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Deutsches Rotes Kreuz fordert verpflichtenden Katastrophenschutz-Kurs für Haushalte

bhossfeld (CC0), Pixabay

Angesichts zunehmender Naturkatastrophen, geopolitischer Unsicherheiten und einer wachsenden Bedrohungslage durch Krisen verschiedenster Art fordert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine verpflichtende Schulung für die Bevölkerung im Bereich Katastrophenschutz und Selbsthilfe. Die Maßnahme soll nach Vorstellung der Organisation künftig fester Bestandteil der zivilen Krisenvorsorge in Deutschland werden.

„Es braucht eine gesellschaftlich verankerte Grundbildung in Notfallvorsorge – vergleichbar mit dem Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein“, sagte eine DRK-Sprecherin gegenüber der Mediengruppe Bayern. Mindestens eine Person pro Haushalt sollte demnach regelmäßig an einem Grundkurs zur Krisenvorsorge und Selbsthilfe teilnehmen. In einer zunehmend komplexen Risikolandschaft reiche es nicht mehr aus, sich im Ernstfall ausschließlich auf Behörden oder Rettungskräfte zu verlassen.

Inhalte des Kurses: Erste Hilfe, Selbstschutz, Krisenverhalten

Der Kurs könne thematisch unter dem Leitsatz „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ stehen und müsse über klassische Notfallmedizin hinausgehen. Denkbar seien Inhalte wie:

Verhalten bei Stromausfall oder Blackout

Wasserversorgung und Lebensmittelbevorratung

Notfallkommunikation ohne Internet und Mobilfunk

Evakuierungsroutinen und Fluchtwege

Erste Hilfe bei Verletzungen ohne sofortige professionelle Hilfe

Risikoeinschätzung und psychische Stabilität im Katastrophenfall

Ziel ist es, das Bewusstsein für persönliche Vorsorge zu stärken, aber auch einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Resilienz zu leisten. Denn: In einer echten Katastrophe ist der Rettungsdienst schnell überlastet – Selbstschutz kann dann zur Überlebensfrage werden.

DRK: Bevölkerungsschutztag als wichtiger Anker

Neben dem Pflichtkurs unterstützt das DRK ausdrücklich auch die Pläne für einen bundesweiten Bevölkerungsschutztag. Ein solcher Tag könne nach Einschätzung der Organisation helfen, die Themen Notfallvorsorge und Krisenverhalten regelmäßig in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Übungen, Informationsveranstaltungen, Schulsensibilisierung und die Einbindung von Feuerwehren, THW, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen könnten den Tag mit Leben füllen.

Ein möglicher Vorbildcharakter liegt dabei im sogenannten „Zivilschutztag“, wie er etwa in der Schweiz oder in skandinavischen Ländern regelmäßig stattfindet. Dort werden Bevölkerung, Schulen, Unternehmen und Behörden jährlich durch abgestimmte Maßnahmen für Ernstfälle sensibilisiert.

Lehren aus der Vergangenheit: Vom Ahrtal bis zum Ukrainekrieg

Der Ruf nach mehr Eigenverantwortung ist nicht aus der Luft gegriffen. Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal (2021), großflächige Stromausfälle in Südeuropa, der Krieg in der Ukraine mit seinen Auswirkungen auf Energieversorgung, Cyberabwehr und Flüchtlingsbewegungen oder auch die COVID-19-Pandemie haben deutlich gemacht, dass staatliche Strukturen allein nicht ausreichen, um jede Lage vollständig abzufedern.

Viele Menschen waren – und sind – auf solche Lagen nicht vorbereitet: Es fehlt an Kenntnissen zur Versorgung im Krisenfall, an Vorräten, aber auch an Handlungssicherheit.

Das DRK sieht den von ihm geforderten Kurs als Möglichkeit, auf freiwilliger, aber verbindlich gestalteter Basis, eine Kultur der Selbsthilfe neu zu etablieren – nicht als Ersatz für staatliche Maßnahmen, sondern als Ergänzung.

Umsetzung: Politischer Wille erforderlich

Ob es zu einem verpflichtenden Kursmodell kommt, ist offen. Die Umsetzung würde politischen Rückhalt, rechtliche Grundlagen und eine enge Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen erfordern. Zudem stellt sich die Frage nach der Finanzierung, der Koordination mit bestehenden Hilfsorganisationen und der Integration in Bildungseinrichtungen oder bestehende Weiterbildungsangebote.

Das DRK betont jedoch: Je früher man beginnt, die Bevölkerung auf Ernstfälle vorzubereiten, desto besser. Der Schutz von Leben, Infrastruktur und öffentlicher Ordnung hänge nicht nur vom Staat ab – sondern auch von der Fähigkeit jedes Einzelnen, im Ernstfall besonnen, vorbereitet und handlungsfähig zu bleiben.

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