Der Jahresabschluss 2023 der Windpark Müllingsen GmbH & Co. KG zeigt eine insgesamt gewachsene Bilanzsumme von rund 3,04 Mio. Euro, gegenüber 2,58 Mio. Euro im Vorjahr. Diese Entwicklung basiert vorrangig auf einem Anstieg der liquiden Mittel sowie höheren Forderungen, während gleichzeitig Investitionen in Sachanlagen erfolgten. Aus Anlegersicht ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite steht eine verbesserte Liquiditätslage, auf der anderen eine weiter stark fremdfinanzierte Struktur mit hoher Gesellschafterabhängigkeit.
Die Sachanlagen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt – von rund 320.000 Euro auf über 625.000 Euro. Diese Entwicklung könnte auf Nachrüstungen, Instandsetzungen oder Optimierungen der technischen Infrastruktur hindeuten. Es handelt sich jedoch um eine recht geringe Investitionsgröße, gemessen an typischen Windparkprojekten, was darauf schließen lässt, dass es sich um einen kleineren Windpark oder lediglich um einen Teilbetrieb innerhalb eines Portfolios handelt.
Das Umlaufvermögen bleibt mit knapp 2,4 Mio. Euro dominierend. Positiv fällt hier der Anstieg der liquiden Mittel von etwa 1,64 auf 1,81 Mio. Euro auf – eine gesunde Liquiditätsbasis, die Flexibilität im operativen Betrieb ermöglicht. Gleichzeitig stiegen die Forderungen deutlich, was auf verzögerte Zahlungseingänge oder ausstehende Erlöse hindeuten könnte – darunter auch Forderungen gegenüber Gesellschaftern in Höhe von rund 145.000 Euro, die neu hinzugekommen sind. Ob diese kurzfristig realisiert werden können, bleibt offen – aus Anlegersicht ein kleiner Unsicherheitsfaktor.
Kritisch zu betrachten ist der unveränderte Eigenkapitalbestand in Höhe von lediglich 450.000 Euro, was einer Eigenkapitalquote von nur rund 14,8 Prozent entspricht. Damit bleibt die Gesellschaft stark abhängig von Fremdmitteln – insbesondere von Gesellschafterdarlehen, die allein rund 2,27 Mio. Euro der Verbindlichkeiten ausmachen (ca. 92 % der gesamten Schulden). Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 1,82 Mio. Euro – ein signifikanter Anstieg, der die bestehende Abhängigkeit vertieft. Fremdmittel dieser Art können bei Rückzahlungsverlangen oder gestiegenen Zinsen zum Problem werden, insbesondere wenn das operative Ergebnis schwächer ausfällt.
Auffällig ist auch, dass sämtliche Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von unter einem Jahr aufweisen. Das bedeutet, dass alle Schulden kurzfristig fällig sind – ein Umstand, der in Kombination mit der hohen Fremdmittelquote ein nicht zu unterschätzendes Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiko mit sich bringt. Ohne eine klare Tilgungsstrategie oder Anschlussfinanzierung könnte es bei konjunkturellen Schwankungen oder ausbleibenden Stromerträgen zu Engpässen kommen.
Die Rückstellungen sind mit rund 124.000 Euro deutlich geringer als im Vorjahr (193.000 Euro), was auf die Auflösung nicht mehr benötigter Vorsorgen oder eine niedrigere Bewertung hindeutet. Näheres zur Zusammensetzung der Rückstellungen – etwa für Rückbauverpflichtungen oder Wartungskosten – wird nicht erläutert, was eine präzise Einschätzung erschwert.
Ein weiterer Punkt, der Investoren interessieren dürfte, ist der vollständige Verzicht auf Personal. Die Gesellschaft hat – wie in vielen Windpark-Betreibermodellen üblich – keine eigenen Arbeitnehmer. Der Betrieb erfolgt vermutlich durch externe Dienstleister, deren Kosten nicht transparent gemacht werden. Auch zur Gewinn- und Verlustrechnung werden keine Zahlen genannt, was eine Bewertung der operativen Performance unmöglich macht.
Insgesamt zeigt sich die Windpark Müllingsen GmbH & Co. KG liquiditätsstark, aber strukturell anfällig. Der kontinuierlich steigende Anteil der Gesellschafterverbindlichkeiten, gepaart mit kurzfristigen Laufzeiten und einem schmalen Eigenkapitalpolster, lässt wenig finanziellen Puffer. Solange der operative Cashflow stabil ist und die Gesellschafter unterstützend bleiben, ist die Lage beherrschbar – doch für außenstehende Kapitalgeber oder neue Investoren bleibt das Bild zu abhängig und zu intransparent, um als solide Investition zu gelten. Eine verbesserte Eigenkapitalausstattung und mehr Transparenz zur operativen Ertragslage wären wichtige Schritte, um das Vertrauen langfristig zu sichern.