Ein neuer Vorstoß auf einer beliebten Urlaubsinsel im Indischen Ozean sorgt derzeit weltweit für heftige Debatten: Die dortigen Behörden haben angekündigt, ein Menstruationsverbot für Touristinnen einzuführen. Frauen, die sich in ihrer Monatsblutung befinden, dürfen künftig bestimmte heilige Stätten, Tempelanlagen – und in einigen besonders konservativen Regionen sogar ausgewählte Strände – nicht mehr betreten. Die Maßnahme stößt auf breite Kritik von Menschenrechtsorganisationen, Medizinerinnen, Gleichstellungsinitiativen und der Tourismusbranche.
Begründung: Schutz „religiöser Reinheit“
Die örtliche Regierung begründet das Verbot mit dem Wunsch, traditionelle Werte und religiöse Reinheitsvorschriften strikter durchzusetzen. Laut Vertretern aus dem kulturellen Beirat der Insel gelten menstruierende Frauen in einigen Glaubensrichtungen als „rituell unrein“. Diese Vorstellung ist tief in den lokalen Bräuchen verankert und soll nach Ansicht der Befürworter des Gesetzes nicht durch Touristenverhalten verletzt werden.
Ein Sprecher des Regionalministeriums sagte, man wolle die „spirituelle Energie heiliger Orte wahren“ und gleichzeitig verhindern, dass Unkenntnis westlicher Besucherinnen zu kulturellen Konflikten führe.
Wie soll das Verbot umgesetzt werden?
Einer der umstrittensten Aspekte des neuen Erlasses ist die Frage der Kontrolle. Die Behörden sprechen von einer „auf Vertrauen basierenden Selbstdeklaration“, bei der Touristinnen durch Schilder oder Hinweise darauf hingewiesen werden, Tempel oder bestimmte Anlagen bei Menstruation nicht zu betreten. Eine tatsächliche Überprüfung – etwa durch Befragung oder gar Kontrolle – wäre nicht nur medizinisch wie rechtlich unhaltbar, sondern auch ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.
Scharfe Kritik von internationalen Organisationen
Internationale Reaktionen auf das Verbot ließen nicht lange auf sich warten. Die UN-Frauenrechtskommission zeigte sich „alarmiert“ über die Regelung und kündigte an, sie auf ihre Vereinbarkeit mit internationalen Gleichstellungs- und Menschenrechtsstandards zu prüfen.
Auch Amnesty International und Human Rights Watch bezeichneten die Maßnahme als diskriminierend und rückschrittlich. Die Regelung verstoße gegen die grundlegenden Rechte von Frauen und reproduziere gefährliche Mythen rund um die Menstruation.
Medizinerinnen betonen seit Jahren, dass Menstruation ein natürlicher biologischer Vorgang sei, der nichts mit Unreinheit zu tun habe – weder aus medizinischer noch hygienischer Sicht. Solche Verbote würden das gesellschaftliche Stigma rund um die Periode weiter zementieren, statt es abzubauen.
Tourismusbranche unter Druck
Für die Tourismusindustrie der Insel könnte das Verbot zum Eigentor werden. Bereits jetzt melden Reiseveranstalter eine wachsende Verunsicherung bei Kundinnen. „Viele Frauen fühlen sich durch solche Regelungen bevormundet und nicht willkommen“, erklärt eine Vertreterin eines großen deutschen Reiseunternehmens. Auch in sozialen Netzwerken mehren sich Boykottaufrufe gegen die Insel und ihre Verwaltung.
Besonders problematisch sei, dass das Verbot unspezifisch formuliert sei und große Interpretationsspielräume lasse. Es sei unklar, ob das Verbot für alle religiösen Orte gelte oder ob private Hotels und touristische Strände künftig ebenfalls Regeln durchsetzen müssten.
Zwischen Tradition und internationalem Druck
Die Regierung der Insel steht nun zwischen zwei Fronten: auf der einen Seite lokale religiöse Gruppen, die schon lange eine stärkere kulturelle Rückbesinnung fordern, und auf der anderen Seite der internationale Druck von Tourismuswirtschaft, Zivilgesellschaft und Staaten, die ein Umdenken fordern.
Ob das Verbot tatsächlich dauerhaft Bestand haben wird, ist offen. Experten erwarten in den kommenden Wochen diplomatische Reaktionen – auch von Ländern, aus denen viele Touristinnen stammen. Sollte die Inselregierung nicht zurückrudern, drohen dem einst als tolerant geltenden Reiseziel erhebliche Einbußen beim internationalen Image und beim wirtschaftlich so wichtigen Tourismussektor.
In einer Zeit, in der weltweit für Enttabuisierung und Gleichberechtigung gekämpft wird, wirkt das Menstruationsverbot wie ein Schritt zurück in eine Zeit, in der der weibliche Körper nicht als Teil gesellschaftlicher Normalität, sondern als Problemzone betrachtet wurde. Das internationale Echo macht deutlich: Die Welt schaut genau hin – und sie ist zunehmend weniger bereit, solche Regelungen stillschweigend hinzunehmen.