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Millionen Senioren digital abgehängt: Verbände fordern mehr Unterstützung im Internet-Alltag

Icsilviu (CC0), Pixabay

Online-Banking erledigen, Reisen buchen oder Verträge vergleichen – für viele Menschen sind solche Aufgaben heute nur wenige Klicks entfernt. Doch für Millionen ältere Menschen in Deutschland bleibt der digitale Alltag eine große Herausforderung. Zum Weltverbrauchertag warnen Senioren- und Verbraucherverbände deshalb davor, dass ein Teil der älteren Generation zunehmend von der digitalen Entwicklung ausgeschlossen wird.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen sind derzeit rund vier Millionen Menschen über 60 Jahre in Deutschland überhaupt nicht online. Weitere Millionen verfügen zwar über ein Smartphone oder einen Internetanschluss, nutzen jedoch nur sehr eingeschränkte Funktionen – etwa das Versenden von Nachrichten oder Fotos über Messenger-Dienste.

Damit bleibt ein großer Teil der älteren Bevölkerung von vielen digitalen Dienstleistungen ausgeschlossen, die im Alltag immer wichtiger werden. Dazu zählen unter anderem Online-Banking, digitale Behördengänge, Terminbuchungen bei Ärzten oder das Abschließen von Verträgen über Vergleichsportale.

Großer Unterstützungsbedarf bei älteren Menschen

Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten ist der Bedarf an Unterstützung enorm. Astrid Mönnikes vom Projekt DigitalPakt Alter betont, dass viele ältere Menschen durchaus Interesse daran hätten, sich mit digitalen Technologien vertraut zu machen. Häufig fehlten jedoch niedrigschwellige Angebote, um diese Fähigkeiten zu erlernen.

Umfragen zeigen zudem, dass viele Seniorinnen und Senioren ihre eigenen digitalen Fähigkeiten nur als durchschnittlich einschätzen. Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom bewerten Menschen unter 70 Jahren ihre digitalen Kenntnisse im Schnitt mit der Schulnote 2,6. Bei Personen unter 80 Jahren sinkt diese Einschätzung bereits auf etwa 3,5. Mit zunehmendem Alter wächst also häufig die Unsicherheit im Umgang mit Smartphone, Computer und Internet.

Digitale Hilfe kommt meist aus Familie und Freundeskreis

Viele ältere Menschen lernen den Umgang mit digitalen Geräten bislang vor allem im privaten Umfeld. Freunde, Kinder oder Enkel erklären, wie Apps funktionieren oder wie man im Internet bestimmte Dinge erledigt. Strukturierte Unterstützungsangebote werden dagegen vergleichsweise selten genutzt.

So greifen laut Umfragen nur etwa fünf Prozent der älteren Menschen auf öffentliche Beratungsstellen, Schulungen oder Techniksprechstunden zurück. Dabei wünschen sich viele Seniorinnen und Senioren genau solche Angebote: kostenlose Kurse, Hilfetelefone, persönliche Beratung oder digitale Sprechstunden in Gemeinden und Stadtteilen.

Programme wie der DigitalPakt Alter versuchen bereits, solche Angebote zu fördern. In zahlreichen Städten und Gemeinden gibt es mittlerweile Lernorte, an denen ältere Menschen in kleinen Gruppen den Umgang mit Smartphones, Tablets oder Computern üben können.

Fortschritte seit der Corona-Pandemie

Trotz der bestehenden Probleme hat sich die Situation in den vergangenen Jahren teilweise verbessert. Während der Corona-Pandemie wurde die Digitalisierung in vielen Bereichen des Alltags beschleunigt – etwa bei Kommunikation, Einkaufen oder Behördengängen. Dadurch stieg auch bei vielen älteren Menschen die Bereitschaft, sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen.

Noch vor wenigen Jahren waren rund sieben Millionen Menschen über 60 in Deutschland komplett offline. Inzwischen ist diese Zahl deutlich gesunken. Gleichzeitig hat sich auch die Einstellung vieler Seniorinnen und Senioren verändert. Während früher ein großer Teil der älteren Bevölkerung die Digitalisierung eher kritisch betrachtete, sehen heute laut Bitkom-Studien etwa acht von zehn Menschen über 65 eher die Chancen der digitalen Entwicklung.

Motivation vorhanden – aber Hürden bleiben

Trotz wachsender Offenheit stehen viele ältere Menschen weiterhin vor großen Herausforderungen. Die Generation der heutigen 60- bis 90-Jährigen ist nicht mit Internet, Smartphones oder Apps aufgewachsen. Neue Technologien entwickeln sich zudem immer schneller, was für viele Nutzer überfordernd wirken kann.

Verbraucherschützer warnen deshalb, dass ein Teil der Bevölkerung zunehmend Schwierigkeiten bekommt, mit der digitalen Entwicklung Schritt zu halten. Jacqueline Jaworska vom Verbraucherservice Bayern betont, dass viele ältere Menschen zwar motiviert seien, aber oft nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen können.

Verbände fordern mehr politische Unterstützung

Seniorenorganisationen und Verbraucherverbände fordern deshalb mehr politische Unterstützung, um digitale Bildung im Alter zu stärken. Dazu gehören etwa flächendeckende Schulungsangebote, technische Beratung vor Ort, leicht verständliche Informationsmaterialien und langfristige Förderprogramme.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen den aktuellen Kurs der Digitalisierungspolitik. Zwar werde die digitale Transformation in Wirtschaft und Verwaltung stark vorangetrieben. Gleichzeitig fehlten jedoch ausreichende Maßnahmen, um ältere Menschen aktiv einzubeziehen.

Viele Expertinnen und Experten sind überzeugt: Digitale Kompetenzen können auch im höheren Alter Schritt für Schritt erlernt werden – vorausgesetzt, es gibt genügend Unterstützung. Denn nur wenn möglichst viele Menschen Zugang zu digitalen Technologien haben und diese sicher nutzen können, lässt sich verhindern, dass Millionen Bürger im digitalen Alltag zurückbleiben.

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