1. Finanzielle Entwicklung und Eigenkapitalsituation
Das Eigenkapital der Gesellschaft ist von 2,50 Mio. € (2022) auf 1,88 Mio. € (2023) gesunken – ein Rückgang von rund 25 %. Dieser Kapitalverlust könnte auf anhaltende Verluste oder hohe Ausschüttungen an Kommanditisten zurückzuführen sein.
- Positiv ist, dass weiterhin ein positiver Eigenkapitalbestand vorhanden ist.
- Kritisch ist jedoch, dass der Kapitalrückgang das finanzielle Risikoprofil verschlechtern könnte, insbesondere in einem Kapitalintensiven Geschäftsfeld wie Windenergie.
Bewertung:
Ein sinkendes Eigenkapital deutet auf schwache Ertragskraft oder hohe Belastungen hin. Anleger sollten sich fragen, ob das Unternehmen langfristig in der Lage ist, Gewinne zu erwirtschaften oder Kapitalmaßnahmen erforderlich werden.
2. Rückgang des Anlagevermögens
Das Anlagevermögen hat sich um rund 10 % verringert (von 7,87 Mio. € auf 7,10 Mio. €), was auf planmäßige Abschreibungen auf die Windkraftanlagen hindeutet.
- Diese Wertminderung ist in der Branche üblich, da Windkraftanlagen einen begrenzten Nutzungszeitraum haben.
- Neue Investitionen sind notwendig, um den langfristigen Wert des Unternehmens zu erhalten.
Bewertung:
Das Unternehmen scheint keine größeren Investitionen getätigt zu haben, um den Wert der Anlagen zu erhalten oder neue Projekte zu starten. Langfristig könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.
3. Entwicklung der Liquidität und kurzfristigen Vermögenswerte
Die flüssigen Mittel (Bankguthaben) haben sich drastisch um 61,5 % reduziert (von 754.869 € auf 290.119 €).
- Dies könnte darauf hindeuten, dass operative Kosten oder Rückzahlungen von Verbindlichkeiten aus den liquiden Reserven finanziert wurden.
- Gleichzeitig sind die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände mit 522.900 € relativ stabil geblieben.
Bewertung:
Ein deutlicher Rückgang der Liquidität kann ein Frühwarnsignal für finanzielle Engpässe sein, insbesondere wenn unerwartete Kosten anfallen oder Kredite bedient werden müssen.
4. Verschuldung und Rückstellungen
Die Verbindlichkeiten der Gesellschaft sind von 6,58 Mio. € (2022) auf 5,98 Mio. € (2023) gesunken. Dies zeigt, dass Schulden getilgt wurden, insbesondere langfristige Bankverbindlichkeiten.
- Die langfristigen Bankverbindlichkeiten sind auf 5,41 Mio. € gesunken (Vorjahr: 5,97 Mio. €).
- Die kurzfristigen Schulden sind ebenfalls leicht zurückgegangen (von 613.800 € auf 566.500 €).
Bewertung:
Der Abbau von Schulden ist grundsätzlich positiv, jedoch bleibt die Gesamtverschuldung hoch. Die Fremdkapitalquote ist mit ca. 75 % der Bilanzsumme immer noch risikobehaftet.
5. Sonstige Verpflichtungen und Risiken
- Die Gesellschaft hat langfristige Miet- und Wartungsverträge in Höhe von 3,24 Mio. €, die über mehrere Jahre gestreckt sind.
- Die Rückstellungen für den Rückbau der Windkraftanlagen wurden angepasst, basierend auf einem leicht gestiegenen Rechnungszins von 1,79 %.
Bewertung:
Die langfristigen finanziellen Verpflichtungen sind erheblich. Anleger sollten prüfen, ob die zukünftigen Erträge aus dem Windpark ausreichen, um diese Verbindlichkeiten zu decken.
6. Fazit für Anleger
Positiv:
✔ Solider Schuldenabbau über das Jahr hinweg
✔ Eigenkapital trotz Rückgang weiterhin positiv
✔ Keine wesentlichen außerplanmäßigen Wertberichtigungen
Kritisch:
❌ Eigenkapitalverlust von 25 % in einem Jahr könnte auf eine geringe Rentabilität hinweisen
❌ Hohe Fremdfinanzierung von rund 75 % der Bilanzsumme
❌ Deutlich gesunkene Liquidität kann künftige Flexibilität einschränken
❌ Keine erkennbaren neuen Investitionen zur Erhaltung oder Erweiterung der Geschäftstätigkeit
Empfehlung für Anleger:
- Anleger sollten die weitere Entwicklung des Eigenkapitals und der Liquidität genau beobachten.
- Es sollte geprüft werden, ob und wann Ausschüttungen geplant sind oder ob das Unternehmen weiteres Kapital benötigt.
- Das langfristige Geschäftsmodell und die Planung für die Windkraftanlagen nach deren Abschreibungszeitraum sollten kritisch hinterfragt werden.
Fazit:
Die Windpark Havelland Projekt I GmbH & Co. KG zeigt eine solide, aber herausfordernde Finanzlage. Während der Schuldenabbau positiv ist, gibt der Eigenkapitalrückgang und der Liquiditätsverlust Anlass zur Vorsicht. Anleger sollten sorgfältig abwägen, ob das Unternehmen nachhaltig profitabel arbeiten kann oder in Zukunft Kapitalmaßnahmen erforderlich werden.