei gesetzlichen Vorgaben. Ständige Änderungen erschwerten nicht nur Investitionsentscheidungen der Verbraucher, sondern auch die langfristige Planung der Betriebe.
Wärmepumpen bedeuten nicht das Ende
Ein Vorurteil begegnet den Schornsteinfegern besonders häufig: Dass die Verbreitung von Wärmepumpen das Ende ihres Berufs einläuten könnte.
Für Holger Frischhut ist diese Vorstellung weit von der Realität entfernt. „Nie und nimmer. Um Gottes willen! Das ist sie definitiv nicht“, stellt er klar. Zwar werde sich das Berufsbild weiter verändern, doch der Bedarf an Fachleuten für Gebäudesicherheit, Energieberatung und technische Prüfungen werde auch in Zukunft bestehen.
Seine Prognose ist eindeutig: „In 50 oder 60 Jahren wird es den Kaminkehrer immer noch geben – vielleicht in einer anderen Form, aber es wird ihn geben.“
Tradition trifft Zukunft
Die Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks zeigt beispielhaft, wie traditionelle Berufe den Wandel durch die Energiewende aktiv gestalten können. Statt an alten Strukturen festzuhalten, erweitert die Branche ihr Tätigkeitsfeld kontinuierlich und passt sich den Anforderungen moderner Gebäude an.
Was einst vor allem mit Besen, Ruß und Kaminen verbunden wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem Hightech-Beruf rund um Energieeffizienz, Klimaschutz und Gebäudetechnik. Die schwarzen Zylinder mögen geblieben sein – die Aufgaben dahinter haben sich jedoch grundlegend verändert. Genau darin sehen viele Schornsteinfeger ihre größte Chance für die Zukunft.