Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten umfassenden Importzölle könnten laut führenden Ökonomen nicht nur die US-Wirtschaft stark abbremsen, sondern sogar eine weltweite Rezession auslösen. Die Maßnahmen, die ab sofort gelten, sehen unter anderem einen generellen 10 %-Zollsatz auf alle Importe sowie zusätzliche Vergeltungszölle auf 60 Länder vor.
„Wirtschaftliche Gefahr auf Depression-Niveau“
Nach Berechnungen von Mark Zandi, Chefökonom bei Moody’s Analytics, würden die Zölle den durchschnittlichen US-Einfuhrzoll auf rund 20 % anheben – ein Niveau, das zuletzt während der Großen Depression in den 1930er-Jahren erreicht wurde. Zum Vergleich: Vor Trumps Amtsantritt lag der durchschnittliche US-Zollsatz bei etwa 3 %.
„Wenn diese Zölle mehrere Monate bestehen bleiben und Handelspartner entsprechend reagieren, dann steht uns zwar keine Depression, aber eine tiefe Rezession in den USA und global bevor“, so Zandi.
Er hält es jedoch für wahrscheinlicher, dass die Regierung Ausnahmen, Subventionen und Sonderregelungen einführt – insbesondere für US-Landwirte – und einige Länder nicht im vollen Umfang zurückschlagen. In diesem Fall könnte sich der durchschnittliche Zollsatz auf etwa 15 % einpendeln, was die Wirtschaft zwar stagnieren ließe, aber eine Rezession möglicherweise abwenden würde.
Inflation als Folge – Verbraucher unter Druck
Die neuen Zölle dürften die Inflation erneut anfachen. Laut dem britischen Wirtschaftsforschungsinstitut Pantheon Macroeconomics könnte sich der bevorzugte Inflationsindikator der US-Notenbank von derzeit 2,8 % auf 4,8 % erhöhen.
Ökonom Sam Tombs betont jedoch, dass Einzelhändler wahrscheinlich einen Teil der Kosten selbst tragen und Verbraucher auf günstigere Alternativen – etwa US-Produkte – ausweichen würden. Realistisch sei daher ein Inflationsanstieg auf etwa 4 %.
Zusätzlich könnte ein Rückgang der Importe den US-Dollar stärken, was importierte Waren etwas günstiger machen und den Teuerungseffekt teilweise abfedern könnte.
Betroffene Länder und Zollraten
Trump hatte angekündigt, die Zölle auf Grundlage bestehender Handelsbarrieren anderer Länder festzulegen – sowohl tarifäre als auch nicht-tarifäre Hürden wie Mehrwertsteuern, Währungsmanipulation oder staatliche Subventionen.
Die neuen Vergeltungszölle umfassen:
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EU: 20 %
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China: 34 %
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Japan: 24 %
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Südafrika: 30 %
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Indien: 26 %
Hinzu kommen bereits bestehende Zölle:
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20 % auf China
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25 % auf Stahl und Aluminium
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25 % auf bestimmte Produkte aus Kanada und Mexiko
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Ab sofort: 25 % auf alle importierten Autos und leichten Nutzfahrzeuge
Ausgenommen bleiben Produkte, die bereits unter das bestehende Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko fallen – ein Schritt, der laut Zandi die wirtschaftlichen Schäden zumindest etwas begrenzen könnte.
Was bedeutet das für die US-Wirtschaft?
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Konsumrückgang: Da etwa 70 % der US-Wirtschaft vom privaten Konsum abhängen, könnte ein Preisaufschlag auf Importprodukte die Kaufkraft massiv schwächen.
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Unsicherheit für Unternehmen: Die Aussicht auf ständig wechselnde Zölle hemmt Investitionen und erschwert langfristige Planungen.
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Jobrisiken: Sinkender Konsum und geringere Investitionen könnten mittelfristig zu einem Rückgang der Beschäftigung führen.
Fazit: Protektionismus mit hohem Risiko
Donald Trumps neuerlicher Zollkurs verfolgt das Ziel, Handelsungleichgewichte zu korrigieren und heimische Produktion zu fördern. Doch Experten warnen: Die Maßnahmen könnten mehr schaden als nützen – vor allem für amerikanische Verbraucher und Unternehmen. Eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit und Preisanstiege scheint unausweichlich.