Interviewer: Herr Högel, das Angebot von FTMO scheint sehr attraktiv, insbesondere für unerfahrene Trader, da es die Möglichkeit bietet, auf einem Demokonto zu handeln und dabei bis zu 90 % der simulierten Gewinne zu verdienen. Wie beurteilen Sie dieses Angebot?
Maurice Högel: Auf den ersten Blick klingt das Angebot durchaus ansprechend, insbesondere da es die Möglichkeit bietet, ohne echtes Kapital zu handeln. Allerdings sollten potenzielle Teilnehmer bedenken, dass die Gewinne rein simuliert sind. Es handelt sich um einen Übungshandel, der keine echten finanziellen Auswirkungen hat. Dies kann zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen, insbesondere wenn Trader glauben, dass ihre Fähigkeiten auf den realen Märkten ebenso erfolgreich sein werden. Solche Angebote bergen das Risiko, dass unerfahrene Trader überschätzen, wie gut sie in der Realität abschneiden würden.
Interviewer: Es wird häufig betont, dass Trader „bis zu 90 % der simulierten Gewinne“ erhalten. Ist das nicht etwas irreführend, da die Gewinne ja nur fiktiv sind?
Maurice Högel: Diese Formulierung könnte tatsächlich irreführend sein, da sie den Eindruck erweckt, dass die Trader einen erheblichen finanziellen Vorteil haben. In Wirklichkeit basiert alles auf fiktivem Kapital. Selbst wenn die Gewinne „simuliert“ sind, könnten Trader leicht glauben, dass sie in der realen Welt ähnliche Ergebnisse erzielen könnten. Es ist wichtig, dass FTMO klar kommuniziert, dass es sich um ein Simulationsprogramm handelt, und dass die realen Marktrisiken erheblich höher sein können.
Interviewer: FTMO bietet einen „Evaluierungsprozess“ an, bei dem Trader ihre Fähigkeiten nachweisen müssen, um als FTMO-Trader zugelassen zu werden. Was halten Sie von dieser Struktur?
Maurice Högel: Der Evaluierungsprozess selbst ist eine interessante Methode, um Trader dazu zu bringen, diszipliniertes Handeln zu üben. Allerdings könnte dies den Druck auf die Trader erhöhen, bestimmte Ziele zu erreichen, was zu riskanterem Verhalten führen könnte. Auch hier muss klar sein, dass die Regeln und Bedingungen des Evaluierungsprozesses transparent und verständlich sind. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Erfolg in der Evaluierungsphase automatisch zu Erfolgen im realen Handel führt.
Interviewer: Das Premium-Programm von FTMO verspricht den besten Tradern eine Anstellung bei Quantlane. Was halten Sie von diesem Versprechen?
Maurice Högel: Die Aussicht, als professioneller Trader bei einer proprietären Handelsfirma wie Quantlane angestellt zu werden, könnte viele motivieren. Allerdings sollte man vorsichtig sein, solche Versprechungen als garantiert anzusehen. Es ist wichtig, dass FTMO klarstellt, dass dies nur eine Möglichkeit und keine Garantie ist. Die Anforderungen für eine Anstellung sind wahrscheinlich sehr hoch, und nicht jeder Trader wird diese Chance erhalten.
Interviewer: Wie bewerten Sie die rechtliche Situation, wenn es um das Angebot eines Demokontos geht, bei dem „fiktives Kapital“ verwendet wird, das aber dennoch Belohnungen verspricht?
Maurice Högel: Es ist entscheidend, dass die Grenze zwischen fiktiven und echten Gewinnen klar kommuniziert wird. Wenn es Belohnungen für simulierte Gewinne gibt, sollten die Teilnehmer verstehen, dass diese keinen realen Marktwert haben und die Belohnungen auf einer Übungsumgebung basieren. Rechtlich könnte es problematisch werden, wenn Teilnehmer glauben, sie könnten ohne Risiko in den realen Markt eintreten und ähnliche Ergebnisse erzielen. Transparenz ist hier der Schlüssel, um Missverständnisse zu vermeiden.
Interviewer: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Högel.
Maurice Högel: Es war mir ein Vergnügen.