Ein KI-generiertes Bild von OpenAI-Chef Sam Altman im indischen Cricket-Trikot sorgt derzeit für Gesprächsstoff in den sozialen Medien. Altman hatte auf X (ehemals Twitter) ein Anime-Bild geteilt, das ihn als Cricketspieler zeigt – in einem leuchtend blauen Trikot der indischen Nationalmannschaft. Das Motiv war ursprünglich eine Antwort auf den Prompt „Sam Altman als Cricketspieler im Anime-Stil“ an ChatGPT.
In einem Land, in dem Cricket nahezu Religion ist, ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Viele indische Nutzer zeigten sich amüsiert oder erfreut – andere äußerten Skepsis. „Altman versucht offensichtlich, indische Kunden zu gewinnen“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer fragte: „Wie viel von den 40 Milliarden Dollar gehen denn jetzt nach Indien?“
Kritik und Kalkül?
Tatsächlich kommt das Bild nicht aus dem Nichts: Nur Stunden zuvor hatte Altman auf X Indiens rasante Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz gelobt – das Land überhole den Rest der Welt in Sachen KI-Nutzung, schrieb er. Auch das wurde von der indischen Tech-Community gefeiert, löste aber ebenfalls Spekulationen über Altmans Absichten aus.
Hintergrund ist Altmans Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung. Noch 2023 hatte er während eines Indien-Besuchs die Fähigkeit kleiner indischer Start-ups, mit OpenAI zu konkurrieren, als „hoffnungslos“ abgetan. 2025 klingt er ganz anders: Bei einem Treffen mit dem Minister für Informationstechnologie, Ashwini Vaishnaw, sprach Altman über Kooperationen zur Entwicklung kostengünstiger KI-Modelle und lobte Indiens Fortschritte.
Marktstrategisch motiviert?
Indien ist mittlerweile OpenAIs zweitgrößter Markt, mit einer Verdreifachung der Nutzerzahl im vergangenen Jahr. Kein Wunder also, dass Altman das Land verstärkt adressiert – trotz laufender juristischer Auseinandersetzungen mit großen indischen Medienhäusern, die OpenAI vorwerfen, ihre Inhalte ohne Genehmigung verwendet zu haben.
Laut Experten wie Nikhil Pahwa von MediaNama.com gehe es dabei weniger um kulturelle Wertschätzung als vielmehr um Marktanteile. Der indische KI-Markt soll laut US-Handelsministerium bis 2025 auf rund 8 Milliarden US-Dollar wachsen – mit einer jährlichen Wachstumsrate von über 40 %.
Auch andere KI-Unternehmer umwerben derzeit aktiv Indien. So erklärte kürzlich Aravind Srinivas, Gründer der KI-Suchmaschine Perplexity, er wolle eine Million US-Dollar und fünf Stunden pro Woche investieren, um „Indien wieder groß zu machen – im Kontext von KI“.
Fazit: Altman im Cricket-Trikot mag wie ein amüsanter Social-Media-Gag wirken, doch dahinter steckt offenbar eine klare Strategie: Indien als wachsenden KI-Markt emotional ansprechen, um wirtschaftlich zu profitieren. Oder wie ein Analyst es ausdrückte: „Es ist keine Liebe – es ist nur Geschäft.“