Becca Schmill war eine begeisterte Leserin, die als Kind nächtelang mit der Taschenlampe „Harry Potter“ unter der Bettdecke las. Doch mit dem Einzug des Smartphones änderte sich ihr Alltag grundlegend. Ihre Mutter, Deb Schmill, erinnert sich daran, wie Becca zunehmend in der digitalen Welt verschwand – ob bei Familienfesten oder im Freundeskreis.
Am 16. September 2020 starb die damals 18-Jährige an einer Drogenvergiftung, nachdem sie über Facebook mit Fentanyl versetztes Kokain von einem Dealer gekauft hatte. Nun setzt sich ihre Mutter für Aufklärung ein – über die Rolle sozialer Medien bei der Verfügbarkeit von Drogen und die damit verbundenen Gefahren für Jugendliche.
Von Online-Kontakten zu Suchtverhalten: Eine schleichende Spirale
Im Alter von 15 Jahren nahm Becca mit Freunden an einem Online-Gruppenchat mit älteren Schülern teil. Aus einem dieser Kontakte entwickelte sich ein Treffen, bei dem Becca Opfer sexueller Gewalt wurde. Der Vorfall markierte den Beginn eines psychischen und emotionalen Abwärtstrends. Kurz darauf wurde sie auf Snapchat Opfer von Cybermobbing.
Becca begann, Drogen zu konsumieren – zunächst Marihuana und verschreibungspflichtige Medikamente wie Xanax. Später kamen härtere Substanzen wie Oxycodon, Percocet und Kokain hinzu. Der Zugang dazu war leicht: Über Plattformen wie Snapchat oder Facebook konnte sie mit wenigen Klicks Dealer finden, oft durch Emojis oder codierte Begriffe verschleiert.
Behandlung reichte nicht aus
Die Familie reagierte: Becca besuchte zwei ambulante Therapieprogramme und wurde später in drei verschiedene stationäre Einrichtungen aufgenommen. Doch die Maßnahmen zeigten nur kurzfristig Wirkung. Ihre Mutter beschreibt, wie Becca stets versuchte, das Erlebte zu verdrängen: „Sie war oft humorvoll, aber sobald es persönlich wurde, zog sie sich zurück.“
Obwohl Becca gute schulische Leistungen erzielte und sich für ein Psychologiestudium interessierte, blieb ihr innerer Konflikt bestehen. Erst im Januar 2020 wurde das Ausmaß ihres Drogenkonsums deutlich, als sie in der Schultoilette beim Konsum von Kokain erwischt wurde.
Soziale Medien als Umschlagplatz für Drogen
Laut der US-Drogenbehörde DEA werden illegale Substanzen zunehmend über soziale Netzwerke gehandelt. Allein im Jahr 2021 wurden über 80 Fälle von Drogentransaktionen über Internetplattformen untersucht. Posts sind oft nur 24 Stunden sichtbar und nutzen Emojis zur Tarnung.
Die Meta-Gruppe, Betreiberin von Facebook und Instagram, verbietet offiziell jeglichen Drogenhandel. 2023 verschärfte sie ihre Richtlinien im Umgang mit Fentanyl, Kokain und Heroin. Seit 2024 gelten automatisch aktivierte Sicherheitsfunktionen für Nutzer unter 18 Jahren.
Die Realität sieht jedoch anders aus: „Es war erschreckend einfach, an Drogen zu kommen“, sagt Deb Schmill. „Man schreibt jemandem, bekommt eine Antwort, trifft sich – und hat, was man will.“
Fentanyl als tödliche Gefahr
Fentanyl, ein hochwirksames synthetisches Opioid, ist mittlerweile in 84 % der tödlichen Überdosierungen unter Jugendlichen enthalten, so die US-Seuchenschutzbehörde CDC. In einem Viertel dieser Fälle wurden gefälschte Medikamente gefunden, die das Gift enthielten.
Schmill betont: „Keine Pille, die nicht direkt aus der Apotheke kommt, ist sicher.“ Das sei eine Botschaft, die alle Eltern kennen und mit ihren Kindern besprechen müssten.
Politisches Engagement nach dem Verlust
Nach Beccas Tod gründete die Familie die Becca Schmill Foundation, die sich für bessere Schutzmechanismen im Internet einsetzt, darunter „handyfreie Schulen“. Schmill selbst reiste 2024 regelmäßig nach Washington, um für den Kids Online Safety Act zu werben – ein Gesetz, das Minderjährige vor gefährlichen Inhalten auf sozialen Medien schützen sollte. Die Vorlage scheiterte jedoch im Repräsentantenhaus.
Neben politischem Druck plädiert Schmill vor allem für offene Kommunikation: „Eltern müssen verstehen, dass sich die Welt für Jugendliche verändert hat – besonders durch das Internet. Was früher schwer erreichbar war, ist heute einen Klick entfernt.“
Fazit: Wachsamkeit, Aufklärung und offene Gespräche
Der Fall von Becca Schmill verdeutlicht die komplexen Zusammenhänge zwischen digitalem Raum, psychischer Gesundheit, sexueller Gewalt und Drogenkonsum. Deb Schmill appelliert an alle Eltern, wachsam zu bleiben, mit ihren Kindern zu sprechen – und zu erkennen, dass heutige Risiken oft im Verborgenen, hinter dem Bildschirm, lauern.