Nach Jahrzehnten intensiver Forschung zu den sicherheitspolitischen Auswirkungen des Klimawandels wendet sich das US-Verteidigungsministerium unter der Trump-Regierung plötzlich von diesem Thema ab. Der neue Verteidigungsminister Pete Hegseth macht klar: Klimaschutz gehört nicht mehr zur Mission des Militärs.
Ein radikaler Kurswechsel
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Offizielle Linie: „Das Verteidigungsministerium macht keinen Klimawandel-Kram. Wir machen Ausbildung und Kriegsführung“, erklärte Hegseth auf der Plattform X (ehemals Twitter).
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Erste Maßnahme: Streichung von 91 Forschungsprojekten, darunter Studien zu Klimaauswirkungen und globaler Migration – ein „Sparpaket“ im Wert von 30 Mio. Dollar bei einem Jahresbudget von 850 Mrd. Dollar.
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Verteidigungssprecher sprechen von einem Ende der „woken Klimaprogramme“.
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Laut Beobachtern folgt diese Politik dem konservativen Strategiepapier „Project 2025“, das die Rückbesinnung auf „militärische Kernaufgaben“ fordert.
Jahrzehnte der Forschung ignoriert
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Seit den 1980er-Jahren haben Pentagon, Geheimdienste und Sicherheitsbehörden Berichte zu den Risiken des Klimawandels verfasst.
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Frühere Verteidigungsminister wie Jim Mattis warnten ausdrücklich vor klimabedingten Konflikten in Einsatzgebieten wie dem Nahen Osten.
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Unter George H.W. Bush hieß es bereits 1991, dass Klimawandel grenzüberschreitende politische Spannungen verschärft.
Warum Klimawandel für das Militär relevant ist:
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Truppenlogistik bei extremer Hitze oder Kälte
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Schmelzende Start- und Landebahnen
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Überflutete Stützpunkte, z. B. in Norfolk oder Annapolis (USA)
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Veränderte Ozeanchemie, die U-Boot-Sonar beeinflusst
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Militärische Präsenz in der Arktis, wo Russland bereits stärker vertreten ist
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Reaktion auf Naturkatastrophen im Pazifik, wo China bei US-Rückzug Einfluss gewinnen könnte
Kritische Stimmen aus Forschung und Sicherheit
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Robert Young, Geologe: „Die DoD war bislang sehr fortschrittlich in Sachen Klima. Wer Anpassung an Umweltveränderungen verhindert, gefährdet die nationale Sicherheit.“
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Sherri Goodman, Ex-Verteidigungsbeamtin: „Wenn wir Klimarisiken ignorieren, zahlen wir am Ende einen hohen Preis – und China profitiert davon.“
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Tom Ellison, Klimaexperte: „Klimawandel betrifft jedes Detail militärischer Planung.“
Gefahr für Truppen und Infrastruktur
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Das Pentagon besitzt weltweit Immobilien im Wert von 1,2 Billionen Dollar.
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Studien zeigen: Schon ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter gefährdet über 128 Militärstützpunkte.
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Beispiel Tyndall Air Force Base (Florida): 2018 durch Hurrikan zerstört, wurde sie mit klimaresistenter Infrastruktur neu aufgebaut – ein Paradebeispiel für klimagerechtes Militärdesign.
Fazit
Der Bruch mit der bisherigen Klimapolitik des US-Militärs sorgt für breite Kritik – nicht nur von Umweltorganisationen, sondern auch von Sicherheits- und Verteidigungsexperten aus konservativen wie progressiven Lagern. Die Sorge ist groß, dass der neue Kurs Truppen gefährdet, Milliarden-Investitionen untergräbt und geopolitische Räume an andere Mächte verliert.
Oder wie es ein Experte ausdrückte:
„Ob man es nun Klimawandel nennt oder nicht – das Pentagon muss auf Fluten, Hitze, Erosion reagieren. Alles andere ist fahrlässig.“