Redaktion: Herr Iwanow, im Netz häufen sich Angebote von Plattformen, die mit Slogans wie „Bitcoin macht Menschen reich“ werben und automatisiertes Trading mit KI versprechen – oft verbunden mit garantierten Erträgen ab 250 € Startkapital. Was sagen Sie dazu?
RA Michael Iwanow: Ich kann nur jedem raten: Finger weg – zumindest solange man nicht ganz genau weiß, worauf man sich einlässt. Diese Versprechen sind zu schön, um wahr zu sein. Das typische Muster: „Kleines Geld einzahlen, KI übernimmt den Rest, und am Ende ist man fast Millionär.“ Das ist kein Investment – das ist Hoffnung auf ein Wunder, oft gepaart mit intransparenten Risiken.
Redaktion: Die Anbieter werben mit Prominenten, angeblicher Berichterstattung auf CNN, CBS oder Fox News und Kundenzufriedenheit von 97 %. Kann man diesen Angaben trauen?
Iwanow: In vielen Fällen nicht. Häufig handelt es sich um Fake-Logos, frei erfundene Nutzerbewertungen und manipulierte Screenshots. Wenn dann noch Promis oder Medien zitiert werden, ohne dass es überprüfbare Belege dafür gibt, ist höchste Vorsicht geboten. Seriöse Plattformen bewerben sich nicht mit angeblichen Wundern, sondern mit Transparenz.
Redaktion: Wie ist das rechtlich zu bewerten?
Iwanow: Oft bewegen sich diese Anbieter in einer Grauzone oder außerhalb der EU-Vorgaben. Viele sitzen auf Zypern oder in Drittländern, haben kaum überprüfbare Ansprechpartner und sind schwer greifbar, wenn es Probleme gibt. Die in den Texten enthaltenen Risikohinweise wirken zwar professionell, aber sie sind oft reine Alibi-Hinweise zur Abwälzung der Verantwortung auf den Anleger.
Redaktion: Ein Lockmittel scheint die niedrige Einstiegshürde: Nur 250 €, angeblich kein Risiko, schnelle Gewinne.
Iwanow: Das ist die größte Gefahr: Gerade Kleinanleger lassen sich von dieser niedrigen Einstiegsschwelle täuschen. 250 € wirken überschaubar – und genau deshalb wird nicht hinterfragt. Aber oft folgt nach der ersten Einzahlung ein Anruf eines angeblichen „Experten“, der zum Nachschießen von Kapital rät. Und so geht es weiter, bis am Ende ein fünfstelliger Verlust steht – ohne echte Kontrolle oder Möglichkeit zur Rückforderung.
Redaktion: Es gibt auch einen Demo-Modus, Webinare, Schulungsinhalte – klingt doch eigentlich verantwortungsvoll?
Iwanow: Das ist reines Marketing. Diese Demo-Modi sind oft rein simuliert und zeigen fast immer Gewinne, um Vertrauen aufzubauen. Die Realität sieht völlig anders aus. Und Webinare oder PDFs können niemals die notwendige Anlageerfahrung ersetzen – vor allem, wenn es um hochvolatile Märkte wie Kryptowährungen geht.
Redaktion: Ist so ein System aus Ihrer Sicht für Kleinanleger geeignet?
Iwanow: Klare Antwort: Nein. Weder vom Risiko noch von der rechtlichen Absicherung her. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte lieber auf regulierte Investmentfonds, ETFs oder Direktinvestitionen setzen – keine Blackbox-KI mit vollautomatischen Entscheidungen und Marketingversprechen, die an ein Schneeballsystem erinnern.
Redaktion: Ihr abschließender Rat?
Iwanow: Wenn Ihnen jemand verspricht, dass Sie in einem Monat aus 250 € über 1.000 € machen, dann sollten nicht die Augen, sondern die Alarmglocken angehen. Prüfen Sie die Anbieter sorgfältig, lesen Sie Bewertungen aus verlässlichen Quellen, und vor allem: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. In der Geldanlage ist Geduld oft das bessere Werkzeug als ein angeblich intelligenter Roboter.
Redaktion: Vielen Dank, Herr Iwanow.
Iwanow: Gern. Und denken Sie daran: Seriöse Investitionen versprechen keine Wunder – sie verlangen Wissen, Strategie und realistische Erwartungen.